Aachen: Das Kongressdenkmal im Stadtgarten muss dringend saniert werden

Aachen : Das Kongressdenkmal im Stadtgarten muss dringend saniert werden

Das Denkmal liegt ein wenig im Verborgenen, im Stadtpark zwischen Passtraße und Gebäude der Neuen Aachener Kunstvereins. Und in gewisser Weise stellt der kleine Tempel auch ein Kunstwerk der Aachener Architektur dar. Schließlich haben die Baumeister Johann Peter Cremer und Karl Friedrich Schinkel hier ihre Handschrift hinterlassen.

Das Kongressdenkmal im Stadtgarten soll — 200 Jahre nach der namensgebenden Versammlung in Aachen — mit größerem Aufwand saniert werden. Jetzt hat die Stadt bei der Bezirksregierung 150 000 Euro für die Komplettsanierung beantragt.

Sieht stabil aus, ist es aber nicht: 1928 wurde der Tempel im Stadtgartren wieder aufgebaut. Jetzt ist er wieder sanierungsbedürftig.

Der Schinkel‘sche Tempel ist verbunden mit einem wesentlichen Stück europäischer Geschichte des früheren 19. Jahrhunderts. Einem Stück Historie, das den Gang der Uhren in Europa nachhaltig beeinflussen sollte. Fünf Jahre nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Herbst 1813, die im Grunde das Ende der napoleonischen Herrschaft über weite Teile des Kontinents einleitete, trafen sich in Aachen die Herrscher der Großmächte Preußen, Russland und Österreich.

Im First des kleinen Tempels: In Bronze sind die Porträts der früheren Herrscher verewigt.

Am 18. Oktober 1818 bekräftigten die Monarchen Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, Zar Alexander von Russland und Kaiser Franz I. von Österreich im Rahmen eines Militärgottesdienstes den Fortbestand ihrer Waffenallianz, die aus den napoleonischen Kämpfen stammte. Und dazu trafen sie sich vor dem Adalbertstor, auf dem heutigen Adalbertsteinweg gelegen, das Anfang des 14. Jahrhunderts als Teil der äußeren Stadtmauer errichtet worden war.

Der König legte den Grundstein

Im Rahmen des Restaurationsgedankens, der die vornapoleonische Staaten- und Gesellschaftsordnung wieder herstellen wollte, glaubte man auch in Aachen, dieses Monarchentreffen sei eines Erinnrungsmales würdig. Die Baumeister Schinkel (Entwurf) und Cremer (Ausführung) erhielten den Auftrag. Im Oktober 1836 erfolgte die Grundsteinlegung, genau acht Jahre später die Einweihung. Den Grundstein legte der spätere preußische König Friedrich Wilhelm IV. persönlich. Im Gegensatz zum aufkommenden Freiheits- und Liberalismusgedanken sollte das Denkmal „gewissermaßen bestimmt sein, eine religiöse Handlung zu verewigen“. Die weitere Ausführung übernahm ab 1839 Stadtbaumeister Friedrich Joseph Ark, der unter anderem den Treppenturm an der Katschhofseite des Rathauses errichtete.

Genau an der Stelle des „Gelöbnisses“ wurde schließlich der Tempel aus Marmor errichtet, der in seinem First die Porträts der drei Monarchen aus Bronze aufnahm. Die Ewigkeit des Projektes hatte zumindest mit Blick auf den Standort eine kurze Halbwertzeit, denn die städtebauliche Entwicklung Aachens machte eine Vesetzung notwendig. Das über acht Jahre errichtete Denkmal wurde 1914 innerhalb nur eines Monats demontiert, um seine Heimat am heutigen Ort im Stadtgarten zu finden.

Angesichts der Wirren und Folgen des Ersten Weltkriegs wurde das kleine Bauwerk erst 1927 wiedererricht beziehungsweise 1928 in den Rosengarten des Stadtgartens integriert. Damals wurden auch alle schadhaften Teile erneuert. 90 Jahre später ist aber der Sanierungsbedarf wieder enorm. Und hier macht die aktuelle Landesregierung der Stadt Aachen Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung. Die Fördermittel für den Denkmalschutz wurden auf 13 Millionen Euro aufgestockt. 150 000 hat die Stadt nach Auskunft von Stefan Herrmann vom Pressebüro beantragt, um Dach, Natursteinfassade und auch die Bemalungen zu restaurieren. Man sei zuversichtlich, das Geld zu bekommen und im Sommer mit den Arbeiten beginnen zu können.

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