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Aachen: Das Geschäft mit den Ladenlokalen boomt

Aachen : Das Geschäft mit den Ladenlokalen boomt

Ob ein Vermieter für 50 Quadratmeter Ladenfläche 250 Euro oder über 5000 Euro — also das Zwanzigfache (!) — kassiert, ist in Aachen im Umfeld des neuen Einkaufspalastes Aquis Plaza oft nur eine Frage von wenigen Metern. Es kommt auf die Perspektive an.

Beispiel: In der Oberen Adalbertstraße schießen die Mieten mit teils mehr als 100 Euro pro Quadratmeter in den Himmel, in der Unteren Adalbertstraße fallen sie zuweilen ins Bodenlose. Dabei sinkt die Leerstandsquote in der ganzen Innenstadt im Oktober 2015 auf einen Tiefststand. Nach der neuen Leerstandserhebung der Aachener Zeitung (Oktober 2015) sind derzeit rund 50 Geschäftslokale verwaist. Im Vorjahr waren es 71, im Jahr 2013 noch 81. Untersucht wurden alle Straßen innerhalb des Grabenrings plus Theater-, Wilhelm- und Bahnhofstraße. Ausgeklammert sind seit Jahren ein gutes Dutzend leerstehender Verkaufsräume entlang der Großbaustelle zwischen Kaiser- und Willy-Brandt-Platz. Das wird sich ändern.

Rechts hui, links pfui? Die Gegensätze an der Unteren Adalbertstraße könnten vor der Mall-Eröffnung kaum größer sein. Foto: Michael Jaspers

„Durch die Eröffnung von Aquis Plaza gibt es in der Aachener Innenstadt auf einen Schlag 130 neue Geschäfte mit mehr als 29.000 Quadratmetern zusätzlicher Verkaufsfläche. Diese Investition bedeutet für die Adalbertstraße eine enorme städtebauliche Aufwertung“, sagt die Handelsexpertin der Industrie- und Handelskammer, Monika Frohn. Und fügt hinzu: „Die Änderungen ziehen schon neue Investitionen an. Weitere werden und müssen folgen — auch im übrigen Stadtgebiet.“

Investiert wird vor der Eröffnung des Einkaufspalastes am Mittwoch, 28.Oktober, direkt nebenan. OB Marcel Philipp findet die nähere Umgebung — gerade zur glanzvollen Einweihung des 290-Millionen-Euro-Neubaus — nämlich reichlich schäbig. Deswegen handelte er mit Nachbarn kosmetische Maßnahmen für eine fünfstellige Summe aus. Erst wollte man einen riesigen Vorhang ziehen — zu teuer. Nun werden bis Dienstag marode Hausfassaden an der Unteren Adalbertstraße mühsam von Graffiti, Schmierereien und zentimeterdicken Plakatschichten befreit.

Dann beklebt man — teils eigens ausgewechselte — Schaufensterscheiben leerer Ladenlokale großformatig mit weißer Folie. Darauf landen Motive der Werbekampagne „Einkaufen in Aachen. Alles drin!“ sowie Architektenentwürfe des geplanten Einkaufsviertels zwischen Unterer Adalbertstraße und Stiftstraße. Fünf Hauseigentümer und Plaza-Investor ECE machen mit. Bloß: Nächtliche Vandalen machten den Hausherren jetzt buchstäblich den ein oder anderen Strich durch die Rechnung, wie der Sprecher der Standortgemeinschaft Untere Adalbertstraße, Oliver Mohr, bestätigt. „Da wo wir gerade sauber gemacht haben, sind schon nach einer Nacht wieder Schmierereien an den Wänden, werden Scheiben eingeschlagen. Außerdem wurden Briefkästen angezündet“, beklagt er. Bis die Junkie- und Trinkerszene einen Bogen um das Viertel macht, wird noch Zeit vergehen.

Apropos: Projektentwickler Gerd Sauren plant für 2016 den Abriss des weitgehend verlassenen, heruntergekommenen Häuserblocks. Auch dort sollen moderner Einzelhandel und Wohnungen wachsen — für zig Millionen Euro. Anderswo verschwinden Leerstände ebenso: etwa auf der Adalbertstraße, wo Peek- & Cloppenburg das alte Wehmeyer-Haus ersetzt. Gegenüber des Stadttheaters weichen Einzelhandelsleerstände einem „Motel One“-Neubau. Büchel und Dahmengraben mit über einem Dutzend verlassener Einhandelsflächen gelten noch als eine Art „Problemzone“.

OB Philipp ist zuversichtlich: „Wir erleben durch den Impuls, den Aquis Plaza dem Einkaufsstandort Innenstadt beschert, tatsächlich schon jetzt positive Effekte. Es gibt deutlich vernehmbare Aufbruchsignale im Einzelhandel, die Aktionen sind nach vorne gerichtet, die Kampagne ‚Einkaufen in Aachen. Alles drin!‘, die wir als Stadt maßgeblich unterstützen, zündet. Und ich setze darauf, dass sich dieser Trend durch weitere positive Akzente fortsetzt“, sagt er. Und er betont: „So verspreche ich mir gerade im großen Bereich rund um den Büchel bis hin zum Dahmengraben durch den laufenden städtebaulichen Wettbewerb auch dort eine Aufbruchstimmung, die die Einkaufsstadt Aachen weiter beflügeln wird.“ Ab 2017 erwartet man auch in der Großkölnstraße wegweisende Veränderungen. Anstelle verrotteter Pfeiffer-Flachbauten sollen ein Parkhaus, moderner Einzelhandel und Wohnhäuser zu neuem Glanz verhelfen.

Was bleibt von 2014/15 — abgesehen von Aquis Plaza? Auch das untersucht die jüngste Analyse zum gewerblichen Immobilienmarkt der „Initiative Aachen“. Geschäftsführerin Andrea Trebschuh: „Die Ergebnisse der Erhebungen zu den Vermietungen im Jahr 2014 zeigen; es ist ruhig, sehr ruhig. Das gilt für das Gesamtergebnis der vermieteten Flächen. Ob Einzelhandel-, Büro-, Lager- oder Produktionsfläche: Alle verzeichnen erhebliche Rückgänge und bestätigen die Stimmungsberichte der vergangenen Monate.“ Für das Stadtzentrum gilt indes: „Innerhalb des Alleenrings ist uns eine Vermietungsleistung im Einzelhandel von fast 6000 Quadratmetern gemeldet wurden — die Vermietung vieler kleiner Flächen in den 1b/c- und 2a/b-Lagen ist dafür verantwortlich“, sagt sie. Ihre Analyse ist 2015 kostenlos erhältlich unter 0241/8793000 und initiative-aachen@t-online.de.

Aktuelle Infos gibt es ebenso kostenlos beim Einzelhandelsexperten Herbert Kuck, Wirtschaftsförderung: „Eigentümer von Handelsimmobilien können ihr leerstehendes oder bald frei werdendes Ladenlokal im Einzelhandelsinformationssystem auf www.aachen.de darstellen lassen. Dies ist für lokale und überregionale Interessenten eine gerne genutzte Hilfe bei der Suche nach Ladenflächen. Sie haben hier die Möglichkeit, Lage, Zuschnitt und weitere Informationen abzurufen.“ (http://www.aachen.de/DE/wirtschaft_technologie/branchenfocus/einzelhandel/eis/index.html) Ein paar Euro bis über 100 Euro pro Quadratmeter liegen per Mausklick sogar nur Zentimeter voneinander entfernt.