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Aachen: Comiciade in Aachen: Schlange stehen für Snoopy und Micky Maus

Aachen : Comiciade in Aachen: Schlange stehen für Snoopy und Micky Maus

Eine lange Linie, gefolgt von einem kleinen Bogen und einem geraden Strich und fast ist er fertig. Noch zwei schwarze Knopfaugen, ein schelmisches Grinsen und Vicki Scott hat Snoopy auf dem Papier lebendig werden lassen. Was so einfach aussah, war für die anwesenden Comicfans eine echte Herausforderung.

Denn anders als Scott, die mit dem Zeichnen der bekannten Peanuts-Figuren ihr Geld verdient, waren die meisten Besucher Laien, die im Rahmen eines Workshops mit der Kalifornierin versuchten, ihren ganz eigenen Charlie Brown, Snoopy oder ihre persönliche Peppermint Patty anzufertigen.

Zeichnerin der Peanuts: Vicki Scott erklärte Schritt für Schritt, wie sie die Kultcharaktere sichtbar.

Welt der bunten Bildstreifen

Im Rahmen der dritten Comiciade, die am Wochenende erstmals im Alten Schlachthof in der Halle 60 stattfand, tauchten Interessierte zwei Tage lang in die Welt der bunten Bildstreifen ein. Mehr als 50 Comiczeichner aus ganz Europa zeigten nicht nur ihr Können, sondern erklärten in kleinen Kursen, wie man selbst (Kult)-Figuren zeichnen kann. „Es ist völlig egal, wie alt man ist. Von Comics geht einfach ein Zauber aus, und unsere Intention ist es, die Begeisterung für dieses Medium zu wecken und zu erhalten“, betonte Alexander Samsz, Leiter der alle zwei Jahre stattfindenden Comiciade. Rund 3000 Besucher kommen jedes Mal zu der Veranstaltung.

Nachdem das Event die ersten beiden Male im Ludwig Forum realisiert wurde, entschieden sich die Verantwortlichen nun für den Alten Schlachthof als Austragungsort. Aber nicht nur der Ortswechsel war neu, erstmals wurde auch der „Comiciade-Preis“ verliehen, den Heiner Lünstedt erhielt. Der Journalist und Comicautor ist seit 2011 einer der beiden Leiter des Comicfestivals München. Mit Bildgeschichten beschäftigt er sich seit seiner frühen Jugend und er vertritt eine ganz klare Meinung. „Das Comiclesen ist eine Fähigkeit, die man sich erarbeiten muss, viele Erwachsene lernen das nicht mehr, wenn sie das nicht geübt haben“, so Lünstedt.

Damit diese Fähigkeit noch über viele Generationen hinweg erhalten bleibt, luden in der großen Halle viele Aussteller zum Kaufen ein. Sei es ein Asterix-Flohmarkt, eine riesen Auswahl an allen erdenklichen Comics oder die vielen Comiczeichner selbst — überall bildeten sich über kurz oder lang Warteschlangen.

So auch vor dem Stand von Ulrich Schröder. Seit Jahren zeichnet er für Disney Titelbilder von Donald Duck, Micky Maus und Goofy. Mit Tinte, Tusche und wenigen gekonnten Handgriffen zauberte er nicht nur eine Disneyfigur nach der anderen aufs Papier, sondern auch ein Lächeln in das Gesicht der neuen Bildbesitzer. Nur ein paar Meter weiter erzählte Gudrun Penndorf über ihre Erfahrungen als langjährige Comic-Übersetzerin. Die heute 80-Jährige übersetzte die ersten 29 Asterix-Alben ins Deutsche. Neben vielen internationalen Comiczeichnern zeigten auch einige Deutschsprachige ihr Talent. Der Aachener Alfred Neuwald präsentierte Geschichten rund um „Karl den Kleinen“ und Mele Brink zeichnete live „Comic-Würste“ in allen Lebenslagen sowie kleine Abenteuer von Rucky Reiselustig.

Signatur von Vicky Scott

Aber zurück zu Vicki Scott und den Peanuts. Snoopy erhielt auf dem Papier derweil Besuch von seinem besten Freund Charlie Brown. Eine Stunde lang erklärte Scott Schritt für Schritt, wie sie die Kultcharaktere sichtbar macht. Doch trotz genauer Anleitung und tollen Ergebnissen, konnte sie sich am Ende nicht vor Anfragen retten. Denn für einen original gezeichneten Snoopy von Vicki Scott mit Signatur standen sie alle an. Und da wurde er auch bei der dritten Comiciade wieder sichtbar: Der Zauber von Comics, der nach wie vor Jung und Alt in den Bann zieht.