Aachen: Burtscheid: Historisch und schön, doch mit Verbesserungsbedarf

Aachen : Burtscheid: Historisch und schön, doch mit Verbesserungsbedarf

Mit seinem historischen Erscheinungsbild zählt Burtscheid sicherlich zu den schönsten Stadtvierteln Aachens. Fragt man hingegen dessen Bewohner, dann sehen diese durchaus noch Verbesserungsbedarf, wie am Freitag bei einer Podiumsdiskussion der Burtscheider SPD zur Quartiersentwicklung deutlich wurde.

Kurzerhand wurde deshalb eine eigene Stadtteilkonferenz ins Leben gerufen, welche künftig regelmäßig tagen soll.

An anstehenden Herausforderungen wird es im Quartier wahrlich nicht mangeln, wie Marius Otto, Sozialplaner der Stadt Aachen, aufzeigte. So werde die Bekämpfung von sozialer Isolation und Armut im Alter künftig zu zentralen Problemfeldern in Burtscheid gehören. Schon heute sei etwa in der Beverau die Hälfte der Bewohner aller Einpersonenhaushalte über 65 Jahre alt. „Da muss man sich Fragen stellen, wie diese Menschen leben und wie es um ihre soziale Integration und Anforderungen an die Barrierefreiheit steht“, sagte Otto.

Das spiegelt sich auch in den Vereinen des Quartiers wider, wie der Vorsitzende der IG Burtscheider Vereine, Werner Spelthahn, betonte: „Noch haben wir junge Leute, aber es sind nicht mehr viele“, sagte er, und nahm zugleich die Vereine in die Pflicht. So würden sich die Schützengemeinschaften noch immer nicht offen genug zeigen, auch weibliche Mitglieder aufzunehmen.

Mit Wilfried Braunsdorf, dem Vorsitzenden der Burtscheider IG, holte eine weitere Quartiergröße zur Kritik aus. Der Stadtteil sei politisch zu schlecht vertreten, sagte er und forderte eine eigene Bezirksvertretung für Burtscheid, was viele der rund 80 Anwesenden befürworteten. Zudem seien die Wege um die Abtei herum oft in einem jämmerlichen Zustand, und viele der Bodenplatten auf dem Kapellplatz würden seit Jahren auf eine Reparatur warten. „Und dass die Müllabfuhr ausgerechnet zu den Marktzeiten kommt, sorgt auch manchmal für abenteuerliche Situationen — vielleicht lässt sich da ein anderes Zeitfenster finden“, so Braunsdorf.

Ein ganz neuer Treffpunkt soll indes im Gut Branderhof entstehen, wo der gleichnamige Verein um Vorsitzende Ingeburg Haffert derzeit noch mit Renovierungsarbeiten beschäftigt ist. „Viele Leute leben noch viel zu sehr in ihrer eigenen Blase und finden zu wenig zusammen.

Darum soll es in Zukunft heißen: Am Freitag jeweils ab 18 Uhr ist Branderhof-Tag“, sagte sie. Schon jetzt steht ein abwechslungsreiches Programm bis in den April fest, mit Vorträgen, Spieleabenden, Filmvorführungen und gemeinsamen Essen.

Hohe Immobilienpreise

Um in Burtscheid zusammenleben zu können, müssen sich die Bewohner das jedoch auch leisten können. Und dazu müssen diese immer tiefer in die Tasche greifen, wie auch Rolf Frankenberger feststellte, Leiter des Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration. Allerdings, so betonte er, sei der Einfluss der Stadt häufig begrenzt, wenn es um steigende Immobilienpreise gehe. Dort, wo das möglich sei, habe man jedoch in jüngster Zeit konsequent über städtebauliche Verträge Quoten von mindestens 30 Prozent öffentlich gefördertem Wohnraum durchgesetzt.