Aachen: Dahmengraben: Verwaistes Geschäftslokal wird zum „Technologiefenster“

Aachen : Dahmengraben: Verwaistes Geschäftslokal wird zum „Technologiefenster“

Die Verkaufstheke ist noch da, die Kleiderständer sind es auch. Ansonsten füllen Pappkartons die Fläche. Sie sind allerdings nicht für den Transport, sondern zum Sitzen gedacht. In dem leerstehenden Geschäft am Dahmengraben 17, in dem vorher Damenbekleidung neue Besitzerinnen gefunden hat, geht es jetzt darum, Wissenschaft zu vermitteln.

Im von der Stadt initiierten Technologiefenster — neudeutsch „Sience Pop-up Space“ — geht es bis zum 26. April um die nachhaltige Nutzung von Kunststoff, Leben im All und um interaktive Materialien für ein besseres Leben.

Ausgedacht hat sich die „Wissenschaft mitten in der Stadt“ Peter Gronostaj, Leiter des Wissenschaftsbüros der Stadt Aachen: „Wir wollen die Stadtgesellschaft mit dem konfrontieren, was in unseren Hochschulen entwickelt wird.“ Dafür sollen wissenschaftliche Themen an ungewöhnliche Orte gelangen und allgemein verständlich präsentiert werden.

Am Dahmengraben 17 übernimmt das zunächst das Schaufenster, in dem die drei Themen im wöchentlichen Wechsel auf einer großen Projektionsfläche täglich zwischen 10 und 22 Uhr jedem Passanten anschaulich gemacht werden. Die beteiligten Forscher stellen sich zudem an drei Abenden dem interessierten Publikum (siehe Info-Kasten), das dann auf den etwa 70 Papphockern Platz finden kann.

Lange buhlen musste Gronostaj bei den einschlägigen Hochschulen und Forschungseinrichtungen nicht. „Normalerweise tragen wir unser Wissen in die wissenschaftliche Welt. Aber unsere Forschung liefert Antworten auf Probleme, die jeden betreffen“, zeigte sich Professor Dr. Christian Hopmann vom Institut für Kunststoffverarbeitung in Industrie und Handwerk (IKV) an der RWTH Aachen begeistert von der städtischen Initiative.

Hopmann wird sich im Technologiefenster tatsächlich mit einem schwerwiegenden Weltproblem auseinandersetzen: „Alles Plastik oder was? — Die nachhaltige Nutzung von Kunststoffen“ ist sein Diskussionsbeitrag.

Auch für die FH Aachen bietet das Technologiefenster eine gute Möglichkeit, sich zu präsentieren. „Viele wissen gar nicht, was bei uns an der FH passiert“, wusste Pia Wilbrand von der Pressestelle der FH Aachen zu berichten. Entdecken könnten sie eben auch einen nicht unerheblichen Teil an Forschung. „Auch wenn der Anteil nicht so groß ist wie an der RWTH, freuen wir uns, hier niedrigschwellig davon berichten zu können“, so Wilbrand.

Übernehmen wird das Professor Dr. Bernd Dachwald. Er referiert unter dem Titel „Sind wir allein? — Die Suche nach dem Leben im All“ über ein Forschungsprojekt für eine Raumfahrtmission zu einem der Eismonde des Saturn, auf dem die Forscher unter der Eisschicht Leben vermuten, Eine von der FH entwickelte Eissonde könnte es in zehn bis 15 Jahren aufspüren.

Jetzt fehlen noch die Passanten

Auch Dr. Janine Hillmer vom „DWI — Leibniz-Institut für Interaktive Materialien e.V.“ möchte „unsere Faszination an Forschung auf andere übertragen“. Die hat allerdings gar nichts mehr mit dem zu tun, was das noch im Namen steckende Deutsche Wollforschungsinstitut vor vielen Jahren untersucht hat. „Für ein besseres Leben — Interaktive Materialien der Zukunft“ heißt der Vortrag, den Hillmer zusammen mit Dr. Alexander Kühne im Technologiefenster vorstellen wird. „Die Natur ist künstlichen Verfahren immer noch haushoch überlegen: Eine Verletzung in der Haut heilt allein zu, ein Riss im Blazer braucht Nadel und Faden“, erläutert Hillmer.

Ob Gronostaj aber mit der Wahl des Dahmengrabens als erstem Standort für das Technologiefenster tatsächlich das Interesse der Stadtgesellschaft wecken kann, muss sich zeigen.

Immerhin ist die Fußgängerzone zwischen Elisenbrunnen und dem verwaisten „Lust for Life“ seit Jahren nicht gerade bekannt für bummelnde Menschenmassen. „Wir brauchten einen überdachten Eingangsbereich für die Beschattung des Schaufensters, und zu klein durfte das Geschäft auch nicht sein“, erläutert Gronostaj auf Nachfrage. „Und so schlecht ist die Passantenfrequenz hier auch wieder nicht.“ Die ehemalige Boutique soll aber auch nicht die letzte Station des Technologiefensters gewesen sein.

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