Aachen: „Das ist eines Bischofs nicht würdig“: Dompropst weist Kritik zurück

Aachen : „Das ist eines Bischofs nicht würdig“: Dompropst weist Kritik zurück

Das Bild des Anstoßes ist in einem jämmerlichen Zustand — die Farben vergilbt, von Kerzenwachs befleckt. Dompropst Manfred von Holtum bekräftigt am Donnerstag, dass es auch deshalb richtig gewesen sei, das Foto des 1994 gestorbenen Aachener Bischofs Klaus Hemmerle vom Boden der Grabstele in der Allerheiligenkapelle des Doms zu entfernen. Daran hatte es am Vortag harsche Kritik gegeben.

Mangelnden Respekt und fehlendes seelsorgerischem Gespür warf Heinrich K. Bahnen wegen des nach vielen Jahren nun verschwundenen Hemmerle-Bildes dem Aachener Domkapitel vor. Der ehemalige Leiter des Katholischen Bildungswerks Aachen-Stadt reagierte darauf erzürnt. „Bischof Hemmerles Verehrung wurde hinweggefegt“, kritisierte Bahnen scharf. Andere Bildungswerksleiter im Bistum sowie Menschen aus dem Umfeld von Klaus Hemmerle teilten seine Klage.

In den Fokus gerieten dabei vor allem zwei erst seit Juni 2017 für das Aachener Münster verantwortliche jüngere Geistliche: Monsignore Gregor Huben als residierender Domkapitular und Pfarrer Dr. Peter Dückers als Domvikar. Sie hatten die privat hinzugestellten Devotionalien aus der Kapelle genommen. Ebenso wie einen alten Zeitungsausschnitt, der den 1986 gestorbenen Weihbischof Joseph Buchkremer in einem kleinen Bilderrahmen zeigt. Die Allerheiligenkapelle — im Dom durch den Haupteingang linke Hand hinter der Nikolauskapelle gelegen — wurde in einem karolingischen Gewölbe als Gruftkapelle im Jahr 1955 eingerichtet. Neben Hemmerle und Buchkremer sind hier sieben weitere Bischöfe bestattet.

Nun wurde „aufgeräumt“ — genauso wie beim Gestühl in der Chorhalle des Münsters, wie von Holtum erläutert. In der Allerheiligenkapelle geht es um würdiges Gedenken, aber auch um Ästhetik. Den Verantwortlichen — Huben und Dückers — stärkt Dompropst von Holtum deshalb ausdrücklich den Rücken. „Die Entscheidung, das Bild von Bischof Klaus Hemmerle am Fuße der Stele vom Boden wegzunehmen, ist völlig richtig“, sagt von Holtum. „Das Foto hat nach all den Jahren ein erbärmliches Erscheinungsbild, zudem gehört so etwas nicht auf den Boden. Das ist eines Bischofs Klaus Hemmerle nicht würdig“, betont der Dompropst.

Es geht auch um Generelles: Privatleute könnten nicht einfach Fotos oder auch Blumen an ihnen persönlich besonders am Herzen liegende Stellen im Hohen Dom platzieren. Solch ein Wildwuchs sei gegenüber anderen Gläubigen nicht gerechtfertigt und störe die Ästhetik des Münsters. Von Holtum stellt klar, dass keinesfalls daran gedacht sei, die Verehrung und Würdigung von Bischof Klaus Hemmerle zu beschneiden. „Das Gegenteil ist der Fall!“, unterstreicht der Dompropst. „Uns geht es um ein würdevolles Erscheinungsbild.“

Kritiker Bahnen hatte genau dies in Zweifel gezogen: „Diese schlichten Zeichen in der Allerheiligenkapelle galten Bischof Hemmerle als Ausdruck der Zuneigung und Verehrung. Offenbar hatten die damals Verantwortlichen im Domkapitel ein Gespür dafür, worauf es ankommt — und zeigten Respekt vor frommer Verehrung aus der Mitte des Gottesvolkes, indem sie diese Zeichen in der Kapelle beließen“, hatte er kritisiert.

Von Holtum und das Domkapitel beurteilen das anders. Sie verfolgen nun eine andere Idee, die schon am Freitag im Domkapitel beraten werden soll. So könnten Fotos und Gedenktexte zu den gestorbenen Aachener Bischöfen in der Vorhalle des Münsters auf die vorhandene LED-Bildschirm-Infostele gespielt werden. So würde weder die Ästhetik der Gruftkapelle noch das Bedürfnis nach bildlichen Erinnerungen beeinträchtigt. Anstoßen will Dompropst von Holtum diesen Weg nun selbst.