Das Partnerland Frankreich ist beim CHIO in Aachen besonders präsent

Große Anstrengungen : Partnerland versprüht französisches Ambiente in der Soers

Wenn man von Aachen zur Metrostation „Abbesses“ im 18. Arrondissement von Paris fahren will, dann steigt man am besten am Hauptbahnhof in den Thalys und kommt etwa drei Stunden später an der unterirdischen Station in der Hauptstadt Frankreichs an. Oder aber man macht einen Abstecher in die Soers.

Einen Kaffee unter dem Eiffelturm? Eine kurze Wartepause vor der U-Bahn-Station? In der Rue France ist das auch in Aachen möglich. Zumindest bis am kommenden Sonntag beim CHIO die Taschentücher zum Abschied der Nationen gezückt werden. Auf dem CHIO-Gelände ist das diesjährige Partnerland Frankreich besonders präsent. Es gibt nicht nur die obligatorischen Crêpes und den Café au lait. Mit einer Miniaturversion des Eiffelturms – statt 324 Metern „nur“ 13 Meter hoch – haben die Franzosen ihr bekanntestes Wahrzeichen gleich mitgebracht. Bistrostühle und -tische aus Holz versetzen den Besucher in eine gemütliche Straßencafé-Atmosphäre. Und an der Nachbildung besagter Metro-Station kann man sich sogleich angucken, welche Ecken in Paris sich am besten mit der Bahn erkunden lassen.

Es sind Requisiten, die die Besucher mitten im CHIO-Village ins französische Partnerland versetzen sollen. Ein paar Stunden Arbeit für den Aufbau, und fertig ist die Rue France – könnte man meinen. Dass die Vorbereitungen deutlich länger dauern, weiß indes Dr. Angelika Ivens. Die Geschäftsführerin des Institut Français beschäftigt sich seit Monaten damit, wie sich Frankreich beim weltgrößten Reitturnier präsentieren kann. Seit Ende Januar steht das diesjährige Partnerland offiziell fest. Die Vorgespräche liefen natürlich noch deutlich länger, räumt Ivens ein. Gespräche, an denen Ivens, nicht zuletzt auch aufgrund ihrer zweiten Funktion als französische Honorarkonsulin, ebenfalls beteiligt war.

Schnell sei klargewesen: „Wenn wir diese Chance nicht nutzen, dann machen wir was falsch.“ Und so habe man zusammen mit den französischen Partnern früh begonnen, den großen Auftritt beim CHIO zu organisieren. Dazu gehörte neben der Eröffnungsfeier auch das Konzept für die Rue France auf dem Gelände selbst. Auf einer Fläche von 300 Quadratmetern stellen sich rund 30 Aussteller aus dem Nachbarland vor. Sie bilden nicht nur ab, welchen Stellenwert der Pferdesport in Frankreich hat.

Auch die französische Kultur sei ein ganz wesentlicher Aspekt, den man beim CHIO in den Fokus rücken wolle, so Ivens. Deshalb werden im Zelt des Institut Français nicht nur französische Literatur und Kunst rund ums Pferd dargeboten. Zu Füßen des „Eiffelturms“ finden zudem während der gesamten Turnierwoche Gespräche mit zahlreichen Autoren und Künstlern statt. „Uns ist wichtig, dass es Begegnungen zwischen Deutschen und Franzosen gibt“, sagt die Institutsleiterin, und zwar unabhängig davon, ob jemand der französischen Sprache mächtig ist oder nicht. Für Übersetzungen stehen die Mitarbeiter des Kulturinstituts zur Verfügung.

Auch Angelika Ivens habe in dieser Woche besonders viel zwischen den zwei Sprachen vermittelt. Als Honorarkonsulin gehört es zu ihren Aufgaben, die Gäste aus Frankreich zu empfangen und zu verabschieden, dazu gehörten neben Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu auch die französische Sportbotschafterin sowie die Botschafterin Frankreichs in Deutschland.

Dass all diese Anstrengungen und Gespräche auch über die Turnierwoche hinaus Früchte tragen werden, davon ist Angelika Ivens überzeugt. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die deutsch-französischen Institutionen in Zukunft bei der Sport- und Sprachvermittlung enger kooperieren wollen, berichtet sie von den Gesprächen, die in den vergangenen Tagen in Aachen geführt wurden. So plane man etwa einen Austausch für Franzosen und Deutsche, die im Bereich Pferd eine Ausbildung machen. Frei nach dem Prinzip: Vormittags gibt es Sprachunterricht, nachmittags geht es zum CHIO.

Und natürlich hofft Ivens, dass die starke Präsenz Frankreichs auf dem CHIO-Gelände auch den ein oder anderen Besucher dazu animiert, wieder ein paar Französischvokabeln zu pauken. Oder auch in den Thalys zu steigen, um sich die Metrostation „Abbesses“ im Original anzusehen.

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