Das Familienunternehmen Drouven aus Aachen ist aus der Insolvenz raus

Aachener Bäckerei Drouven : Das Ende des Insolvenzverfahrens ist nur noch Formsache

Die schweren Zeiten sind vorerst vorbei. Die Brot- und Printenbäckerei Drouven ist aus der Involvenz raus. Nachdem das Familienunternehmen vergangenes Jahr in finanzielle Schieflage geraten war, geht es nun bergauf. Doch nicht alle Filialen konnten erhalten werden.

Das Symbol dafür, wie Michael Drouven das vergangene Jahr überstanden hat, hängt in seinem Büro links neben der Tür. „You’ll never walk alone“ (zu deutsch: Du wirst den Weg nicht allein gehen müssen) steht auf dem gerahmten Plakat, versehen mit Dutzenden handschriftlichen Signaturen einiger seiner Mitarbeiter. „Das haben mir unsere Verkäuferinnen geschenkt“, sagt Michael Drouven, kurz nachdem das Traditionsunternehmen im vergangenen Jahr Involvenz in Eigenverwaltung angemeldet hatte. Um zu zeigen, dass er und seine Familie diese schwere Zeit nicht allein durchstehen müssen.

Das Symbol hat offensichtlich gewirkt. Die schweren Zeiten sind vorerst vorbei. „Wir sind aus der Insolvenz raus“, teilt der Bäcker und Industriekaufmann erleichtert mit. Am 15. August haben die Gläubiger bei einem Erörterungs- und Abstimmungstermin dem Insolvenzplan mit überwiegender Mehrheit zugestimmt. Bis zur Aufhebung des Insolvenzverfahrens müssten lediglich noch einige formelle Schritte erledigt werden, wie Sachwalter Frank Graaf von der Kanzlei Piepenburg-Gerling sagt. Die wöchentlichen Treffen zwischen dem vom Amtsgericht Aachen eingesetzten Sachwalter und der Familie Drouven haben nun also auch ein Ende.

Bis dahin war es ein langer Weg. Anfang August vergangenen Jahres hatte die Brot- und Printenbäckerei, die seit 1896 in Aachen Backwaren an den Mann (und die Frau) bringt, Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet, nachdem sie in finanzielle Schieflage geraten war. Der heiße Sommer 2018 hatte dem Unternehmen das Geschäft vermiest.„Wenn’s heiß ist, essen die Leute lieber ein Eis, statt beim Bäcker Kuchen zu kaufen“, so Drouven.

Am 1. Oktober 2018 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Seitdem hat die Geschäftsführung unter der Aufsicht von Sachwalter Frank Graaf die Produktionsabläufe optimiert und das Unternehmen Schritt für Schritt saniert. Immer mit der Maßgabe, möglichst viele Filialen und vor allem Mitarbeiter halten zu können.

Nicht an jedem Standort war das möglich. Die beiden Bäckerei-Filialen in Aachen-Horbach und in Monschau wurden zum Ende des Jahres 2018 im Rahmen des Sanierungskonzeptes geschlossen. Insbesondere die Eröffnung der Monschauer Filiale im Jahr 2015 hatte sich im Nachhinein als problematisch entpuppt. Allein die Logistik-Kosten seien viel zu hoch gewesen.

Während die Mitarbeiter in Horbach nun an anderer Stelle in dem Familienbetrieb arbeiten, sei die Weiterbeschäftigung der Eifeler Kollegen – drei Aushilfen und eine festangestellte Kraft – leider nicht möglich gewesen, sagt Michael Drouven. Doch auch außerhalb der Drouven-Familie seien diese Mitarbeiter mittlerweile bestens versorgt. Von ehemals 140 Mitarbeitern gehören demzufolge jetzt noch 110 Männer und Frauen dem Unternehmen an. „Insolvenzbedingte Kündigungen gab es aber keine Handvoll“, sagt Drouven.

Der 32-Jährige, der im Verlauf des Involvenzverfahrens zunehmend in die Geschäftsführung eingestiegen ist und die Leitung des Unternehmens bald auch offiziell übernehmen will, blickt optimistisch in die Zukunft, zumal die traditionell umsatzstarke Printenzeit bevorstehe. „Insolvenz ist ein böses Wort, aber im Prinzip war es die beste Entscheidung“, sagt er rückblickend.

Mit der Anschaffung moderner Maschinen sollen die Produktionsabläufe nun noch effizienter werden. An der Qualität und der Auswahl der Produkte solle sich indes nichts ändern. „Wir sind eine Handwerksbäckerei. Jedes Brot wird von Hand gewirkt, der Rollkuchen von Hand zubereitet.“ Und das werde auch so bleiben.

Dass nicht nur die Kunden und die Gläubiger, sondern auch die Mitarbeiter dem Familienunternehmen treu die Stange gehalten haben, freut ihn besonders. „Wir sind unseren Mitarbeitern extrem dankbar, dass sie mit uns durch diese schwere Zeit gegangen sind“, sagt Drouven. „You’ll never walk alone“, eben.

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