Aachen: Dahmengraben: Aktionen gegen schlechtes Image

Aachen : Dahmengraben: Aktionen gegen schlechtes Image

Wenn schon das Lokal ein Ladenhüter ist, hat der Geschäftsmann ein Problem. Umso glücklicher ist die Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Holz- und Dahmengraben, dass zuletzt einige Leerstände entlang der 2009 für knapp 800.000 Euro aufpolierten Fußgängerzone zwischen Elisenbrunnen und „Lust for Life“ mit neuen Geschäftskonzepten gefüllt werden konnten.

„Die Geschäfte ‚Pat To Pat‘, ein ‚barefoot‘-Store und der Apple-Reseller ‚leapp‘ siedelten sich im Dahmengraben an“, sagt ISG-Marketingleiter Oliver Mohr. Trotzdem hat der Dahmengraben mehr als ein Image-Problem.

Hier stehen derzeit fünf Geschäftslokale leer, im benachbarten Holzgraben weitere drei. Und: „Gerüchte über zu hohe Mietpreise sowie der nun feststehende Umzug von ‚Lust for Life‘ trugen zu dem Image-Verlust bei“, erklärt Mohr.

Am Dahmengraben werden 200 Quadratmeter große Ladenlokale (Verkaufsfläche 120 qm) nach AZ-Informationen aktuell für 9000 Euro Kaltmiete angeboten — 45 Euro pro Quadratmeter. Das ist zwar nur die Hälfte von 1a-Lagen wie der Aachener Adalbertstraße. Trotzdem suchen manche Immobilieneigentümer bereits seit Jahren erfolglos solvente Mieter.

Indes taugt der Modeboutique-Riese „Lust for Life“ (LfL) schon lange nicht mehr als Kundenzugpferd am Ende des Dahmengrabens. Ende Juni 2017 steht der Umzug von rund 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche auf einen Bruchteil der Fläche bei der LfL-Mutter Kaufhof in den ehemaligen Saturn an der Reihstraße an. Dann will die Landmarken AG als Eigentümerin der alten Horten-Immobilie neue Konzepte hinter die teils denkmalgeschützte Fassade implantieren.

Einzelhandel, Büros, Wohnen und auch ein Hotel sind im Gespräch — alles offen. Bloß der Betrieb als Laufhaus für die Prostituierten aus der benachbarten Antoniusstraße wird kategorisch ausgeschlossen. Bis zu 125 Sexarbeiterinnen sollen stattdessen künftig in einem Neubau nebenan dem horizontalen Gewerbe nachgehen können — so sehen es erste Pläne vor.

Bis es soweit kommt — und schon gar nicht bis zur kompletten Überplanung des Nikolausviertels inklusive Abriss des Parkhauses am Büchel — wollen die Einzelhändler am Dahmengraben nicht warten. Der seit Jahren wachsende Online-Handel und nicht zuletzt das Ende Oktober 2015 eröffnete 29.200 Quadratmeter große Kaufhaus Aquis Plaza mit knapp 130 Shops gelten als schärfste Konkurrenten der Einzelhändler in der Aachener Altstadt.

Einzelhändler Oliver Kehrl, der mit „Marco Polo“ unter anderem in Köln, aber auch am Aachener Dahmengraben präsent ist, sagt: „Wir haben uns klar gegen Aquis Plaza entschieden, weil sich unsere Kunden ein individuelleres Einkaufserlebnis wünschen. Ich bin auch zehn Mal lieber mit meinem Geschäft auf dem Aachener Dahmengraben als mit einem weiteren auf der Kölner Ehrenstraße.“

Kollege Matthias Kunze („Tommy Hilfiger“) betont: „In der Anfangsphase hat Aquis Plaza viele Kunden gezogen. Seit Januar spüren wir weder bei der Kundenfrequenz noch bei den Umsätzen negative Auswirkungen durch die Mall am Kaiserplatz.“

Und Alice Lemm („dacapo“) ergänzt: „Es gibt hier eben mehr Individualität, die findet man in großen Malls nicht — genauso wenig wie individuelle Aktionen der Geschäftsleute.“ So habe die ISG bereits Frühlingsfeste und Maibaum-Aktionen initiiert. Oder mal eben einen hunderte Meter langen roten Teppich auf dem Dahmengraben ausgerollt.

Der soll übrigens nach dem Willen der ISG noch weiter aufgehübscht werden. Da eine komplette Überdachung der Fußgängerzone aus Kosten- und Brandschutzgründen ausgeschlossen wurde, will man nun bis zu sieben große, gläserne Schirmkonstruktionen zwischen Holzgraben und LfL platzieren.

Davon weiß die Stadt zwar nach Auskunft des Presseamts noch nichts. Aber solch eine augenfällige Schirm-Reihe könne Kunden, die sonst nur geradeaus vom Aquis Plaza über Adalbertstraße und Elisenbrunnen Richtung Markt strömen, „zu einem Bogen über den Dahmengraben bewegen“, hofft ISG-Sprecher Mohr. „Nirgendwo sonst haben wir eine so hohe Konzentration von Fashion- und Lifestyle-Marken“, wirbt er.

Im Aquis Plaza sieht man dies naturgemäß ein wenig anders. „Selbstverständlich findet man auch bei uns individuelle Modekonzepte — und sicher nicht weniger internationale Marken als am Dahmengraben“, sagt Centermanagerin Kathrin Landsmann auf AZ-Anfrage.

Sie räumt allerdings ein, dass es in Sachen Geschäftserfolg durchaus noch Luft nach oben gibt. „Wir liegen mit durchschnittlich 25.000 Besuchern täglich voll im Plan. Die meisten unserer Geschäfte erreichen ihre normalen Umsatzziele, einige liegen drüber, einige liegen darunter“, sagt sie.

Eine erste Bilanz könne man sicher erst nach dem zweiten Geschäftsjahr ziehen. Bis dahin will der Dahmengraben schon ein Ziel erreichen: keine Ladenhüter mehr lokalisieren.