Das erwartet der politische Nachwuchs von Marcel Philipps Nachfolger

Wohnen, Mobilität und Energiewende : Das erwartet der politische Nachwuchs von Marcel Philipps Nachfolger

Spätestens seit dem vergangenen Wochenende ist die politische Top-Personalie in aller Munde: Klar ist, dass die Suche nach einem (neuen) Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters in diesen Tagen nicht nur bei den Aachener Ratsparteien massiv erhöhte Priorität genießt, seit Marcel Philipp am Freitag bekanntgab, dass er bei der Wahl zum obersten Repräsentanten der Stadt und Chef der Kommunalverwaltung im Herbst 2020 nicht mehr antritt.

Welche Erwartungen aber haben junge Menschen und Vertreter der nachwachsenden Generationen an den/die Nachfolger/in auf dem OB-Sessel, welche besonderen Herausforderungen und Probleme müsste der noch amtierende OB in den kommenden Monaten in den Fokus nehmen? Die Lokalredaktion hat sich bei ihnen erkundigt.

„Es gibt natürlich eine Menge Baustellen, um den Interessen und Problemen von allein rund 60.000 Studierenden in Aachen noch besser Rechnung zu tragen“, meint Marc Gschlössl, neuer Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenvertretung (AStA) an der RWTH. „Wir wollen uns zum Beispiel dafür einsetzen, mehr Räume für den unmittelbaren Austausch zwischen den Studierenden zu schaffen.

Sicherlich könnte Marcel Philipp, aber eben auch dessen Nachfolgerin oder Nachfolger, uns verstärkt unterstützen in unserem Bemühen, so etwas wie ein Kulturzentrum mit Anbindung an die Hochschulen einzurichten. Konkrete Konzepte gibt es da zwar noch nicht, aber auch dies wäre sicher ein wichtiger Beitrag, die Campus-Qualitäten zu verbessern, was ja auch seitens der Hochschulleitung forciert werden soll.“

AStA-Vorsitzender Marc Gschlössl: Thema Wohnraum steht ganz oben auf der Agenda. Foto: ZVA/Grafik

Große Herausforderungen sieht Gschlössl ferner im Hinblick auf die Bereitstellung von erschwinglichem Wohnraum für junge Zugezogene: „Dieses Thema muss auch für den künftigen Chef der Stadtverwaltung noch lange Zeit ganz oben auf der Tagesordnung stehen.“

Für Benedikt Patzelt, Diözesanvorsitzender des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Aachen, steht fest: Der OB sollte sich in seinem letzten Amtsjahr weiterhin intensiv für eine neue Mobilität und für eine Energiewende engagieren.

„Die Resonanz auf die Unterschriftensammlung für den Radentscheid spricht Bände“, meint der studierte Religionspäda­goge. „Gerade aber für die, deren Unterschrift dort nicht zählt – nämlich Kinder und Jugendliche – sind ein gutes und sicheres Radnetz sowie ein ausgebauter ÖPNV unerlässlich.“

BDKJ-Vorsitzender Benedikt Patzelt: OB muss sich für eine neue Mobilität einsetzen. Foto: BDKJ Aachen

Die Einhaltung der Klimaziele und ein verbesserter Umweltschutz kennzeichneten ohne Frage die entscheidenden gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen für die Zukunft. Patzelt: „Hoffentlich werden sie auch als wahlentscheidende Kriterien für den nächste Oberbürgermeister gelten.“

Juso-Vorsitzende Halice Kreß-Vannahme will sich „nicht anmaßen“, über Philipps Beweggründe für seinen angekündigten Rückzug  zu spekulieren. Für die SPD-Ratsfraktion  sei er in der Koalition ein guter Partner. Gleichwohl teile sie die Kritik der Sozialdemokraten an Philipps Verwaltungsführung. Die politische Strategie der SPD mit Blick auf die Kommunalwahl im Herbst 2020 ändere sich durch Philipps angekündigten Rückzug nicht.

Vorsitzender Mathias Dopatka habe den Auftrag, „mit den linken Parteien auszuloten, ob es einen gemeinsamen Kandidaten geben kann“. Voraussetzung für eine gemeinsame Kandidatin oder einen gemeinsamem Kandidaten sei aber, dass sich alle Beteiligten, unabhängig von der Größe der Partei, mit ihren Werten darin wieder finden, so Kreß-Vannahme.

Juso-Vorsitzende Halice Kreß-Vannahme: Linke Parteien suchen gemeinsamen Kandidaten. Foto: Katharina Menne

Die Vorsitzende der Jungen Union (JU) in Aachen, Annika Fohn, hat die Entscheidung von Philipp „mit Bedauern zur Kenntnis genommen“. wie sie sagt. „Und ich war auch etwas überrascht“, fügt sie hinzu. Schließlich sei er ein „tatkräftiger OB, der sein Amt gut ausführt“. Nun gelte es für die CDU einen geeigneten Nachfolgekandidaten zu finden, wobei die JU-Vorsitzende nach eigenem Bekunden noch keinen Favoriten im Blick hat.

„Aber ich werde in den Findungsprozess eng eingebunden sein und die Interessen der JU gut vertreten können“, sagt die junge Kommunalpolitikerin, die nicht nur der Jugendorganisation der CDU vorsteht, sondern auch stellvertretende CDU-Vorsitzende ist. Und welche Erwartungen stellt die Junge Union an Philipps Nachfolger oder Nachfolgerin? „Er oder sie muss ein schlüssiges Mobilitätskonzept verfolgen und die Innenstadtentwicklung mit neuen Visionen vorantreiben“, sagt Fohn.

JU-Vorsitzende Annika Fohn: Neue Visionen in der Innenstadtentwicklung nötig. Foto: Andreas Herrmann

„Wir haben in Philipps Reden und Aussagen häufig viel Potential erkannt, davon ist aber bei der Umsetzung leider nicht mehr viel angekommen“, sagte Christoph Hölscher, Sprecher der Grünen Jugend, gestern. Daher freue man sich „auf den frischen Wind, den ein neuer Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin mit sich bring. „Wir als Grüne Jugend entscheiden nach Inhalten und Qualifikationen, freuen uns aber, wenn wir eine Kandidatin oder einen Kandidaten unterstützen können“, so Hölscher.

Das heiße auch, dass man  einen überparteilichen Kandidaten unterstützen würde. Wer Philipp im Amt folge, solle sich „besonders für eine grüne Wende im Verkehr einsetzen und dem Klimanotstand Taten folgen lassen“. Dabei gelte es „die Forderungen des Radentscheids zu unterstützen und innovativ und mit einem langfristigen Plan den ÖPNV in Aachen neu zu denken, sowie erneuerbare Energien im Stadtgebiet voranzubringen“.

(os/mh/alp)