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Aachen: CHIO-Start: 230 Zelte, 1000 Pferde und Hektik beim Aufbau

Aachen : CHIO-Start: 230 Zelte, 1000 Pferde und Hektik beim Aufbau

Ein paar ziemlich große Ventilatoren stehen auf dem Turniergelände. Wer die mitbrachte, muss von Haus aus Optimist sein. Denn zusammen mit großen Kübeln voller Wasser dienen sie den Pferden als Freiluftklimaanlage. Und die braucht angesichts des vielen Regens, der in den letzten Tagen auf das ALRV-Gelände prasselte, wohl kaum ein Vierbeiner.

Dass die großen Gebläse — und noch viele weitere große und kleine Reitutensilien — bereitstehen, zeigt aber eines: Das Spektakel CHIO geht los. Deshalb wird in der Zeltstadt, dem CHIO-Village, am Freitag kräftig gearbeitet. Schon Anfang Mai begann der Aufbau. Nun stehen in dem 22 000 Quadratmeter großen Austellerbereich 230 Zelte. Veronika Braun und Nora van Hold bestücken eines der weißen Zelte mit der neuen CHIO-Kollektion: Polohemden, Mützen und Schals — jedes Stück legen sie ordentlich an seinen Platz. „Ich bin schon ein bisschen aufgeregt“, sagt Nora Braun.

Die Studentin ist zum ersten Mal „aktiv“ beim CHIO dabei. Wenn es im Stadion um den Sieg geht, bekommen die beiden davon aber nur wenig mit. Vielleicht den Jubel nach einen fehlerfreien Ritt. „Wir haben ja auch mal Pause. Dann können wir uns umsehen. Aber unser Programm ist schon straff“, sagt Nora van Holt. Ihr CHIO-Tag beginnt um 9 Uhr, um 23 Uhr ist Schluss.

Start am Sonntag um 11.30 Uhr

Doch bevor an Feierabend zu denken ist, müssen die beiden alles herrichten. Zum Soerser Sonntag, erwarten die ALRV-Organisatoren und Aussteller schließlich reichlich Publikum. Am ersten Turniersonntag ist der Eintritt frei, los geht es um 11.30 Uhr mit einem Gottesdienst im Deutsche Bank-Stadion. Ab 13 Uhr wird es ein Showprogramm und Präsentationen verschiedener Pferderassen geben. Zudem sind mehrere Stationen mit Wissenswertem „rund ums Pferd“ aufgebaut — Tierarzt, Schmied und Futterexperten sind dabei. In der „Handwerkerstraße“ geben Feintäschner, Keramiker, Raumausstatter und Tischler einen Einblick in ihre Arbeit.

Wer am Freitag zum Aufbauen auf den Platz möchte, der muss an zwei Männern vorbei: Hubert Coonen und Manfred Heinrichsen. Beide sorgen seit über 30 Jahren für Ordnung beim Turnier. Wären sie nicht da, „würde das Chaos ausbrechen“, vermutet Coonen. „Wir kennen fast alle Aussteller und die Leute in der Geschäftsstelle. Wir brauchen nicht lange zu fragen, wenn mal was unklar ist“, sagt er. Und das Wichtigste ist: Die beiden verbreiten gute Laune. „Wer hier mit schlechter Laune vorbeikommt, geht mit einem Lachen weiter“, sagt Heinrichsen. Für einen netten Spruch haben sie trotz aller Hektik immer Zeit: „Das ist schon stressig. Die Vorbereitungen laufen, und die Aussteller liefern an“, sagt Coonen. Und dazu noch der viele Regen — „das nennt man Turniersommer“, sagt er.

Tiefe Pfützen gibt es auf dem Turniergelände zwar, aber die Reitplätze sind in hervorragendem Zustand — gute Drainage eben. Auch in den Beeten neben den Fußwegen sprießt dank jeder Menge Pflege so etwas wie der sprichwörtliche englische Rasen. Nur an einer Stelle zieht sich eine tiefe braune Furche durch das satte Grün. So kam es: Zwei Lkw müssen aneinander vorbei — und zusammen passen sie nicht auf den schmalen Weg. Also weicht einer aus. Das dürfte den ALRV-Bossen wiederum gar nicht passen. . .

Bei allem Drumherum — es sind auch schon Pferde in der Soers. Insgesamt werden rund 1000 Tiere kommen. Und Wettkämpfe laufen auch. Die ersten sind wie immer die Voltigierer. Marissa Jöbstel und Alexandra Oedel aus Salzburg machen sich warm: Und das nicht etwa mit lockerem Laufen. Handstand, Spagat und Spagat im Handstand sind für sie ganz normale Wettkampfvorbereitung. Beide sind zum sechsten Mal beim CHIO. „Aachen ist für uns ein Highlight. Das Publikum geht immer mit, und die Hallen sind voll. Hier hat Voltigieren nicht so eine Randstellung wie anderswo“, sagt Marissa Jöbstel.

Für die beiden Österreicherinnen geht es erstmal ums Sportliche. Und dann direkt wieder nach Hause. Denn vom Voltigieren können selbst Klasse-Sportler nicht leben. Nach dem Turnier geht es wieder ins Büro.