Aachen: „Cabaret Crusades“: Blutiges Puppenspiel mit hochaktuellen Bezügen

Aachen: „Cabaret Crusades“: Blutiges Puppenspiel mit hochaktuellen Bezügen

Auf den ersten Blick erinnert es an die Augsburger Puppenkiste: In der Filmtrilogie des ägyptischen Künstlers Wael Shawky, deren erster Teil im Ludwig-Forum im Rahmen der „Videozone“ zu sehen ist, geht es um die Geschichte der Kreuzzüge. Darsteller der Filme sind Marionetten.

Deren Puppenkistenimage ist allerdings spätestens dann vorbei, wenn das erste Blut fließt - und das passiert in Mengen. Köpfe werden abgeschlagen, aufgespießt und Kehlen aufgeschlitzt. Die Kreuzzüge waren kein Spaß.

In den „Cabaret Crusades: The Horror Show File“ setzt sich Shawky mit der arabischen Perspektive auf die Kreuzzüge auseinander - auch europäische Bischöfe und Mönche sprechen arabisch, der Film hat Untertitel. Die packende Atmosphäre wird aber vor allem durch die musikalische Untermalung, das Spiel mit der Tiefenschärfe und der Liebe zum Detail getragen. Das puppenhaft märchenhafte gemischt mit der Brutalität der Szenerie zieht den Zuschauer direkt in den Bann des Filmes.

„Shawky beschäftigt sich mit der Frage, wie Geschichtsschreibung funktioniert“, erklärt Brigitte Franzen, Direktorin des Ludwig-Forums. „Fakten und Fiktion sind da eng verwoben.“ Shawky bezieht sich mit seinem Werk auf das Buch „Der heilige Krieg der Barbaren“ von Amin Maalouf, das die Kreuzzüge aus Sicht der Araber darstellt. Die Christen, wie Marionetten der Kirche und des Papstes, überfallen den Orient, um sich von ihrer Weltschuld freizukaufen und bereits vor dem Eintritt in den Himmel genügend Buße zu tun. Der 32-minütige Film thematisiert die Zeit von 1095-1099, also die ersten Aufrufe zu den Kreuzzügen durch Papst Urban II und die Schlacht um die Stadt Antiocha, die die Christen einnahmen.

Eröffnung heute im LuFo

„Das Thema ist nach dem arabischen Frühling in Ägypten absolut aktuell“, sagt Brigitte Franzen. Auch die Brücke ins nächste Jahr, das Karlsjahr werde im Film geschlagen. „Verbal wird auf Karl im Film Bezug genommen.“ Auch Miriam Lowack, Kuratorin der Videozone war sofort vom Film Shawkys begeistert: „Die Magie, die durch die Puppen transportiert wird, in Kombination mit der arabischen Welt und dem Thema des Films nimmt einen sofort gefangen.“ Auch die Puppen selbst sind eigentlich Museumsstücke: Sie gehören zur Lupi Sammlung in Turin, sind also rund 200 Jahre alt.

Wer sich auch in den Bann der Marionetten und den des „Cabaret Crusades“ ziehen lassen möchte, kann das zur Eröffnung der Videozone am Freitag, 22. November, um 20 Uhr tun. Bis zum 26. Januar ist der Film noch im „Space“ des Ludwig-Forums zu sehen.

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