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Coronavirus: Homeoffice und Kinderbetreuungzugleich bewältigen

Erlebnisbericht aus dem Alltag einer Familie : Wenn Büro und Klassenzimmer unter einem Dach liegen

In der aktuellen Zeit stemmen viele Eltern Homeoffice und Kinderbetreuung zugleich, so auch die Familie Panofen aus Laurensberg. Die Eltern arbeiten seit Beginn des Unterrichtsausfalls im heimatlichen Arbeitszimmer. Beides unter einem Hut zu bekommen war aber „gar nicht so leicht“, sagt die Mutter.

Zu Beginn der Corona-Krise postete ein Schlaumeier ins Internet: „Wer jetzt wegen der Kinderbetreuung ins Homeoffice geht, der hat beides nicht verstanden.“ Den vielen Familien, die keine andere Wahl hatten, half dieser Spruch nicht wirklich weiter. Eine dieser Familien sind die Panofens aus Laurensberg.

Die Eltern Alexandra und Christian arbeiten beide seit Beginn des Unterrichtsausfalls in den Schulen im Homeoffice, um ihre Töchter Nele (8) und Mara (6) zu betreuen – und ganz nebenbei noch zu unterrichten. Denn die beiden besuchen die Gemeinschaftsgrundschule in Laurensberg, Nele geht in die zweite Klasse, Mara besucht die erste. Von dort haben die beiden umfangreiche Unterrichtspakete mit nach Hause bekommen, die bis Freitag zu erledigen waren.

Und das war „gar nicht so leicht, wie wir uns das vorgestellt hatten“, sagt Alexandra Panofen. „Wir haben versucht, den Alltag zu strukturieren und so ähnlich wie einen Schultag zu gestalten“, beschreibt die Beschäftigte der RWTH ihren Ansatz. „Ein bisschen länger geschlafen haben wir schon als zu Schulzeiten“, räumt sie ein. Aber spätestens um acht Uhr wurde gefrühstückt und anschließend gelernt – inklusive fester Pausen.

Dabei kam den Panofens zugute, dass sie über zwei getrennte Arbeitszimmer verfügen, während die Kinder am Esstisch ihre Aufgaben erledigen konnten. Allerdings „musste einer von uns während der Schulaufgaben immer bei den Kindern sein“, fügt Christian Panofen hinzu. An Homeoffice war für einen der beiden Eltern also – zumindest am Vormittag – nicht zu denken. „Wir haben uns dabei abgewechselt“, sagt Christian Panofen, der als Manager in der Chemieindustrie arbeitet. Derjenige, der am Vormittag die Lehrerrolle übernahm, hat seine Arbeit im Homeoffice dann in die Abendstunden verschoben.

Die Panofens sind sich bewusst, dass sie es mit ihrer häuslichen Situation gut getroffen haben. „Eine Kollegin hat erzählt, dass sie daheim alle am Wohnzimmertisch sitzen.“ Vor den Mahlzeiten mussten dort sämtliche „Büros“ erst immer wieder abgebaut werden. Im Hause Panofen war es lediglich „das Klassenzimmer“, das aufgeräumt werden musste. Außerdem verfügt die Familie über einen Garten, in dem Nele und Mara nachmittags spielen konnten. „Und das haben sie auch erstaunlich friedlich an all den Tagen gemacht“, erzählt Mama Alexandra. Die sonst bei Geschwistern mitunter üblichen Reibereien hätten sich wahrlich in Grenzen gehalten.

Dennoch haben die Eltern – selbst am Nachmittag – im heimatlichen Arbeitszimmer manches Mal nicht so konzentriert arbeiten können, wie sie es im Büro gewohnt sind. „Man wird ja doch immer mal wieder gestört, wenn die Kinder etwas fragen“, erzählt Alexandra Panofen. Sie hat sich ein „Bitte-nicht-stören“-Schild gebastelt und an die Tür gehängt, um etwa an Videokonferenzen teilzunehmen. Doch das Schild machte zumindest am Anfang nur bedingt Eindruck auf ihre Töchter.

Diese „Störungen“ sowie die generelle Tendenz, „im Homeoffice immer etwas mehr zu arbeiten, da es keine definierten Bürozeiten gibt“, führten dazu, „dass man gefühlt im Homeoffice keinen Feierabend hat“. Diese Erfahrung hat zumindest Alexandra Panofen gemacht.

Alexandra Panofen im heimischen Arbeitszimmer. Das Schild an ihrer Tür hat – zumindest am Anfang – nur bedingt Eindruck auf ihre Töchter gemacht. Foto: Harald Krömer

Den Kindern hingegen fehlten vor allem ihre Klassenlehrerinnen. „Die haben schon einen großen Stellenwert für Nele und Mara“, erzählen ihre Eltern. Während das, was die Lehrerin sagt, gesetzt sei, mussten die Anweisungen von Papa oder Mama immer erst ausdiskutiert werden, haben Alexandra und Christian Panofen in den zurückliegenden Wochen erfahren. Immerhin, Nele und Mara hätten sich weitgehend mit der Situation arrangiert. „Ich finde es schon schön, dass wir etwas länger schlafen können“, sagt Mara. Aber insgesamt vermissen beide ihre Freunde und ihre Hobbies wie Schwimmen, Reiten oder Ballett, sagen beide.

Und was sagen die Eltern zu der besonderen Situation? „Wir sind generell dankbar, dass der Arbeitgeber das Arbeiten vom Homeoffice in dieser Zeit ermöglicht. Es funktioniert“, sagt Alexandra Panofen, „weil es funktionieren muss. Außerdem wächst die Familie dadurch noch stärker zusammen.“ Aber auf Dauer würden sie und ihr Mann nicht Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut quetschen wollen, „weil man nie beidem zu 100 Prozent gerecht werden kann.“

Ein kleiner Trost bleibt für die Panofens und den vielen anderen Aachener Eltern in dergleichen Situation: Ab sofort sind Osterferien.