Aachen: Citykirche: Sanierung wird Jahre dauern

Aachen: Citykirche: Sanierung wird Jahre dauern

Der Zeitplan ist zum Teufel. Weil die Sanierungsarbeiten in der Citykirche nach dem verheerenden Brand in der Silvesternacht, als eine Feuerwerksrakete in den Chorraum geschossen worden war, aufwändiger sind als gedacht, muss die Wiedereröffnung verschoben werden.

„Eigentlich hatten wir den 18. Juni angepeilt, aber jetzt hat sich herausgestellt, dass auch mehr als 150 Glasscheiben im Hauptteil der Kirche zersplittert sind und ausgetauscht werden müssen”, erklärt Cityseelsorger Dieter Spoo am Mittwoch.

„Eine abgebrannte Kirche ist eben kein Pappkarton.” Geplante Konzerte zur Chorbiennale Ende Juni müssen ausquartiert werden.Vermutlich kann St. Nikolaus in der Großkölnstraße erst zur „Nacht der offenen Kirchen” am 7. Oktober wieder genutzt werden. Wobei dies nur für den Hauptteil des Gotteshauses gilt. Der Chorraum mit seinen riesigen zerborstenen Fenstern und dem mehrgeschossigen 380 Jahre alten Hochaltar wird nach Einschätzung Spoos noch jahrelang vom Rest der Kirche mit einer Holzwand getrennt sein.

„Wir wissen immer noch nicht, ob sich eine Restaurierung lohnt”, erläutert Spoo. Dies soll kommende Woche eine „photogrammetische Vermessung” klären. Danach wird feststehen, ob mehr als 70 Prozent des Hochaltars Opfer der Flammen wurden - und sich eine Restaurierung deshalb kaum lohnt.

Unklar ist ebenso, ob die Statik der Gewölbekappen des Hochchors durch die hohen Brandtemperaturen instabil geworden sind, und ob sich die Windeisen - also die Schalung - der riesigen Chorfenster gedehnt haben.

„Schon jetzt geht der Schaden in die Millionen, das Ende ist aber noch nicht abzusehen”, erklärt der federführende Architekt Mathias Paulssen vom Büro „Paulssen und Schlimm”. Die Aachen-Münchener Versicherung hat bereits zugesichert, den Brandschaden zu regulieren. Zu den Brandverursachern aus der Silvesternacht gibt es laut Polizeisprecherin Sandra Schmitz „leider noch immer keine heiße Spur”.

Gegenwärtig ist nicht nur der Hochchor von außen eingerüstet. Auch innerhalb der Citykirche sind 75 Prozent der Wände und sogar Decken mit insgesamt 170 Tonnen Gerüstbauten verkleidet. Darauf säubern und streichen ein Dutzend Handwerker die verrußten Gemäuer. Andere arbeiten die Wandgemälde auf. Restauratoren sollen demnächst den wertvollen Seitenaltaren zu altem Glanz verhelfen.

Dann stehen der von Löschwasser geschädigte Blausteinboden und das Parkett auf dem Programm. Die Orgel wurde bereits in eine Werkstatt nach Hellenthal transportiert. Sie soll später in St. Foillan erklingen. Die Citykirche wird laut Spoo mit einem Flügel der Musikschule ausgestattet. Natürlich sei er wegen der Verzögerungen enttäuscht, sagt der Cityseelsorger. „Aber durch die Sorgfalt wird das Ergebnis der Renovierung wunderbar sein.”

Sanierung des Hochchors wird Jahre dauern

Der Hochchor der Citykirche St. Nikolaus an der Großkölnstraße wird noch für Jahre eine Baustelle bleiben. Innen wurde eine Trennwand eingezogen.

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