Bunter Kreis Aachen richtet Transitionsstelle in Aachen ein

Beratungsstelle vom Bunten Kreis : Damit der Übergang ins Erwachsenenalter auch im Krankheitsfall gelingt

Wenn chronisch kranke Kinder erwachsen werden, dann müssen sie eines Tages auf die vertraute Unterstützung durch ihren Kinder- und Jugendspezialisten verzichten und in die Erwachsenenmedizin wechseln. „Und genau dieser Übergang bereitet nicht selten große Schwierigkeiten“, weiß Dr. Luzie Haferkorn als Kinder- und Jugendspezialistin aus langjähriger Erfahrung.

„Mit dem 18. Lebensjahrs endet unser Behandlungsauftrag“, sagt sie. Ab diesem Zeitpunkt müssen die jungen Patienten selber Verantwortung für die weitere Behandlung ihrer chronischen Erkrankung übernehmen. Und ihre Eltern müssen lernen, loszulassen und mit der neuen Situation umzugehen.

Dieser Prozess verläuft meist nicht reibungslos, und genau aus diesem Grund hat der Bunte Kreis in der Region Aachen jetzt an der Rathausstraße 10 in Laurensberg eine Transitionsstelle eingerichtet. „Wir folgen dem Berliner Transitions-Programm BTP“, sagt Ute Wendt, Geschäftsführerin Bunter Kreis. Und genau diese Zertifizierung wird ihrer Meinung nach der Garant für den Erfolg auch in Aachen sein. Dr. Luzie Haferkorn kennt das Dilemma ihrer jungen Patienten nur zu gut. Sie werden vom Kinder- und Jugendspezialisten sehr fürsorglich betreut und müssen dann plötzlich in der Erwachsenenmedizin zurecht kommen. „Rund 40 Prozent unserer Patienten gehen bei diesem Übergang verloren“, sagt sie. Dabei sei gerade bei chronischen Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Asthma oder entzündlichen Darmerkrankungen eine kontinuierliche medizinische Betreuung extrem wichtig.

Zwei Fallmanagerinnen in der Transitionsstelle werden die jungen Leute in Zukunft begleiten. Schon die Kinder- und Jugendärzte weisen ihre jungen Patienten im Vorfeld immer wieder darauf hin, dass sie den Arzt wechseln müssen, sobald sie 18 Jahre alt sind. Jetzt können sie ihre jungen Patienten außerdem auf die Transitionsstelle aufmerksam machen, die sie bei Bedarf während des Wechsels begleiten kann. Fallmanagerin Sarah Raak hat gerade ihren ersten Patienten unter ihre Fittiche genommen. „Es war eine sehr schöne Erfahrung“, sagt sie. Und dabei habe sich gezeigt: Der junge Patient will seine künftige Behandlung sehr gerne eigenverantwortlich managen und seine Mutter entsprechend außen vor halten. „Doch beide müssen in der Praxis erst lernen, was das wirklich heißt“, meint Sarah Raak.

Dass sie auf das Berliner Programm zurückgreifen können, freut alle Beteiligten gleichermaßen. Denn dahinter stecken Erfahrungen nicht nur mit den jungen Patienten, ihren Eltern und den Ärzten, sondern auch viel Wissen zum Umgang mit den Krankenkassen. Die mit ins Boot zu holen, ist eine wichtige Aufgabe, die es in Aachen noch zu bewältigen gilt. Ganz abgesehen davon ist die Hilfe für die jungen Patienten und ihre Familien aber schon jetzt immer kostenfrei. Laut Wendt wird die Transitionsstelle von der Aktion Mensch und von der Robert Stiftung gefördert.

Zwei frisch aufgelegte Flyer und eine Broschüre stellen das neue Angebot des Bunten Kreises vor. Dabei nimmt gerade die Broschüre zuerst die jungen Leute in den Fokus, erst danach die Eltern. Im Idealfall werden die Patienten ab 16 Jahren über einen Zeitraum von zwei Jahren begleitet. Und in dieser Zeit werden sie fit gemacht, damit sie „die Kurve kriegen“ und später eigenverantwortlich mit ihrer chronischen Erkrankung oder ihrer Behinderung umgehen können.