Kornelimünster: CDU Kornelimünster bläst zum Sturm gegen die Campusbahn

Kornelimünster: CDU Kornelimünster bläst zum Sturm gegen die Campusbahn

Im Ortsverband Kornelimünster der CDU brodelt es: Er bläst zum Sturm gegen die geplante Campusbahn — und damit gegen ein Projekt der eigenen Partei. Während einer Podiumsdiskussion mit Oberbürgermeister Marcel Philipp legte der Vorsitzende des Ortsverbands Jakob von Thenen die Gründe für den Widerstand dar.

Rund 80 Bürger kamen zu dem Treffen, das im Vorfeld des Ratsbürgerentscheids am 10. März Fragen beantworten und Zweifel beseitigen sollte.

In der teils hitzigen Diskussion wurde deutlich, wie viel Gesprächsbedarf noch über das Thema besteht. „Die finanziellen Auswirkungen sind nicht überschaubar“, kritisierte von Thenen. Die Kosten seien von den Kölner Verkehrsbetrieben mitprognostiziert worden. „Und die haben ihre U-Bahn dem Bürger viel günstiger angepriesen als sie nun tatsächlich ist“, sagte der Vorsitzende.

Viel beanstandet wurde auch die Unterbrechung der Buslinien, die bislang die Außenbezirke Walheim und Kornelimünster über die Trierer Straße mit dem Stadtzentrum verbinden. „Die Leute müssen dann in Brand umsteigen. Das ist alles andere als bequem“, so von Thenen. Dass der Ortsteil Brand mit der Campusbahn vom Individualverkehr entlastet würde, bezweifelt die CDU Kornelimünster. „Wir befürchten, dass mit dem Bau der Schienen nur noch eine Spur in jede Richtung für den Individualverkehr zur Verfügung steht. Die Autofahrer werden dann Nebenwege durch Wohngebiete nehmen, wie es beim Umbau der Triererstraße der Fall war.“ Und auch die Busse aus den Vororten könnten in Brand nicht einfach wenden und zurückfahren. „Brand bekommt mehr Verkehr“, versicherte von Thenen.

Oberbürgermeister Marcel Philipp verteidigte die Campusbahn. „Wir haben viele Systeme auf Kapazitäten, Effizienz und Fördermittel geprüft. Dabei hat das Schienensystem am besten abgeschnitten, denn es ist schnell, barrierefrei und ohne Schadstoffe. Dies mit Bussen zu erreichen, wird nicht billiger.“

Der OB erinnerte an die Anfänge des Projekts: die Verbindung des Campus Melaten mit dem Hochschulbereich in der Innenstadt. „Wird die Hochschule nicht in die Stadt integriert, ist das ein Riesennachteil“, bekräftige der OB. Den Investitionskosten für die Campusbahn stünde außerdem die Schaffung von rund 2000 Arbeitsplätzen gegenüber. Den Berechnungen der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) vertraut Philipp. „Ich lehne geschönte Zahlen ab. Die KVB haben berechnet, was zuletzt echt bezahlt wurde“, versicherte er.

Einigen Bürgern reichte das nicht aus. Michael Meixner bemängelte vor allem die eingesetzte Batterietechnik, die seiner Ansicht nach zu wenig erforscht ist. „Diese HPD-Batterien haben auch beim Boeing 787 Dreamliner ungelöste Probleme verursacht“, kritisierte er deshalb. „Es wäre schön gewesen, wenn ein unabhängiges Institut diese Batterien getestet hätte.“ Die Reisedauer von 32 Minuten von Brand bis zum Klinikum bezweifelten Meixner und andere Gäste aus dem Publikum. Bei 24 Haltestellen sei das unmöglich.

Alternativen zur Campusbahn seien nicht der Öffentlichkeit präsentiert, die technischen Möglichkeiten nicht ausgelotet worden. Das Projekt Campusbahn würde mit Blick auf die Fördermittel zu eilig vorangetrieben, so die Resonanz der Kritiker.

Die Bahn bedeute eine Attraktivitätssteigerung und weniger Verkehr für Aachen. Schon heute müssten Fahrgäste aus den Außenbezirken Walheim und Kornelimünster abends in Brand umsteigen. Außerdem könnte die Campusbahn ein Vorteil für Vermieter in Brand sein: Mehr Studenten zögen in den Stadtteil, so die Befürworter.

Der OB versuchte, die Gemüter zu beruhigen. „Klar ist, dass die Campusbahn viel Geld kostet und kein Wundermittel ist. Aber nur durch eine starke Achse, die auch eine zweite Trasse ermöglicht, können wir den Verkehr entlasten.“

Das Auto sei längst nicht mehr das wichtigste Verkehrsmittel. Mit einer schnellen Bahn, die Anschlüsse an die Bahnhöfe West und Rothe Erde böte, könne man die Attraktivität des ÖPNV deutlich erhöhen, so Philipp. Das Misstrauen der Bürger nach den Desastern am Flughafen Berlin und am Stuttgarter Bahnhof kann der OB zwar verstehen, aber: „Wenn alle Investitionen in Aachen so hinterfragt würden wie die Campusbahn, würde in der Stadt gar nichts mehr passieren.“