Aachen: Das Da Theater inszeniert Süskinds „Kontrabass“

Aachen: Das Da Theater inszeniert Süskinds „Kontrabass“

Nur mit einem Bademantel bekleidet sitzt der Musiker in seiner kleinen Wohnung. Oder befindet er sich doch an seinem Arbeitsplatz im Orchestergraben? Denn überall sind Notenständer aufgebaut und neben ihm befindet sich sein Instrument: der Kontrabass.

Die unklare Trennung zwischen diesen beiden Bereichen spiegelt auch das Verhältnis des Musikers zu seinem Instrument wider. Denn dieses ist tief gespalten. Seine anfänglichen Lobreden auf den Kontrabass werden bald schon immer widersprüchlicher und schlagen schließlich ins Gegenteil um: Der Kontrabassist entpuppt sich als verbitterter, einsamer, introvertierter Stubenhocker, ein nur mäßig begabter Musiker, der sein Instrument und seinen Beruf aus tiefster Seele verabscheut, ein Namenloser (nur „drittes Pult“, ein „Tutti-Schwein“), der Mozart und Wagner hasst und aus Rache im Konzert auch gerne mal ein paar ihrer Noten unterschlägt. Dirigenten hält er für überschätzt, ja überflüssig. Mit reichlich Bier versucht er nach jeder Vorstellung gegen seinen angeblichen Feuchtigkeitsverlust und Orchesterfrust anzukämpfen.

Seine einzigen positiven Gefühle fokussiert er auf die junge Sopranistin Sarah. Da er sie aber noch nie anzusprechen gewagt hat, blüht seine enthusiastische Verehrung seit Jahren im Verborgenen. Wird er seine Angst überwinden und sich trauen, ihren Namen bei der nächsten Aufführung laut hinauszuschreien?

Am 29. Oktober feiert das Das Da Theater mit Patrick Süskinds brillantem Monolog „Der Kontrabass“ Premiere, den dieser bereits im Jahr 1981 veröffentlichte und der ihn auf einen Schlag bekannt machte. Das Ein-Personen-Stück, das ohne Pause gespielt wird und sich in seiner Intensität immer weiter steigert, stellt hohe Anforderungen an Schauspieler Mario Thomanek und Regisseur Tom Hirtz. „Süskinds Sprache ist sehr detailliert und und von komplexen Satzstrukturen geprägt. Darin besteht der Reiz aber auch die Schwierigkeit des Stückes“, so Hirtz.

Die sechswöchige intensive Probezeit habe beiden aber großen Spaß gemacht und nun könne man es kaum erwarten, das Stück endlich Premiere feiern zu sehen. Den Zuschauer erwartet angesichts des 85-minütigen Einakters alles andere als gähnende Langeweile. „Wir haben uns einige Überraschungsmomente einfallen lassen, die schon bei den Proben für viele Lacher und erstaunte Gesichter gesorgt haben“, so Hirtz. Auch Thomanek zeigte schon bei den Proben vollen Einsatz. Er lernte für die Rolle sogar das Kontrabassspielen.

Man darf gespannt sein auf ein turbulentes, sprachgewaltiges und hochemotionales Stück, in dem man als Zuschauer alle Höhen und Tiefen eines Musikerlebens mit durchlebt.