Aachen/Düren: Darf man weggeworfene Lebensmittel klauen?

Aachen/Düren : Darf man weggeworfene Lebensmittel klauen?

Vor dem Landgericht Aachen hat am Mittwoch einen der wohl turbulentesten Prozesse seit längerer Zeit begonnen. In einem Berufungsprozess, in dem es um den Diebstahl weggeworfener Lebensmittel geht, musste der Richter sich vom Publikum provozieren und beschimpfen, von zwei Laienverteidigerinnen belehren und von den Angeklagten auslachen lassen.

Der erste Tag endete mit einer Vertagung, der entnervte Richter Matthias Quarch wartet nun eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln ab, bevor er den Prozess in Aachen fortsetzt. Am 25. Juni 2012 hatten die beiden Angeklagten Raul M. und Doris F. Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum aus dem Müllcontainer eines Supermarktes in Düren geklaut.

Für diese Art des Klauens gibt es einen Begriff: containern. Die meisten Supermarktbesitzer schauen übers Containern milde lächelnd weg, weil die Containerer in der Regel keine Kriminellen, sondern Notleidende sind. In diesem Fall aber war es anders: Die von Nachbarn alarmierte Polizei erstattete Anzeige, die Staatsanwaltschaft erhob Anklage, das Amtsgericht Düren sprach ein Urteil.

Raul M. wurde wegen Hausfriedensbruchs und Diebstahls zu einer Geldstrafe von 70, Doris F. zu 30 Tagessätzen zu je zehn Euro verurteilt. Falls die Strafe nicht bezahlt würde, müssten beide für 70 beziehungsweise 30 Tage ins Gefängnis. Sie legten Berufung ein, die am Mittwoch verhandelt wurde.

Die beiden Angeklagten stammen aus dem Kreis der Aktivisten, die vergangenen Winter den Hambacher Forst besetzt hielten und RWE so einige Wochen lang daran hinderten, ihn zur späteren Braunkohlegewinnung abzuholzen. Sie leben in einer Wohngemeinschaft in Düren und arbeiten in ihrer „Werkstatt für Aktion und Alternativen“ .

Für sie geht es ums globale Prinzip, für die Justiz geht es um deutsches Recht. Schwieriger Fall. Am 25. Juni, wird der Prozess um 10 Uhr fortgesetzt.

(gego)
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