Aachen: City-Kirche St. Nikolaus: Vorerst bleiben die neuen Rahmen leer

Aachen : City-Kirche St. Nikolaus: Vorerst bleiben die neuen Rahmen leer

Nach sieben Jahren Renovierung der Citykirche St. Nikolaus nach dem verheerenden Brand in der Silvesternacht 2010/11 wurde jetzt zum guten Schluss der Hochaltar mit einem ökumenischen Gottesdienst wieder seiner Bestimmung übergeben.

„Es ist ein einmaliger Abend“, sagte Pfarrer Timotheus Eller, womit er — hoffentlich — Recht behalten soll. Eine ähnliche Katastrophe mag sich niemand vorstellen.

Dank an die Feuerwehr

Reich verziert, mit drei Gemälden in der Mitte und sechs Figuren an den Seiten war der Hochaltar von 1630 das Prunkstück der ansonsten mittlerweile recht schlichten Kirche St. Nikolaus. Weder der Stadtbrand 1656, noch ein Erdbeben im Jahr 1692 konnten ihm etwas anhaben. Nach dem Eindringen einer Silvesterrakete in der Nacht zum 1. Januar 2011 in den Altarraum „ist es nur dem Einsatz der Feuerwehr zu verdanken, dass wir überhaupt eine Wiederherstellung ermöglichen konnten“, dankte Domkapitular Rolf-Peter Cremer der Abordnung der Feuerwehr, die zum Gottesdienst erschienen war.

Der wiederhergestellte Altar ist mit dem vor dem Brand allerdings nicht mehr zu vergleichen: wenig Farbe, keine Figuren, keine Bilder. Dunkles Grau herrscht an den Stellen, an denen Brandspuren das Holz versengt haben. Die Restaurateure und Denkmalschützer haben eine „fragmentarische Rekonstruktion“ vorgenommen — wie es mittlerweile Standard ist. „Er sieht noch nicht fertig aus, aber er ist fertig“, versicherte Eller. Bilder, die die noch leeren Rahmen füllen können, sollen in Ruhe entstehen. Die Kunstkommission des Bistums entscheidet darüber.

In seiner Predigt zu Jesu Vertreibung der Händler aus dem Tempel (Joh. 2, 13-22) rief Superintendent Hans-Peter Bruckhoff die Aachener dazu auf, sich trotz oder vielleicht wegen seiner neuen Schlichtheit am Hochaltar zu orientieren: „Unterbrecht die Horizontale, richtet Euch in eine weitere Dimension aus.“ Dieser Hochaltar sei kein Wechslertisch, die Citykirche schon seit langem ein überzeugender ökumenischer Ort, der eine Einladung zum Luftholen sei. Besonders auch für diejenigen, die Müdigkeit gegenüber der Institution Kirche und angesichts des unfriedlichen Zustands der Welt verspürten.

Der Hochaltar erhebe den Blick zum österlichen Christus, eröffne eine neue Dimension im christlichen Leben. „Frieden ist das Gegenteil von Sicherheit, sagte Dietrich Bonhoeffer 1934 in seinem Aufruf zu einem Friedenskonzil. Frieden heißt, sich gänzlich dem Gebot Gottes auszuliefern.“ Die Citykirche sei ein guter Ort, um diese Botschaft weiterzutragen.

Cremer verwies darauf, dass dies auch schon während der laufenden Restaurierungsarbeiten so war. Zugleich hoffe der Domkapitular auf neue Ideen und Impulse. „Mit der Wiederherstellung des Dreiklangs aus Kirchenschiff, Altarraum und Hochaltar kann neues Leben einziehen.“ Auch Bürgermeisterin Margrethe Schmeer lobte das ökumenische Pfarrteam, bestehend aus Eller und seiner evangelischen Kollegin Sylvia Engels, für das Aufrechterhalten des Lebens in der Citykirche. „Jetzt ist der Raum wieder in vollem Volumen einsetzbar. Für Musik und Kultur, für kontroverse Debatten, für eine Entschleunigung im Alltag.“

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