Aachen - Computervirus am Marienhospital: Notaufnahme geschlossen

Computervirus am Marienhospital: Notaufnahme geschlossen

Von: red/dpa
Letzte Aktualisierung:
Marienhospital Aachen
Das Aachener Marienhospital hat nach der Cyberattacke Entwarnung gegeben. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wegen eines aggressiven Computervirus hat das Aachener Marienhospital am Montagabend die Notaufnahme bis auf weiteres schließen müssen. Alle EDV-Systeme mussten heruntergefahren werden, die Patientendaten hätten jedoch geschützt werden können. Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Computerangriffen auf Kliniken und Kommunen in ganz Deutschland.

Es handele sich um denselben IT-Virus, der in den vergangenen Wochen in verschiedenen Unternehmen in NRW zugeschlagen habe. „Sämtliche Verbindungen mussten gekappt werden“, bedauerte Rolf-Leonhard Haugrund, Vorstand der Katholischen Stiftung Marienhospital Aachen. „Durch unsere rasche Intervention konnten wir jedoch die Patientendaten schützen und die Datenintegrität wahren“.

Der Krankenhausbetrieb könne derzeit nicht in vollem Umfang laufen. „So mussten wir uns leider bei der Feuerwehr von der Notaufnahme von Patienten abmelden“, erklärte Haugrund. Der Routinebetrieb von geplanten Eingriffen und Operationen werde aber fortgesetzt - in der Radiologie sei ein eingeschränkter Notfallbetrieb gewährleistet.

„Wir gehen davon aus, dass wir das EDV-Problem bis Ende dieser Woche gelöst haben", unterstrich der Vorstand. Er rechnete mit einem unproblematischen Verlauf der Arbeiten.

Eine Welle von IT-Angriffen hat in den vergangenen Wochen Verwaltungen und Krankenhäuser in Deutschland befallen. Ein Erpressungstrojaner hat in der vergangenen Woche die Verwaltung der westfälischen Stadt Rheine lahmgelegt. Auch aus der bayerischen Kommune Dettelbach wurde ein ähnlicher Angriff bekannt.

In Rheine machte „TeslaCrypt 3” Daten unlesbar. Server mussten vom Netz genommen, Systeme heruntergefahren werden, tagelang konnten Teile des Rathauses nicht auf ihre Computer zugreifen. Krisensitzung reihte sich im nördlichen Münsterland an Krisensitzung. Das Landeskriminalamt nahm die Ermittlungen auf - kein Einzelfall.

Erst vor Wochen hatten Attacken mit ähnlicher Schadsoftware mehrere Krankenhäuser erwischt. Ein wachsendes Problem in ganz Deutschland, warnte auch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. In Bayreuth legte ein Virus zuletzt Dutzende Rechner des Fraunhofer Instituts lahm. Im Dezember waren Computerviren ins Computer-Netzwerk des NRW-Innenministeriums eingedrungen, fast zeitgleich traf es die Verwaltung des Landschaftsverbandes Rheinland.

Hinter den Angriffen stecken Erpressungsversuche. Mit infizierten E-Mails wird Software in die Rechner geschleust, die Daten verschlüsselt. Erst dann folgt, worum es eigentlich geht: Um die unlesbar gemachten Dateien auf dem PC wieder zugänglich zu machen, soll eine bestimmte Summe überwiesen werden. Eine Umfrage des IT-Sicherheitsdienstleisters Bitdefender bestätigt, dass sich das Geschäft für die Angreifer zu rentieren scheint: Demnach hat jeder dritte angegriffene PC-Anwender sich mit Lösegeld freigekauft.

Die Mails seien immer professioneller und nicht mehr als Gefahren zu erkennen, sagt Thomas Endres vom Bundesverband der IT-Anwender. Zudem sei der Digitalisierungsgrad der Firmen und Einrichtungen immer höher, so dass auch die Auswirkungen immer größer seien.

„Wir sind ernsthaft besorgt. Solche Ereignisse in dieser massiven Form hatten wir noch nie”, sagte der Chef des Landeskriminalamts NRW, Uwe Jacob, am Dienstag. Dies sei eine neue Qualität der Cyber-Kriminalität. Alle Entscheider großer Organisationen sollten sich mit den Erpressungsversuchen beschäftigen und Vorsorge treffen.

Auch das Landeskriminalamt sei nur einen Klick davon entfernt gewesen, von der heimtückischen Software befallen zu werden.

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