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Aachen: „City XL”: Mit einem Euro ist man dabei

Aachen : „City XL”: Mit einem Euro ist man dabei

Haste mal nen Euro? Wenn ja, dann reicht das demnächst, um ziemlich weit mit dem Bus kutschiert zu werden. SPD und Grüne haben am Donnerstagabend alle Bedenken des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) und der Opposition in den Wind geschlagen und den Billigtarif ins Rollen gebracht.

Der gilt nicht nur im Alleenring, sondern deutlich darüber hinaus ­ zum Beispiel auch bis zum Bahnhof Rothe Erde und bis zum Sportpark Soers. Rot-Grün, die im Gegensatz zum Stadtrat im Verkehrsausschuss noch das Privileg der Mehrheit genießen, wollen so einerseits den ÖPNV stärken und als Folge daraus andererseits die Luftqualität im Talkessel verbessern.

Hans-Joachim Sistenich als Geschäftsführer des AVV hatte zuvor noch einmal dringend darum gebeten, so nicht zu beschließen. Statt 250.000 Euro werde dies 500.000 Euro mehr kosten. Was wiederum die Stadt zu bezahlen habe. Der AVV empfahl einen Tarif von 1,40 Euro für die erweiterte „City XL”-Zone. Nur beim Kauf einer Viererkarte sollte der Ein-Euro-Tarif greifen. Sistenich führte ins Feld, dass schon die Ausweitung der Zone ein „Quantensprung” sei.

In diesem größeren Bereich wohnten schließlich 84.000 statt 31.000 Aachener. Und der Tarif gelte dann für 780.000 statt bisher 390.000 Fahrten. Die Berechnung der Mehrkosten sei durch einen Gutachter erfolgt. An den Zahlen aber haben SPD und Grüne Zweifel, sie seien „nicht nachvollziehbar”, so Sozialdemokrat Heiner März. Was wiederum die CDU auf die Palme brachte.

Anmaßend seien solche Äußerungen, meinte Gaby Breuer. Klar, dass weder CDU noch FDP dem Billigticket ihr Plazet gaben. Zumal dahinter auch Wahlkampfabsichten vermutet werden, wie Breuers Parteifreund Michael Janßen sagte. Peter Blum von der FDP empfindet das Zonenbilligticket indes auch als ungerecht ­ vor allem gegenüber den Bewohnern der Außenbezirke, die leer ausgehen. CDU und FDP plädierten daher erneut für die „wandernde Kurzstrecke”. Diese besagt, dass man für eine bestimmte Zahl von Haltestellen immer den gleichen Preis bezahlt ­ egal, wo man einsteigt. Just dieser Plan wurde ­ obwohl auch von SPD und Grünen gewollt ­ aber zunächst auf Eis gelegt. Beides, so hieß es, könne man sich nicht auf einmal leisten.

In einem halben Jahr soll erneut geprüft werden. Sistenich wies allerdings darauf hin, dass man den Ein-Euro-Tarif dann auch auf diese Kurzstrecke anwenden müsste. Nochmals 500.000 Euro werden an Mehrkosten für den neuen Citybus fällig, der ab September rollen wird. Er soll vor allem Hauptbahnhof und Markt/Rathaus verbinden und wurde einst aus Kostengründen eingestellt. Am Donnerstag wurde er wieder eingeführt, was Peter Blum zu der Frage veranlasste: „Was hat sich denn finanziell seitdem geändert?”

Auch Michael Janßen plädierte dafür, zunächst die Kosten genau abzuchecken. Er war am Ende der einzige, der sich enthielt. Seine Parteifreunde und die FDP ließen sich auf den Beschluss ein mit dem Hinweis, der im Haushalt verankerte Betrag von 800.000 Euro für ÖPNV-Maßnahmen müsse eingehalten werden. Janßen: „500.000 fürs Billigticket und 500.000 für den Citybus machen nach der Rechnung von SPD und Grünen also 800.000 Euro . . .”