Aachen: Bunker: 200 Nachbarn unterschreiben gegen Abriss

Aachen : Bunker: 200 Nachbarn unterschreiben gegen Abriss

Maroder Betonklotz oder Gebäude von historischem Wert — oder vielleicht auch beides? Fakt ist jedenfalls: Der Bunker zwischen Rütscher Straße und Försterstraße soll weg. Das passt vielen Anwohnern gar nicht. Denn ein Abriss des Gebäudes würde für Lärm, Staub und zusätzlichen Verkehr sorgen.

Gekauft hat den Schutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg eine Firma aus dem Umfeld des Aachener Investors Norbert Hermanns. An die Stelle des ehemaligen Schutzraums sollen Wohnhäuser kommen. An der Försterstraße sind sechs sogenannte Stadthäuser geplant. Die sollen schmal, hoch und architektonisch individuell gestaltet werden — „das passt zur Försterstraße“, sagt Hermanns. An der Rütscher Straße will man vier Mehrfamilienhäuser mit jeweils zehn „hochwertigen Eigentumswohnungen“ errichten. Insgesamt sind rund 50 Wohnungen und 60 Autostellplätze in einer zweigeschossigen Tiefgarage geplant.

Im Herbst kommt die Abrissbirne: Den Bunker einzureißen, könnte dreieinhalb Monate dauern. Foto: Daniel Gerhards

Architekt Christoph Schulten wohnt an der Försterstraße, gleich neben dem Bunker. Und er macht mobil gegen den Abriss. 200 Unterschriften für den Erhalt hat er bereits gesammelt. Ginge es nach Schulten, würde der Bunker in einen Neubau integriert: „Man sollte an das Bestehende anknüpfen und damit weiterarbeiten.“ Er kann sich vorstellen, dass man „Öffnungen“ in den Stahlbeton einschneidet und neue Bauabschnitte anschließt. Auch wenn es „Zorn“ bei den Anwohnern gebe, wolle man „nicht nur schimpfen“, sagt Schulten. Man solle gemeinsam eine Lösung finden, auf die die Anwohner „stolz“ sind. Die Anwohner wollen sich am Planungsprozess beteiligen, sagt er.

Der Abriss ist für Hermanns allerdings schon beschlossene Sache. Das Kriegsrelikt zu erhalten, sei nicht möglich. Drinnen „schimmelt und gammelt“ es, sagt Hermanns. „Daraus kann man nichts Schönes mehr machen“, meint er. Mit dem Abriss könne man direkt beginnen, sagt der Investor. Aber man wolle zuerst „Beweissicherungsmaßnahmen“ treffen — also bestehende Schäden an den Nachbarhäusern aufnehmen. Dazu werde man auf alle Anwohner zugehen, sagt Architekt Detlev Karsten vom Aachener Büro Karsten und Partner. „Wenn etwas kaputt geht, wird das ersetzt“, sagt Hermanns.

Ein weiterer Grund, weshalb die Abrissbirne nicht sofort anrückt: Krach und Dreck will man den Nachbarn im Sommer nicht zumuten. „Wir haben die Abrissgenehmigung schon länger, aber wir wollen bis zum späten Herbst warten“, sagt Karsten. So werde niemand beim Grillen im Garten gestört. Einen Bunker — also ein ex-trem stabiles Gebäude — abzureißen, ist allerdings aufwendig. Das könne dreieinhalb Monate dauern. Baubeginn wird voraussichtlich im Frühjahr 2014 sein.

„In Umgebung einfügen“

Und dabei soll es hoch hinaus gehen. Die neuen Häuser dürfen allerdings maximal einen Meter höher als die Traufhöhe — also ungefähr die Höhe der Regenrinnen — der umliegenden Häuser sein, sagt Axel Costard vom städtischen Presseamt. Das ist aber deutlich höher als der alte Bunker. Vielen Anwohnern ist das zu hoch. Architektenbeirat, Planungsausschuss und Planungsamt hatten gegen die geplante fünfgeschossige Bebauung an der Rütscher Straße und die viergeschossigen Häuser an der Försterstraße aber keine Einwände. Und auch Hermanns und Karsten sagen, dass sich die Neubauten „in die Umgebung einfügen“.

Der bevorstehende Abriss bereitet derzeit nicht bloß den Anwohnern Bauchschmerzen. Dietmar Kottmann vom Aachener Geschichtsverein ist der Meinung, dass der Schutzraum als Denkmal erhalten werden sollte. Er kann nicht verstehen, warum der Landschaftsverband Rheinland ihn nicht längst — vor dem Verkauf — unter Denkmalschutz stellte. Er verweist auf die große symbolische Bedeutung der „Schlacht um Aachen“ für das Kriegsende. Damals kapitulierte Oberst Wilck — gegen Hitlers Befehl — in dem Hochbunker, der nun dem Erdboden gleich gemacht werden soll. Die enorme „propagandistische Bedeutung“ der Aachener Kapitulation mache den Bunker zu einem „Objekt der Geschichte“.

Derzeit stehen auch zwei weitere Aachener Bunker im Fokus: An der Lütticher Straße wird einer umgebaut, an der Sandkaulstraße wird ein Bunkerbauwerk abgerissen, um ein dort Hotel zu errichten.

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