Aachen: Collegium Musicum: Tolle Klänge vom Barock bis zur Moderne

Aachen : Collegium Musicum: Tolle Klänge vom Barock bis zur Moderne

Es ist schon etwas besonderes im Krönungssaal auftreten zu können, auch für den Chor des Collegium Musicum der RWTH Aachen, der seit mittlerweile 65 Jahren fest zum musikalischen Repertoire der Stadt Aachen gehört.

Im vergangenen Sommer bestach der Chor gemeinsam mit dem Orchester des Collegium Musicum mit einer gelungenen Aufführung von Brahms „Ein deutsches Requiem“; dieses Mal war es eine bunte Zusammenstellung verschiedener Epochen und Komponisten vom Barock bis zur Moderne, in der bewusst die Romantik ausgespart wurde.

Thematisch bewegte sich das Konzert auf der verschwommene Trennlinie von erotischer und geistlicher Liebe. Musikalische Akzente setzte der Chor mit Dirigent Raimund Laufen insbesondere in den Werken, die Klangteppiche und raumgreifende Musik erforderten. Hervorragend ausgewählt war daher schon das erste Stück: „Magnificat“ des estnischen Komponisten Arvo Pärt, der mit seinem eigenem Stil, dem Tintinnabuli, eine eigene musikalische Sprache entwickelte. Pärts Werk ist geprägt von geistlicher Musik, von der Reduktion auf das absolut Notwendige und zauberhafte „Instrumentierungen“.

Das gilt auch für „Magnificat“. Eine besondere Spannung erhielt das Stück zusätzlich durch die Sopransolistin Lisa Kastenholz, die ihren gesamten Text nur auf einem einzigen Ton sang, und das auch ohne einen vorgegebenen Takt. Der Chor bewies damit auch, dass es nicht unbedingt kleine Chöre benötigt, um Stücke, die nahezu ausschließlich im Piano und Pianissimo geschrieben sind, nahezu in Perfektion vorzutragen. Dass es nach dem letzten Ton noch zusätzlich einige Augenblicke der Stille benötigte, zeigte die hohe Leistung des Chores. Leider wussten nicht alle im Publikum diesen Moment der Stille angemessen zu würdigen.

Mit Bachs Motette „Jesu, meine Freude“ wagte sich der Chor an ein barockes Werk, das insbesondere wegen seiner ausgefeilten Koloraturen besondere Konzentration erforderte. Zwei Teile des zehnteiligen Chorwerks sang der Chor deshalb nur in einer kleineren Besetzung, einmal als Kammerchor und einmal mit drei Solisten (Alt: Sophia Honecker, Tenor: Younes Müller, Bass: Christian Feltes). Ein besonderer Dank ging zudem an Korrepetitorin Ahreum Friedrich, die den Chor an Klavier und Orgel begleitete, sowie an Violinistin Magdalena Loss.

Leichter Zugang zum Stoff

Philip Stopford, geboren 1977, war der jüngste Komponist des Abends. Seine beiden Werke „Ave Verum“ und „Lully, Lulla, Lullay“ (Solistin: Sabine Kortlepel) entstammten ebenfalls der christlichen Welt, bezauberten das Publikum jedoch mit einem leichten Zugang zum Stoff und der erneuten wunderbaren Klangentfaltung des Chors. Im letzten Stück „Five Hebrew Love Songs“ von Eric Whitacre widmete sich der Chor dann schlussendlich der Liebe zwischen zwei Menschen. Die fröhlichen, tanzenden und beschwingten Lieder ergänzten sich perfekt mit den ruhigeren und sorgten für ein sehr stimmiges Gesamtbild. Auch hier galt es, die Solistin zu loben: Charlotte Herboth.

Ein bisschen Bedauern äußerte das Publikum zum Schluss des Konzerts dennoch: Es fehlte eine Zugabe, die man nach einem rund 85-minütigen Konzert gerne gehört hätte.

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