Aachen: Café Plattform: Ein Anker für die Einsamen

Aachen : Café Plattform: Ein Anker für die Einsamen

Ohne große Reden und ohne strenges Protokoll: Das Café Plattform für Wohnsitzlose hat sein 30-jähriges Bestehen so gefeiert, dass sich die Besucher selbst wohl fühlen konnten. Und so saßen sie gemütlich an den Tischen vor dem Café an der Hermannstraße und versorgten sich mit Gegrilltem. Die Big Band untermalte die entspannte Atmosphäre mit ihrer Musik.

„Wir sind ein Teil dieser Stadt, und wir fühlen uns hier sehr wohl“, sagte Wolfgang Offermann, einer der Begründer des Cafés der Caritas, in seiner kurzen Begrüßung. Viel habe sich in den 30 Jahren eigentlich gar nicht geändert. Nach wie vor sind „Akzeptanz und Perspektive“ laut Leiterin Simone Holzapfel die Begriffe, die die Arbeit mit Obdachlosen charakterisieren.

Die Menschen so zu nehmen wie sie sind, aber gleichzeitig an Lösungsentwürfen zu arbeiten: Das ist im Groben die Richtlinie, die die Mitarbeiter des Cafés verfolgen. Bindungslosigkeit und Einsamkeit sind nach Meinung des Teams die Hauptursache dafür, dass Menschen auf der Straße landen. Das Café Plattform steuert gegen und bietet entsprechende Hilfen. Darüber hinaus ist es manchmal auch einfach nur Anlaufstelle, um zu duschen oder Wäsche zu waschen. Für viele wird das Café dann im Laufe der Zeit zur Heimat und zur Familie.

Laut Wolfgang Offermann gelingt es in vielen Fällen, den Menschen wieder Halt zu geben und sie ins Leben zu integrieren. „Offizielle Zahlen gibt es aber nicht“, sagt er. Die Zuwendung, die diese Menschen im Café Plattform finden, hilft ihnen aber offensichtlich, sich zu stabilisieren.

Es sind etwa 40 bis 50 Menschen, die regelmäßig ins Café Plattform kommen. „Und die, die schon lange auf der Straße leben, kommen wunderbar zurecht, auch im Winter“, sagt Offermann. Bei niedrigen Temperaturen steige die Zahl derer, die einen Schlafplatz suchen, gar nicht so sehr an, meint auch Simone Holzapfel. Denn es sei nicht die Kälte, die die Obdachlosen zum Café Plattform bringe, sondern viel mehr die Einsamkeit.

Im Kreise der Ersastz-„Familie“

Umso schöner war die Feier zum 30-jährigen Bestehen für die CaféBesucher. Denn hier konnten sie einen gemütlichen Nachmittag im Kreise „ihrer Familie“ verbringen. Dass auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet seinen Besuch angekündigt hatte, nahmen die Gäste gelassen. Es ist vor allem Laschets Ehefrau Susanne, die das Café als Mitglied des Förderkreises unterstützt. Dass über sie besonders gute Verbindungen zum Ministerpräsidenten bestehen, kann dem Café Plattform nur recht sein.

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