Heim Maria im Tann: Das Kinderheim arbeitet nicht nur mit Kindern

Heim Maria im Tann : Das Kinderheim arbeitet nicht nur mit Kindern

„Ein Kind bleibt im Schnitt zwei Jahre bei uns“, sagt Stefan Küpper. Die Vorstellung, dass ein Kind jahrelang im Heim bleibt, gehöre längst der Vergangenheit an, weiß der Geschäftsführer des Aachener Heims Maria im Tann aus Erfahrung. Ohnehin seien die meisten Annahmen zur Arbeit in einem Kinderheim überholt.

„So arbeiten wir inzwischen mit mehr Kindern zusammen, die noch in ihren Familien leben, als bei uns im Heim leben.“

Eine gute Gelegenheit, sich von der aktuellen Arbeit in Maria im Tann ein Bild zu machen, haben alle Aachener am Samstag, 22. September, beim großen Sommerfest auf dem Gelände im Preuswald. „Darüber hinaus ist das Sommerfest natürlich ein Treffpunkt für unsere Ehemaligen, die nicht nur ihr ehemaliges Zuhause besuchen wollen, sondern sich auch gegenseitig treffen möchten“, umschreibt Küpper die Netzwerkbildung der Ehemaligen, sie sich auch in der Zeit im Heim voneinander lernen und sich gegenseitig unterstützen können.

Im Heim müssen dabei längst nicht alle gelebt haben. „Bei uns leben derzeit 92 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 19 Jahren“, berichtet Matthias Rumler, der in Maria im Tann Heim als Erziehungsleiter arbeitet. Dagegen betreut das Zentrum für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe — wie das Kinderheim offiziell heißt — bis zu 150 Kindern, die in 85 Familien leben, ambulant. Dafür ist Laryssa Walleneit mit einem zwölfköpfigen Team zuständig.

Die Fachkräfte arbeiten in den Familien und mit den Familien, damit es vielleicht erst gar nicht zu einer Unterbringung im Heim kommen muss. Und wenn doch, dann ist das Verständnis für einen solchen Schritt bei den Eltern, die zuvor durch die ambulante Hilfe betreut worden sind, meist größer, berichtet Walleneit. „Die Bitterkeit ist dann eine andere, denn die Eltern bleiben Akteure ihres eigenen Lebens.“

Elternkurse

Zu den Aufgaben der ambulanten Hilfe gehören auch die Elternkurse, an denen nicht nur Eltern aus betreuten Familien, sondern auch Eltern, deren Kinder im Heim leben, aber auch Externe teilnehmen können. „Hier können sich die Eltern untereinander vernetzen, und sie erleben sich gegenseitig als Experten“, berichtet Laryssa Walleneit, denn sie habe die Erfahrung gemacht: „Alle Eltern wollen nur das Beste für Ihre Kinder.“

Dass dies nicht immer funktioniere, kann unterschiedliche Gründe haben. „Das kann in jeder Familie passieren“, sagt sie und Matthias Rumler fügt hinzu: „Das muss kein Versagen sein, es kann auch gesundheitliche Gründe haben.“

Doch egal, ob die Kinder im Heim leben oder noch in ihren Familien, wichtig sei es, die Eltern in die Arbeit der Pädagogen mit einzubeziehen. „Wenn wir mit den Kindern vernünftig arbeiten wollen, müssen die Eltern unsere Partner sein“, sagt Stefan Küpper. Denn: „Oberstes Ziel unserer Arbeit ist die Rückführung der Kinder in die eigenen Familien.“ So werden die Eltern auch beim Sommerfest miteinbezogen, wo sie Stände betreuen. Auch bei Sportveranstaltungen, an dem die Heimkinder teilnehmen, werden die Eltern eingeladen — zum Mitmachen, zum Anfeuern, zum Dabeisein.

„Wir bewerten hier keine Menschen“, sagt Heimleiter Stefan Küpper, „sondern Strukturen, Zusammenhänge, Verhaltensweisen. Die Aussage ,Du bist schuld‘ gibt es hier nicht.“

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