Aachen: „Burgermeister“: Berliner Anwälte mahnen Aachener Hamburger-Grills ab

Aachen: „Burgermeister“: Berliner Anwälte mahnen Aachener Hamburger-Grills ab

659 Kilometer entfernt in einem ehemaligen Klo-Häuschen sitzt der Gegner. Weil die in Berlin 2006 gegründete Imbissbude „Burgermeister“ etwas dagegen hat, dass andere den Namen ebenfalls als Hamburger-Braterei nutzen, hagelt es Abmahnungen. Wer darauf nicht richtig reagiert, muss mit saftigen Kosten von bis zu 100.000 Euro rechnen. Allein in Aachen sind zwei Gastronomiebetriebe betroffen.

Gastronom Oliver Lentzen musste seinen „BURGERmeister Oliver“ schon schließen: „aufgrund einer Abmahnung wegen Markenverletzung und den damit verbundenen Schadenersatzforderungen“, wie er mitteilt. Und weiter: „Die aus der Abmahnung resultierenden Kosten können und wollen wir nicht tragen. Nach fast fünf Jahren im Cineplex bedauern wir diesen Schritt sehr, aber uns sind die Hände gebunden.“ Der Kinokomplex im Kapuziner Karree sucht nun einen Nachmieter für die freigewordene Fläche im ersten Stockwerk.

Wie Lentzen hat an der Vaalser Straße 117 auch Burger-Spezialist Thorsten Schwan, der in Aachen ebenfalls seit Jahren unter dem Namen „Burger Meister“ Hamburger und Co. brutzelt, eine Abmahnung erhalten — und diese von einem Patentanwalt prüfen lassen. „EU-Recht erlaubt offenbar mittlerweile, dass man sich einen Namen in Verbindung mit einer Produktkategorie schützen lässt“, erläutert Schwan. „Recht ist eben nicht immer gerecht“, zitiert er den beauftragten Juristen. „Mir blieb — so ich in der Branche bleiben wollte — nicht anderes übrig, als den Namen meines Geschäfts zu ändern.“

Unter dem Titel „ganz fresh“ will Schwan nun mit einem Dutzend Mitarbeitern weitermachen. Dabei war schon die Klageandrohung existenzgefährdend: Rund 2000 Euro sind an den gegnerischen Anwalt wegen der Unterlassungserklärung zu entrichten, dann müssen ab 1. Dezember neue Speisekarten, neue Leuchtreklame über dem Ladenlokal, neue Logos auf Schürzen, T-Shirts etc. gedruckt werden. Dann sind da noch die eigenen Anwaltskosten — und vor allem die alte Website. „Wir müssen unbedingt sicherstellen, dass alles, was mit unserem ursprünglichen Namen im weltweiten Netz unterwegs ist, nachverfolgt und gelöscht wird“, erklärt er.

Die neue Website geht Anfang des Monats online, aber das reicht offensichtlich nicht. „Dass wir schon so weit sind, dass sich kleine inhabergeführte Imbissbuden gegenseitig verklagen, ist doch der Wahnsinn“, ärgert sich der 39-Jährige. Man sei doch keine Konkurrenz für einen über 600 Kilometer entfernten Imbiss mit demselben Namen an der Spree — was auch für Dutzende andere Burger-Betriebe in Deutschland gelte.

Schwan will aber nicht aufgeben. Er bietet jetzt zusätzlich „ganz fresh“ Streetfood und Steaks an. Und weiterhin Burger. Dass der Burger-Boom von Abmahn-Anwälten aus hunderten Kilometern Entfernung lukrativ ausgebremst wird, hat nicht nur für Schwan einen faden Beigeschmack.

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