Aachen: Bunkerabriss: Nur Zeitplan wird gesprengt

Aachen: Bunkerabriss: Nur Zeitplan wird gesprengt

Mit Hilfe hydraulischer Sprengungen sollte der Bunker an der Sandkaulstraße niedergelegt werden, um dort Platz zu machen für ein neues Hotel — so jedenfalls hatten es der Investor Herbert Pontzen und Vertreter der Abriss- und Baufirmen vor gut zwei Wochen auf einer Bürgerinformation den Anwohnern mitgeteilt.

Dumm nur, dass diese Information für die Vertreter der Stadt, die an der Veranstaltung ebenfalls teilnahmen, eine ziemlich große Überraschung gewesen sein muss. Denn von einer Sprengung ist laut Stadt vorher nicht die Rede gewesen, weshalb es dafür auch keine Genehmigung gibt — womit wohl nur der ohnehin schon ambitionierte Zeitplan, den Abriss des Bunkers bis zum Ende der Sommerferien über die Bühne zu bringen, gesprengt ist.

Bislang ist nichts passiert

Denn eigentlich hätten vor dem massiven Bauwerk schon ab dem 11. Juli die Bauzäune aufgebaut und die Fahrbahnbreite hätte reduziert werden sollen. Die Verkehrsführung an der Zufahrt zu den Parkplätzen vor den Häusern Sandkaulstraße 4-10 hätte bereits geändert werden sollen, außerdem hätten längst Bäume und Büsche weichen müssen. Die Rodungsarbeiten unmittelbar am Bunker und südlich davon, so hatte man auf der Bürgerinformation mitgeteilt, sollten am 15. und 16. Juli erfolgen. Und dann wollte man als nächstes das Ziegeldach des Bunkers entfernen, um an die Abschlussplatte zu kommen und dort und an den Seitenwänden Bohrlöcher für hydraulische Sprengungen anzubringen.

Bloß: Von alldem ist bislang nichts passiert. Nur ein Gespräch habe es vor ungefähr einer Woche gegeben, und zwar auf Betreiben der Stadt, sagt Rita Klösges vom städtischen Presseamt am Anfrage. Deren Vertreter hätten bereits auf der Info-Veranstaltung ihr Befremden über die Sprengungsidee signalisiert und dies dann später präzisiert: Denn für eine Sprengung in einer solchen Innenstadtlage sei eine Genehmigung der Bezirksregierung in Köln erforderlich, es gebe eine ganze Reihe von Auflagen — etwa was die Abstände zur benachbarten Bebauung angeht — und es müssten außerdem diverse städtische Ämter beteiligt werden. All dies sei aber nicht beachtet worden, sagt Klösges: „Es gibt von uns nur eine Genehmigung für einen konventionellen Bunkerabriss, also ohne Sprengung.“

Von Seiten der Abrissfirma sei in dem Gespräch zwar der Einwand gekommen, dass eine hydraulische Sprengung als schonende Sprengung gilt und man dabei gar keinen Sprengstoff verwendet, doch mache dies unter dem Strich keinen Unterschied: „Die Maßnahme hat eine sprengstoffgleiche Wirkung, weswegen wieder die Bezirksregierung für die Genehmigung zuständig ist.“

Dort werde man sich nun nicht mehr um eine Erlaubnis bemühen, erklärt Investor Herbert Pontzen, Geschäftsführer der Aachener HPG Projektgesellschaft, auf AZ-Anfrage. Die Posse um die fehlende Genehmigung fürs Sprengen erklärt er damit, dass der Abrissfirma ein Fehler unterlaufen sei. Auch wenn es sich nur um „Lockerungssprengungen“ gehandelt hätte — Pontzen: „Wir wollten ja nicht den ganzen Bunker in die Luft jagen“ —, habe man nicht bedacht, dass das nicht einfach so gestattet sei.

„Spezialmaschine fehlt noch“

Nun werde der Bunker konventionell abgetragen. „Das dauert länger und erfordert den Einsatz einer weiteren Spezialmaschine“, sagt Pontzen. Dieses Gerät befinde sich allerdings noch auf einer anderen Baustelle und werde im Laufe der kommenden Woche nach Aachen gebracht. Gleichwohl glaubt Pontzen nicht, dass damit der ursprüngliche Zeitplan vollends gesprengt ist. „Das Gröbste wird bis zum Ferienende geschafft sein“, sagt er. Dieses Datum hat man wegen der benachbarten Schule im Blick, auch wenn der Investor betont, dass dies „keine Auflage, sondern nur ein Wunsch sei“, den man auch gerne erfülle. Was nun aber kaum noch möglich ist. Schließlich hatte man auf besagter Info-Veranstaltung den Anwohnern auch angekündigt, dass man täglich von 7 bis 19 Uhr arbeiten müsse, um überhaupt bis Ferienende mit dem Abriss fertig zu werden. Und damals, vor gut zwei Wochen, wollte man eigentlich sofort loslegen.

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