Aachen: Campus West: Die Stadt legt fünf Millionen Euro drauf

Aachen : Campus West: Die Stadt legt fünf Millionen Euro drauf

2008/2009: Die Idee, zentrumsnah einen riesigen RWTH-Campus auf verwaisten Westbahnhofs-Flächen zu entwickeln, nimmt Formen an. Es wird eine Campus GmbH gegründet und beschlossen, einen Bebauungsplan aufzustellen.

2010: Ein städtebauliche Entwurf wird. Gutachten zu Verkehr, Luft, Lärm und vielem mehr sind in Arbeit.

2011: Es wird über Hochhäuser, Verkehrsanbindung, Brücken, eine Mehrzweckhalle und vieles mehr diskutiert. Aber dann: Im Dezember 2011 stoppt der Bau- und Liegenschaftbetrieb NRW (BLB), der vormals der Bahn das rund 300.000 Quadratmeter große Areal für 50 Millionen Euro abgekauft hat. das gesamte Projekt.

2014 gibt es auf Initiative der Campus GmbH ein paar Workshops, um Knackpunkte aus dem Weg zu räumen. Das war‘s dann erstmal. So liest sich die bislang wenig erbauliche Chronik des mit Abstand wichtigsten Projektes der Aachener Stadtentwicklung. Jetzt, nach fast zehn Jahren, wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Und das soll das Milliardenprojekt endlich voranbringen.

Stillschweigen über Kaufpreis

Am Mittwoch hat der Stadtrat einem Vertrag zugestimmt. Geschlossen wird er zwischen der RWTH, dem BLB und der Stadt. Geregelt sind darin Grundsätze der Zusammenarbeit bei der weiteren Entwicklung des Campus West, auf dem zehn weitere Forschungscluster — ähnlich wie auf dem schon viel weiter gediehenen Campus Melaten — auf 110.000 Quadratmetern reiner Baufläche Platz finden sollen.

Es geht um Kostenaufteilung, Grundstücksfragen, Verkehrs- und Erschließungsthemen. Hintergrund der neuen Entwicklung: Im Frühjahr war auf Landesebene die Entscheidung gereift, dass der BLB die gesamte Fläche an die RWTH verkaufen soll, womit sich eine ganz neue Konstellation ergab. Mittlerweile gibt es auch ein Wertgutachten, an dem sich der Kaufpreis orientieren soll. Darüber wurde allerdings Stillschweigen vereinbart, wie RWTH-Sprecher Thorsten Karbach am Mittwoch mitteilte. Im Prinzip ist das ohnehin nicht von Belang, denn Geld und Grundstück werden ja nur landesintern weitergeschoben.

Beim Geld ist allerdings auch die Stadt Boot. Seit Beginn der Campus-Planungen hatte man sich verpflichtet, die Erschließung des Geländes mit 15 Millionen Euro zu finanzieren.

Das allerdings wird bei weitem nicht reichen. Deswegen ist in den Vertragsverhandlungen jetzt festgezurrt worden, dass 20 Millionen Euro städtischerseits investiert werden. Doch selbst das wird wohl kaum genügen. Alleine die Kosten für eine — vor allem bei den Anwohnern in Laurensberg umstrittene — Brücke zwischen den Campus-Bereichen Melaten und West werden auf 15 Millionen Euro geschätzt. Dann ist allerdings auf dem Campus noch keine Straße gebaut und kein Kanal verlegt. Dennoch will Kämmerin Annekathrin Grehling dem Vernehmen auch diese 20 Millionen als Maximum verstanden wissen. Wird es teurer, müsste jemand anders einspringen.

Die Politik — vor dem rat hatte bereits der Planungsausschuss getagt — lobte den gemeinsamen Vertrag und die Verwaltung für das aus Sicht der Stadt gute Ergebnis. Und natürlich wurde die Hoffnung geäußert, dass es nun vorangeht. Eine Portion Skepsis bleibt nach der Vorgeschichte jedoch auch: „Die Strecke ist noch lang“, mahnte Michael Rau (Grüne). Es gebe nach wie vor noch kein Planungsrecht und keine Erschließung. Und RWTH und BLB seien sich dem Vernehmen nach auch noch nicht in allen Punkten einig. Dennoch: „Wir werden gemeinsam dieses Projekt vorantreiben“, unterstrich BLB-Geschäftsführerin Gabriele Willems am Mittwoch. Man wird sie beim Wort nehmen.

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