Aachen: Café Plattform feiert 25-Jähriges: Großer Dank gilt Ehrenamtlern

Aachen: Café Plattform feiert 25-Jähriges: Großer Dank gilt Ehrenamtlern

Als Friedel Koch, Studiendirektor a.D. des Pius-Gymnasiums, zum ersten Mal ins Café Plattform kam, kam er mit seinem Motorrad. „Ich sah nicht gerade aus, als hätte ich mich fürs Ausgehen schick gemacht“, erzählt er. „Als ich von meiner Maschine abstieg und den Helm abnahm, war der Satz ‚Na, wie viele Sozialstunden musst du hier ableisten?‘ das Erste, was ich zu hören bekam“, berichtet er und lacht.

Seitdem ist er jeden Dienstag in der Einrichtung für obdachlose Menschen. Nach 25 Jahren Café Plattform war es nun Zeit für Mitarbeiter, Förderer und Bewohner, im „Franz“ einmal auf die Anfänge zurückzublicken. „Damals, 1988 hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Als die Zeche Sophia geschlossen wurde, gab es viel Arbeitslosigkeit. Das Café Plattform ist genau in die richtige Lücke gesprungen“, berichtete Generalvikar Manfred von Holtum bei einer Talkrunde zum Jubiläum, moderiert vom stellvertretenden Chefredakteur unserer Zeitung, Bernd Büttgens. Auf der Straße leben müsse keiner, sagte Bürgermeister Björn Jansen. „Aber es geht ganz schnell. Auch wenn viele es verdrängen, ist Wohnungslosigkeit ein großes Thema.“ Für ihn sei das „Plattform“ ein Ort der Zuflucht und Geborgenheit für Menschen, die genauso in die Gesellschaft gehörten wie jeder andere auch.

Musikalisch begleitet wurde der Abend von Manfred Leuchter am Akkordeon. „Ich bin viel auf Reisen, deshalb fühle ich mich nicht heimischen Menschen sehr verbunden“, sagte Leuchter. Am Abend im Franz zu spielen, sei für ihn daher gar keine Frage gewesen.

Auch einige Betroffene kamen beim Festabend zu Wort. Ihnen gemein ist die Dankbarkeit, die sie für die Fürsorge empfinden, die sie im Café Plattform erleben. Das ist längst nicht selbstverständlich, weiß auch Wolfgang Offermann, Gründer der Einrichtung. „Die Nachbarn hatten zu Anfang große Sorgen“, erzählte er. „Das reichte von der Angst vor Kindesmissbrauch bis zu Menschen, die tot im Ententeich versenkt werden. Aber dann kippte die Stimmung ins Positive. Dass manche Menschen in Aachen heute nicht wissen, wo das Café Plattform ist, sehen wir als Kompliment“, scherzte er.

Heute leitet Simone Holzapfel das Café Plattform. „Es ist meine Zweitfamilie“, sagte sie. Seit 25 Jahren ist es dies auch für viele Wohnungslose, die sich hier aufwärmen können, duschen, waschen, eine Mahlzeit bekommen und viel zwischenmenschliche Wärme. Bewerkstelligt wird das vor allem durch viele ehrenamtlich Tätige, Praktikanten und Hauptamtler. „Sie sind das Korsett, das Kontinuität und Strukturen schafft“, sagte Bernhard Verholen, Vorsitzender der Caritas Aachen-Stadt. Auch Dank des Förderkreises und den Spenden vieler Aachener besteht die Einrichtung nun seit so vielen Jahren. „Sie ist eine Perle im Reigen der Caritas,“ resümierte Verholen.