Aachen: Burtscheid beendet 1000-jährige Geschichte

Aachen: Burtscheid beendet 1000-jährige Geschichte

Zweifellos historisch: Am Donnerstag endet die 1000-jährige Geschichte von St. Michael. „Dass ich hier mal als Totengräber und letzter Pastor der Pfarre St. Michael fungieren muss, hätte ich mir niemals träumen lassen”, sagt Heribert August. „Es fällt mir schwer”, räumt er ein.

Eigentlich wollte August in drei Jahren den Ruhestand antreten; jetzt macht er mindestens bis 2014 weiter. Mit der Fusion der vier Pfarren St. Michael, St. Gregorius, St. Johann Baptist und Herz Jesu entsteht zum Jahreswechsel unter seiner Leitung eine neue Pfarrei namens St. Gregor von Burtscheid mit 16.000 Katholiken - und mit allen Chancen und Sorgen.

St. Gregor von Burtscheid ist am 1. Januar eine der bistumsweit 21 vereinigten Pfarreien und 50 Kirchengemeindeverbände, die auf Geheiß von Bischof Heinrich Mussinghoff verschmelzen. In Aachen leitet Pfarrer August damit eine von acht Gemeinschaften der Gemeinden (GdG), die insgesamt 130.320 Katholiken zählen.

Die Verschlankung der Pfarrstrukturen gab´s nicht zum Nulltarif. „Diese Fusion erforderte unglaublichen Aufwand. Das hätte ich nie erwartet”, sagt Bärbel Lefering. Die Burtscheider Verwaltungsleiterin organisiert das „Unternehmen Sankt Gregor” aus vormals vier eigenständigen Gemeinden im für gut 200.000 Euro sanierten Pastoralzentrum an der Michaelsbergstraße 8. 100 Bankkonten mussten umgestellt, neue Arbeitgeber- und Steuernummern beantragt werden.

Dazu kamen ein neues Computersystem und eine Telefonanlage, vernetzt mit den Pfarrbüro-Außenstellen von Herz Jesu und St. Gregorius. Lefering ist Vorgesetzte für knapp 70 Pfarrmitarbeiter - drei Küster, zwei Organisten, Kita-Personal und viele mehr.

„Da aber alle Personalangelegenheiten und auch die Gehaltsauszahlung über ausgelagerte Verwaltungszentren organisiert werden, mussten wir sämtliche relevanten Daten neu zusammenstellen”, erklärt Lefering. Die sonstige Administration bewältigen die Burtscheider inklusive der Vermietung von 45 Wohneinheiten autark - anders als vom Bischof bevorzugt.

„Wir haben hier den besseren Überblick, und ich verspreche mir noch mehr Entlastung für das seelsorgerische Personal”, sagt Pfarrer August. Ein Kaplan, ein Diakon, drei Gemeindereferenten wirken vor Ort - ein weiterer Priester soll laut Generalvikariat noch hinzustoßen. Nur der Zeitpunkt ist offen.

Mittlerweile existieren indes ein neues Pfarrlogo, eine gemeinsame Homepage und ein Pfarrbrief, der jetzt an alle 7500 katholischen Haushalte in Burtscheid verteilt wird. Verzeichnet ist da auch die neue Gottesdienstordnung: Drei von zwölf Messen fallen weg.

Jugend und Chöre vereint

„Wichtig ist, dass es sonntags zwei Kindermessen gibt”, betont Gemeindereferent Christoph Urban. Die Jugend - darunter 200 Messdiener - betet, feiert und urlaubt längst zusammen. „Denen waren Pfarrgrenzen immer völlig egal”, sagt August. Ähnlich reibungslos stimmten die Kirchenchöre ihrer vereinten Zukunft zu. Offene Ablehnung erfuhren Fusionsbefürworter indes in Pfarrgremien - vor allem südlich von St. Michael. „Aber diesen Ärger lassen wir jetzt hinter uns”, stellt der Pastor klar.

Herausforderungen sieht er anderswo - etwa bei der Finanzierung des personalaufwändigen Unternehmens: „Niemand soll entlassen werden. Aber wir müssen sehen, wie viele Mitarbeiter wir uns in drei bis fünf Jahren noch leisten können”, erklärt der Leiter der GdG. So müsse man auch über die Umwidmung nicht mehr benötigter Kirchengebäude entscheiden. Mit St. Aposteln und der Marienkapelle zählt Burtscheid sechs Gotteshäuser. Und der Unterhalt dieses historischen Vermächtnisses ist nicht ab Donnerstag, sondern seit Jahren zu teuer. Auch daran besteht kein Zweifel.

Festliches Hochamt und Matinée zur Gründung

Die Gründung der neuen Pfarre St. Gregor von Burtscheid wird am Sonntag, 3. Januar 2010, um 10 Uhr mit einem Hochamt gefeiert, das Weihnbischof Dr. Johannes Bündgens zelebriert. Teilnehmen wollen daran auch Generalvikar Manfred von Holtum und OB Marcel Philipp. Um 11.30 Uhr beginnt eine festliche Matinée in den Kurparkterrassen, Dammstraße.

Im umgebauten Pastoral- und Verwaltungszentrum der Pfarre an der Michaelsbergstraße laufen alle Fäden zusammen.