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Das Aachener Bistum steht vor großen Herausforderungen

Bischöfliche Akademie : Von der Freiheit, zu Diskutieren und Verzichten

Die Bischöfliche Akademie Aachen steht unter schwierigen Bedingungen vor neuen Aufgaben – versteht sich aber angesichts der großen Herausforderungen der Kirche mehr denn je als Ort großer Freiheit und Offenheit.

Die katholische Kirche sieht sich – zumal nach dem verheerenden Missbrauchsskandal – mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Die Bischöfliche Akademie des Bistums Aachen in der Aachener Leonhardstraße versteht sich angesichts dessen mehr denn je als Ort „großer Freiheit und Offenheit“, wie es Generalvikar Andreas Frick jetzt formulierte, als er in der Akademie deren neue Leiterin Christiane Bongartz offiziell vorstellte.

Was ihre Akademie aus diesem Selbstverständnis macht, ist sich Bongartz selbst noch nicht gewiss; die Versuchung kirchlicher Institutionen sei immer noch, „dass man es besser weiß. Man läuft bewertend und normativ durch die Gegend und weiß eigentlich, wie ein gutes  Leben auszusehen hat“, sagte Bongartz.

Der schwierigen Rahmenbedingungen ist sich die Direktorin bewusst: die große Schuld, die Priester durch eine hohe Zahl von Verbrechen an Kindern auf sich geladen haben, die katholische „Sonderwelt, die in ihren Positionen für viele unverständlich und nicht mehr nachvollziehbar ist“, die Situation, „dass man uns nicht mehr viel zutraut, nicht mehr vertraut“, die Zweifel, dass man in der Akademie „offene Diskurse führen und vorurteilsfrei debattieren kann“. Also verlangt Bongartz von ihrer Kirche und ihrer Akademie Veränderung, Mut und konkrete Hilfe für benachteiligte Menschen.

Axel Siegemund, der in diesem Wintersemester die Hemmerle-Stiftungsprofessur an der RWTH Aachen übernommen hat, sprach über den Zusammenhang von Religion und Modernisierung. Die Technik nehme dem Menschen zunehmend Aufgaben ab – „mit unübersehbaren Folgen für Berufe“, sagte Siegemund beim Akademie-Empfang. „Was gestern Science Fiction war, ist morgen Dokumentation.“ Die moderne Technik beschränke immer häufiger die Freiheit, weil der Mensch Unwägbarkeiten entgehen wolle.

Dieser Entwicklung stellt Siegemund, der in Technikethik promoviert hat, die religiös motivierte Haltung entgegen: „Christen können auf Freiheit verzichten, weil sie wollen, was sein soll“, und den Verfügungsraum ihrer Möglichkeiten bewusst einschränkten. „Wir müssen immer öfter Entscheidungen treffen, ob wir das, was wir wissen können, auch wissen wollen.“