Aachen: „Das Fest“: RWTH-Theatergruppe spielt in der Klangbrücke

Aachen: „Das Fest“: RWTH-Theatergruppe spielt in der Klangbrücke

Eigentlich ist es ein typisches Familienfest: Zum 60. Geburtstag des Familienpatriarchen Helge Klingenfeldt-Hansen (Leonard Schiel) kommt die ganze Verwandtschaft zur Feier auf seinen Landsitz in der dänischen Provinz. Da gibt es den verwirrten Opa (Johannes Bachstädter), der seine Rede gleich fünfmal zum Besten gibt, genauso wie den rüpelhaften Sohn Michael (Andreas Ehlert). Es folgt ein „Skol!“ auf das nächste und der Alkoholpegel steigt. Alles wie immer also.

Doch der Schein trügt, ein dunkles Familiengeheimnis überschattet den Abend. Der „Poetische Anfall“, die Theatergruppe der RWTH, zeigt in der ausverkauften Klangbrücke die Premiere von „Das Fest“ nach einem Drehbuch von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov. „Das Fest“ erzählt verstörend, wie der Sohn Christian (Matthias Kammer) seinen Vater Helge des sexuellen Missbrauchs an ihm und seiner toten Schwester Linda (Janina Kraus) bezichtigt. Die Festgemeinde will von dieser unangenehmen Wahrheit jedoch nichts wissen und bezeichnet Christian als wahnsinnig.

„Wir sind gespannt, aufgrund der Thematik ist es dieses Mal etwas risikoreicher“, sagt Matthias Holzapfel. Er ist mit Patrick Gerding zuständig für die Regie. Doch Sorgen müssen die Studenten sich nicht machen: Das Ensemble des „Poetischen Anfalls“ bringt die Kombination von alltäglichem Humor und diabolischer Wahrheit gekonnt auf die Bühne.

Da „Das Fest“ ursprünglich als Film nach den strengen Regeln der Gruppe „Dogma 95“ inszeniert wurde, sind die Charaktere der Figuren oft ambivalent und mit gegensätzlichen Wesensmerkmalen ausgestattet. Diese schauspielerische Leistung gelingt dem Ensemble sehr gut, der Wechsel von der rauschenden Party in die bedrückende Atmosphäre glückt nahtlos. „Durch das große Ensemble war es ein großer organisatorischer Aufwand“, sagt Holzapfel.

Es ist bereits die 27. Inszenierung für die RWTH-Theatergruppe. Patrick Gerding erklärt: „Das Stück war mehrere Jahre hintereinander in der Auswahl, ist aber bisher wegen des heiklen Themas nicht durchgekommen“. Dieses Mal war es ein knappes Ergebnis für das Stück. Eine mutige Entscheidung, besonders im Gegensatz zur Komödie „Bubblegum & Brillanten“ im vorigen Jahr.

Weitere Aufführungen sind am Dienstag, 14. Mai, am Mittwoch, 15. Mai, am Freitag, 17. Mai und am Samstag, 18. Mai, jeweils um 20 Uhr. Die Karten kosten 5 Euro, die Abendkasse ist ab 19.30 Uhr geöffnet, Vorverkauf im AStA-Büro, Peterstraße 44-46.