Centre Charlemagne: Ausstellung zum Aachener Karneval

Neue Wechselausstellung zeigt die Geschichte des Aachener Karnevals : Der Öcher Fastelovvend ist museumsreif

Im Centre Charlemagne geht es für die kommenden vier Monate pratschjeck zu. Denn die neue Wechselausstellung im Stadtmuseum am Katschhof widmet sich dem Aachener Karneval. Am Donnerstag, 8. November, 16.30 Uhr, wird die jecke Schau unter dem Motto „Pratschjeck op Fastelovvend – Karneval in Aachen und Umgebung“ eröffnet.

Karneval ist mitunter ein hartes Stück Arbeit. Wer wüsste das besser als die knapp 8500 Öcher Jecke, die im Festausschuss Aachener Karneval (AAK) organisiert sind und mit Sitzungen, Umzügen, Festen und Ordensverleihungen das Brauchtum mit Hingabe und Herzblut pflegen. Doch Julia Samp weiß das nun auch. Dabei hatte die gebürtige Lüdenscheiderin – „an der Schwelle vom Sauerland zum Ruhrpott“, wie sie selbst sagt – bis vor einem Jahr noch keinerlei Karnevalserfahrung. Das hat sich inzwischen geändert. Denn als Kuratorin hat sie die neue Wechselausstellung im Centre Charlemagne „Pratschjeck op Fastelovvend“ zusammengestellt und den Aachener Karneval damit museumsreif gemacht. Und das war zu Beginn „ganz schön Knochenarbeit“, wie sie heute zugibt.

Denn zur Vorbereitung der Ausstellung, die am Donnerstag eröffnet wird, hat sie in Zusammenarbeit mit dem AAK, dem Aachener Karnevalsverein (AKV) und dem Verband der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise gleich mehrere Karnevalssitzungen besucht. Immerhin: „Im Laufe der Recherche hat es auch immer mehr Spaß gemacht“, sagt Julia Samp lächelnd. Sie könne sich sogar vorstellen, „ein bisschen dabei zu bleiben“.

Den rheinischen Karneval aus Aachen und Umgebung – immerhin immaterielles Weltkulturerbe – kennt sie jetzt jedenfalls aus dem Effeff. Denn in der Schau erläutert sie mit Hilfe von circa 400 Exponaten die Geschichte des Fastelovvends von den Ursprüngen im Alten Rom über die Zeit vor der Aachener Karnevalsreform 1829, der Entwicklung im 19. Jahrhundert, während der Nazi-Zeit und nach dem Krieg bis hin zum modernen Saalkarneval. Daneben werden aber auch thematische Schwerpunkte, etwa zur Rolle der Frau im Karneval, gesetzt. Zu sehen sind zahlreiche Orden und Kostüme, aber auch historische Eintrittskarten etwa aus dem 19. Jahrhundert. Die haben es Julia Samp besonders angetan. „Damals hatte der Karneval noch einen ästhetischen Anspruch“ erzählt sie, „das sieht man sogar an den wunderschön gestalteten Eintrittskarten.“ Daneben gibt es auch Filme und eine jecke Jukebox mit jeder Menge Öcher Karnevalshits zum Reinhören.

Gruppenbild mit Prinzengardist: AKV-Präsident Werner Pfeil, AAK-Chef Frank Prömpeler, Museumsleiter Frank Pohle, Iris Tirtey vom Kulturbetrieb (hinten, von links) und Kuratorin Julia Samp (vorne) posieren mit dem größten Exponat der jecken Ausstellung, die am Donnerstag, 8. November, eröffnet wird. Foto: dmp press Ralf Roeger/Ralf Roeger

Die Exponate selbst hat sie aus den Archiven der Aachener Karnevalsvereine – allen voran aus der Sammlung Crous des AKV – aber auch von den Öcher Jecken selbst, die ihre Erinnerungsstücke zur Verfügung gestellt haben.

Irit Tirtey, Geschäftsführerin des Aachener Kulturbetriebes, erwartet mehr als 20.000 Besucher in der Ausstellung, die mit einem Etat von 157.000 Euro zusammengestellt worden ist. Damit würde die Schau in die Top drei der Centre Wechselausstellungen hinter den Themen Zoll und Schmuggel sowie Kids und Krawalle hineinstoßen. Julia Samp dürfte es recht sein.

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