Aachen: Centre Charlemagne zeigt neue Ausstellung „Uns gehört die Stadt!“

Aachen : Centre Charlemagne zeigt neue Ausstellung „Uns gehört die Stadt!“

„Ey, was laberst du? Fuck the system“. Zugegeben: Diesen Sprachjargon vermutet man wohl am allerwenigsten in einem Museum. Aber solche und noch mehr „unflätige Ausdrücke“, wie es Prof. Dr. Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne Aachen lachend beschreibt, findet man in der neuen Ausstellung „Uns gehört die Stadt — Kids, Kunst und Krawall in Aachen“ häufig.

Und das ganz bewusst, denn unter diesem Motto hat das Stadtmuseum für den Sommer ein groß angelegtes Projekt zum Thema Jugendkulturen und Street Art vorbereitet. Gefördert wird es von der Kulturstiftung des Bundes.

Primär geht es im Rahmen des Projektes um die Auseinandersetzung mit den Ausprägungen der Aachener Jugendkultur in Musik, Mode und Lebenseinstellungen. „Es ist wirklich großartig, dass der Fokus nun auf die Jugend gelegt wird, denn sie ist nicht nur Zukunft, sondern auch Vergangenheit und Gegenwart“, so Susanne Schwier, Beigeordnete für Bildung und Kultur, Schule, Jugend und Sport. Die Jugend sei eine Findungsphase mit lauten, rebellischen und verrückten Tönen, aber auch mit leisen und ruhigen, betont Schwier.

Dass die Verantwortlichen mit der Ausstellung stadtgeschichtliches Neuland betreten, erklärt Pohle so: „Die Jugendkultur ist Teil der Stadtgeschichte und wird durch Zeugen lebendig gemacht. Es ist ein Thema für alle Generation, denn jeder ist Experte für seine eigene Jugend.“

Dem Aufruf des Museums, Exponate und persönliche Erinnerungsstücke der Jugend einzureichen, folgten gut 20 Menschen, knapp 500 Dinge wurden insgesamt aufgenommen, wobei natürlich nicht alle Teil der Ausstellung sind. Projektleiter Robert Kaltenhäuser und Kuratorin Myriam Kroll nahmen für die neue Thematik die Entwicklung und Merkmale der Jugendkultur genau unter die Lupe. „Für uns war vor allem interessant, wie die Jugendbewegungen in Aachen waren. Denn viele Aktionen, die aus jugendlichem Protest heraus entstehen und anfangs auf Unverständnis stoßen, verändern langfristig gesellschaftliche Ansichten, den Geschmack in Mode und Musik, die Sprache und haben sogar Einfluss auf die Politik“, erklärt Kroll.

Was ebenfalls feststeht: Jugendkulturen mit ihren jeweils eigenen Verhaltenskodizes gibt es schon lange; als einen der ersten Vorläufer lassen sich die um 1900 entstandenen Wandervögel identifizieren. Zum heftig umstrittenen und diskutierten Phänomen wurden Jugendbewegungen jedoch erst später: Die sogenannten Halbstarken der 1950er Jahre hatten sich den amerikanischen Rock´n´Roll auf die Fahnen geschrieben, und dazu gehörte auch, unangepasst zu sein. Ebenfalls Teil einer Jugendbewegung waren Hippies. 1970 besuchten viele das „Euro-Pop-Festival“ in der Soers auf dem CHIO-Gelände des Reitstadions.

„Uns gehört die Stadt!“ ist viel mehr als eine bloße Ausstellung. Sie biete zusätzlich verschiedene Workshops zum Thema Graffiti und Street Art an sowie ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Konzerten und Vorträgen, sagt Robert Kaltenhäuser.