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30 Jahre Aachener Bluesnacht: Das Experiment hat sich zur Institution entwickelt

30 Jahre Aachener Bluesnacht : Das Experiment hat sich zur Institution entwickelt

Am Samstag sollte groß Geburtstag gefeiert werden. Die „Aachener Bluesnacht“ wird 30 Jahre alt. Doch statt eines Konzertes mit vielen regionalen Musikern ist coronabedingt Stille angesagt. Die Bühne im Franz bleibt vorerst leer.

Eigentlich war es ein Experiment. Oder ein allzu kühner Plan. Könnte ein Konzert von zwei Aachener Amateurbands in Aachens damals renommiertesten Club erfolgreich sein? Würden genug Tickets verkauft? Oder wäre es ein wirtschaftlich verlorener Abend?

„Okay, wir können es einmal versuchen“, hat Gastronom Thomas Jurisch 1991 gesagt, als die Somebody Wrong Bluesband (SWB) bei ihm anklopfte. „Aber nur an einem Freitagabend, der Samstag ist mir dazu zu wertvoll…“ Also spielten SWB und The Big Booze an diesem Freitag, dem 19. Januar 1991, im legendären Jakobshof an der Stromgasse ihre erste Aachener Bluesnacht. Vor ausverkauftem Haus, es war der Beginn einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte.

In diesem Jahr sollte dann der 30. Geburtstag der Bluesnacht im „Franz“, wo sie ab 2014 ein zweites Zuhause gefunden hatte, gefeiert werden. Die Vorbereitungen für den 16. Januar waren so gut wie abgeschlossen. Viele Gäste, die die Bluesnacht in den vergangenen drei Jahrzehnten begleitet hatten, sollten mit Somebody Wrong auf der Bühne stehen.

Gründungsgitarrist Detlev Blaschke zum Beispiel, oder Harp-Virtuose Gerd Schubert, der Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre mit dabei war. Dazu der für SWB mittlerweile auch prägende Bläsersatz um Aachens Jazzer Heribert Leuchter. Nicht zu vergessen die Band The Xperience.

Katerstimmung statt Sektlaune

Doch wie überall herrscht jetzt Katerstimmung statt Sektlaune. Corona macht eine Jubiläumsparty unmöglich – noch. „Wir werden das garantiert nachholen“, ist SWB-Drummer Chris Andrä überzeugt. Dann, wenn Corona wieder in erster Linie ein Bier und der Kater nicht virus-, sondern alkoholbedingt sein wird. Ein Termin im Oktober ist immerhin bereits festgezurrt, denn: „Es werden bessere Zeiten kommen.“

Vom Experiment zum Klassiker: Thomas Jurisch und sein damaliger Programmmacher Hermann Cremer – beide viel zu früh gestorben – haben die Bluesnacht nach dem doch überraschenden Anfangserfolg in das Standardprogramm des Jakobshofes aufgenommen. Ja, als der Club nach einer schweren Krise für ein Jahr schließen musste, waren es Somebody Wrong und The Big Booze im Jahr 2001, die die Wiedereröffnung musikalisch mit der Bluesnacht einläuteten. Ein Geben und Nehmen.

„Wir haben den Machern das Jakobshofes so viel zu verdanken“, erinnert sich Andrä. Dass die Somebody Wrong Bluesband zu einer der renommiertesten Blues-Formationen avancieren konnte, hat auch mit dem Renommee des Jakobshofes zu tun. Drei Live-CDs hat die SWB an der Stromgasse aufgenommen. Auch The Big Booze bannten Anfang der 2000er Jahre ihren Beitrag zur Bluesnacht auf CD, was auch mittlerweile ein Dokument ist. Die Band hat sich vor einigen Jahren aufgelöst, die Mitglieder gingen eigene Wege.

 Auch die renommierte Aachener Band „The Xperience“ sollte bei der Jubiläumsfeier „30 Jahre Aachener Bluesnacht“ im Franz auf der Bühne stehen.
Auch die renommierte Aachener Band „The Xperience“ sollte bei der Jubiläumsfeier „30 Jahre Aachener Bluesnacht“ im Franz auf der Bühne stehen. Foto: Mac Aachen

Geblieben über die ganzen Jahre ist die Somebody Wrong Bluesband. Auch sie hat einige personelle Wechsel vollzogen. Aber als Band existiert sie seit 1983 ununterbrochen. Chris Andrä, seit 1989 für das Schlagwerk zuständig, erinnert sich: „Wir haben immer weitergemacht, uns auch von Rückschlägen nicht beirren lassen.“Als das Aus des Jakobshofes im Jahr 2014 besiegelt war, musste die Somebody Wrong Bluesband sich entscheiden. Was wird aus der traditionellen Bluesnacht? Im Franz fand man engagierte Unterstützer, ein neues Zuhause und neue Mitstreiter.

Seit 2016 ist The Xperience mit von der Partie. Eine dynamische Mischung: Hier eher traditioneller Rhythm & Blues, dort Klassiker aus 30 Jahren Rockgeschichte. Muss man erwähnen, dass auch dieses Rezept stets für ein ausverkauftes Haus gesorgt hat?

Corona wird das Menü Bluesnacht nicht verderben. 30 Jahre Aachener Musikgeschichte sind Ansporn genug, den Weg weiterzugehen. Das haben die Bands und die Macher im Franz in ihre Agenda aufgenommen. Ohne Wenn und Aber. Denn aus dem kühnen Plan ist eine Aachener Institution geworden.

Nach jetzigem Stand ist geplant, die große musikalische Geburtstagssause dann im nächsten Herbst – anvisiert ist jetzt der 30. Oktober – über die Bühne gehen zu lassen. Wenn das Thema Corona bis dahin so weit erledigt ist, dass Indoor-Konzerte wieder ohne Probleme stattfinden können.

Alle Updates dazu gibt es im Netz unter www.somebody-wrong.de und www.franz-aachen.de.

(red)