Aachen: Campusbahn: „Erste große Steckdose in Sachen Mobilität“

Aachen: Campusbahn: „Erste große Steckdose in Sachen Mobilität“

Elektrisierend — und zwar in jedem Sinne: So kann man das Großprojekt Campusbahn aus ihrer Perspektive allemal charakterisieren. Klar: Berührungsängste in Sachen Schienenstrang plagen die Aachener Grünen garantiert am allerwenigsten.

Im zuweilen beängstigenden Wust der Zahlen, Daten und Fakten, die derzeit mit Schmackes in die Debatte um den großen Coup (oder den potenziellen Mega-Flop) in Sachen ÖPNV geworfen werden, lassen sich die Junior-Partner in der Ratskoalition keine Sekunde aus dem Gleis werfen. Im Gegenteil.

„Angesichts der enormen Vorteile, die die Campusbahn mit sich bringt, müssen wir auch die Kostenfrage im rechten Verhältnis betrachten“, sagt Parteisprecherin Ulla Griepentrog. Kopf und Bauch, Vernunft und Leidenschaft dürften eben auch im politischen Geschäft mal eine ganz große Koalition eingehen — so könnte man ihr flammendes Plädoyer zusammenfassen.

„Wir müssen dieses Projekt als grandiose Chance begreifen, die Vision von der neuen Elektromobilität in die Tat umzusetzen“, fordert die grüne Ratsfrau. „Schon heute ist es dank jüngster Forschungserfolge der Aachener Hochschule möglich, die Stadtbahn über anderthalb Kilometer am Stück per Batterie anzutreiben, wo keine Oberleitungen installiert sind.

Und das ist sicher erst der Anfang.“ So sei die Bahn als mächtiger Motor für den allseits geforderten Umstieg auf alternative Energien keinesfalls zu unterschätzen. Denn ihre Akkus sollen jenseits der Innenstadt über sieben sogenannte Unterwerke aufgeladen werden. Der Clou: Diese unterirdischen Trafo-Anlagen zur Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom könnten auch Elektro-Autos innerhalb einer halben Stunde „volltanken“, deren Systeme bislang stundenlang geladen werden müssten. „Das ist sozusagen unsere erste große Steckdose in Sachen Mobilität“, sagt Griepentrogs Parteikollege Helmut Ludwig.

Und so könne man auch den Skeptikern in Sachen Finanzierung den Wind aus den Segeln nehmen, glaubt Ulla Griepentrog. Apropos Wind: „Die Stawag wird in wachsendem Maße den erforderlichen alternativen Strom zur Verfügung stellen können, damit verbessern wir gleichzeitig den Kreislauf des Geldes innerhalb der Region; Arbeitsplätze werden geschaffen.“ Zurzeit investiere die Aseag immerhin allein rund sechs Millionen Euro jährlich in die Beschaffung von Diesel.

Und auch das Argument, dass ein Busnetz naturgemäß weit flexibler daherkomme als die Schiene, zieht ihrer Meinung nach nicht. „Bekanntermaßen soll die Stadtbahn genau dort fahren, wo die Aseag derzeit längst an die Grenzen ihrer Kapazitäten gestoßen ist“, so Griepentrog. Dass viele Menschen vor allem aus dem Südraum künftig umsteigen müssten, um in die City zu gelangen, dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch sie letztlich flotter und komfortabler „bedient“ würden.

Schließlich: Selbst die gänzlich „unverdächtige“ Industrie- und Handelskammer habe in einer eigenen Untersuchung dokumentiert, dass das Projekt finanziell zu stemmen — und als zukunftsweisende Investition zu begrüßen sei. Griepentrog: „Die laufenden Kosten liegen allenfalls bei einem Prozent des städtischen Haushalts.“ Angesichts des Nutzens, den die Campusbahn der gesamten Stadt auch als Pilotprojekt für den forcierten Umstieg auf ökologische Antriebssysteme bringe, sei dieses Geld allemal bestens investiert.

„Wir verstehen, dass viele Menschen wegen der Kosten zunächst erschrocken sind“, bilanziert die Grünen-Sprecherin. „Aber ich gehe davon aus, dass wir die Mehrheit der Aachener davon überzeugen können, dass die Entscheidung pro Stadtbahn die richtige ist.“