Hohe Stützmauer zur Inde: Das große Chaos am Napoleonsberg wird wohl ausbleiben

Hohe Stützmauer zur Inde : Das große Chaos am Napoleonsberg wird wohl ausbleiben

Die ganz große Katastrophe in Sachen Verkehr in Kornelimünster dürfte nun doch ausbleiben. Denn um die hohe Stützmauer zur Inde hin zu ertüchtigen, ist nur noch eine temporäre Vollsperrung des Napoleonsbergs notwendig. Das sah Anfang des Jahres noch ganz anders aus.

Damals hatten die Anwohner und Geschäftsleute des Korneliusmarktes und die Anlieger am Napoleonsberg noch beinahe verzweifelt die Hände über ihren Köpfen zusammengeschlagen, weil die Planer im Stadtbetrieb zur Verwirklichung des Neubaus der bröckelnden Stützmauer eine mehr als 13-monatige Vollsperrung der Nord-Süd-Achse durch das Städtchen vorgesehen hatten.

Bezirksbürgermeister Jakob von Thenen (CDU) berichtete am Freitag unserer Zeitung, wie erleichtert er — und natürlich auch die Vertreter der anderen Fraktionen — gewesen seien, als die Planer der Abteilung Straßenunterhaltung und Brückenbau sich die heftigen Einsprüche der Anwohner und der Mitglieder in der Bezirksvertretung zu Herzen genommen hatten. Man suchte und fand ein anderes Bauverfahren, für das die Straße nur einspurig gesperrt werden muss.

Zunächst hatte es geheißen, dass der Neubau der Mauer zwischen der Einfahrt am Korneliusmarkt bis hin zum Steinkaulplatz nicht ohne Vollsperrung möglich sei, auch der neu zu bauende Bereich am Rande mit einer Breite von 2,50 Meter für Fußgänger und Radfahrer mache das nötig. Doch bereits im Frühjahr hatte Abteilungsleiterin Gisela Weiß Entwarnung gegeben.

Der Verkehr soll nun trotz Bautätigkeit zumindest auf einer Spur weiterlaufen, wenn auch nicht während der gesamten geplanten 13-monatigen Bauzeit. Stadtbetriebs-Sprecherin Elisa Bresser berichtete damals, dass sehr wohl noch drei Mal Vollsperrungen mit einer Dauer von einer Woche vorgesehen sind, einmal wird es sogar eine Straßensperrung von zwei Wochen geben.

Doch auch damit haben die Geschäftsleute ihre Probleme. Insbesondere die Betreiberin des traditionsreichen Hotels „Zur Abtei“ am Napoleonsberg, Marion Ostlender, befürchtet nicht nur derbe Einbußen, sondern eine unzumutbare Behinderung ihres Hotelbetriebs.

„Hier ist vor kurzem eine städtische Kommission vorstellig geworden, mit der wir gemeinsam Auswege gesucht haben,“ berichtet die Hotelchefin im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch das Ergebnis sei dürftig gewesen. Denn man könne keinesfalls wie vorgeschlagen von hinten über den Schulberg an das Objekt herankommen, macht Hotelfrau Ostlender deutlich. Für Lieferanten und auch für Gäste mit Gepäck sei der steile Hang nicht zu schaffen.

„Weder das Hotel noch das Restaurant werden in dieser Zeit zumutbar zu erreichen sein“, beklagt sich Ostlender. Selbst der Anlieferbetrieb bei einer nur einspurigen Verkehrsführung sei nicht praktikabel: „Wenn der Weintransporter kommt und vor der Türe hält, ist das eine Sperrung der Straße.“ Da würden sich weitere Verkehrsteilnehmer sicherlich lautstark beschweren. „Wir wollen unsere acht Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten, das wird aber unter diesen Umständen nicht möglichen sein“, betont Marion Ostlender.

Deswegen schrieb die Hotelbesitzerin Anfang August einen Brief an die Stadt. Den Hotelbetrieb unbeschadet zu erhalten, das gehe nur mit einer Entschädigungszahlung durch die Stadt, schrieb die Hotelchefin darin — und beantragte offiziell eine solche Geldleistung bei der Stadt Aachen. Bis Donnerstag dieser Woche gab es darauf noch keinerlei Reaktion, am Freitag nun erhielt sie zumindest die Eingangsbestätigung des Schreibens.

Nun ist bis zum Beginn der umfangreichen Baumaßnahme noch ein Weilchen Zeit. Starten will man im Herbst 2019, bestätigte Sprecherin Bresser. Für SPD-Bezirksvertreter Bernd Krott beispielsweise muss über das Prozedere nochmals genauestens gesprochen werden. Einig sind sich allerdings alle, dass der großzügige Rad- und Fußweg gegenüber dem bedauerlichen Ist-Zustand ein echter Fortschritt ist.

Das bekräftigte auch Bezirksbürgermeister von Thenen, der noch auf einen weiteren, von allen getragenen Beschluss hinwies. „Der Parkplatz am Steinkaulplatz wird nicht von den Bauleuten zugestellt werden und bleibt kostenfrei für die Bürger erhalten“, bekräftigte er. Ein wenig Angst hat von Thenen noch, ob man mit der anvisierten Bauzeit zurechtkomme: „Was die Archäologie noch findet, dass weiß man hier doch nie“, fürchtet er sich vor den Grabungsexperten.

Ein gutes Beispiel für eine gelungene Verkehrsregelung durch Ampeln sei im Übrigen die momentane Baustelle im Bereich Schleckheimer Straße. Die Ampel funktioniere gut und ermögliche den Verkehr in beide Richtungen. Denn das will man bei der Stadt bislang auch noch nicht, man hat zunächst nur eine Verkehrsführung in eine Richtung vorgesehen.

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