40 Jahre Welterbe Aachener Dom: Bundespräsident Steinmeier würdigt das Wahrzeichen der Kaiserstadt

40 Jahre Welterbe Aachener Dom : Bundespräsident Steinmeier würdigt das Wahrzeichen der Kaiserstadt

Viele ausgestreckte Hände schütteln, Autogramme geben, Gedanken über Europa formulieren und schließlich eine große Dom-Printe sowie ein Stückchen Mosaik (Motiv: die Kirchen-Maus) entgegennehmen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich bei seinem Besuch anlässlich der Jubiläumswoche „40 Jahre Welterbe Dom“ einen runden Aachentag gegönnt, der erst zu später Stunde auf dem Katschhof endete.

Hier warteten die 4000 pro Vorführung zugelassenen Besucher bereits auf den Gast aus Berlin, der in Begleitung von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, Oberbürgermeister Marcel Philipp und Dompropst Manfred von Holtum noch vor der Lichtinstallation auf der Bühne Stadtsprecher Bernd Büttgens Rede und Antwort stand — übrigens überraschend. „Er hat sich kurzfristig dazu entschlossen“, meinte Büttgens am Dienstag. „Eine tolle Geste.“ Und als sich der Dom dank Pixel-Mapping-Kunst kurzfristig in eine gigantische Orgel verwandelte, hat Steinmeier vermutlich an das Konzert gedacht, das er kurz zuvor zusammen mit allen Ehrengästen im Dom besuchen konnte — Musik der Gotik aus der Kathedrale Reims, entstanden um 1360. Da war der Eindruck der zahlreichen gotischen Elemente am historischen Bauwerk gleich noch intensiver.

Hände schütteln, Fotos und Begeisterung auf dem Katschhof: Hier schaute sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Lichtinstallation an. Foto: Andreas Steindl

Zum Weltkulturerbe hat der Bundespräsident eine starke Beziehung. „Etwas Besonderes“, meinte er im Krönungssaal des Rathauses, wo Steinmeier noch vor dem Beitrag von Toshiyuki Kono aus Paris zur Frage „Zerstörte Welterbestätten — was nun?“ über seine persönlichen Gedanken sprach. Kono, Präsident von Icomos (International Council on Monuments and Site), der Berater-Organisation der Unesco, nahm den Dom als Ausgangspunkt, um über die zum Teil dramatische Situation von Welterbestätten zu sprechen — unter anderem in den syrischen Regionen von Palmyra und Aleppo.

Steinmeier konzentrierte sich dagegen in seiner engagierten Rede auf die 1200 Jahre einer Kirche, die christlichen Glauben und Herrscherwillen zugleich in sich trägt und 1978 als erstes deutsches Gebäude auf die Liste des erhaltenswerten Welterbes gelangte. „Ich bin froh, dass ich so intensiv sehen und hören konnte, was dieses einmalige Bauwerk ausmacht“, meinte Steinmeier, den bei seinem letzten Aachen-Besuch im März der Dompropst in die Spiritualität der einstigen Hofkirche, Mittelpunkt der kaiserlichen Pfalz, eingeführt hatte.

Der Bundespräsident hat mit Blick auf die deutschen Kathedralen und Dome einen Kerngedanken: „Keiner dieser Kirchenbauten ist wie der andere, und doch haben sie eine Gemeinsamkeit“, erläuterte er den gespannten Zuhörern im voll besetzten Krönungssaal. „Sie sind alle Kinder Aachens.“ Ohne Karls Anspruch, das Erbe des Römischen Reiches anzutreten, wäre nie ein solcher Dom erbaut worden, wirft Steinmeier einen Blick auf das König- und spätere Kaisertum Karls des Großen. Die Steine des Weltkulturerbes tragen für ihn diese klare Botschaft des großen Franken. Und nun kam 1978 eine „fremde Institution, wie nobel und hochgesehen auch immer“, die Aachen einfach ins Weltkulturerbe aufnahm?

Steinmeiers Stichwort: „Kulturerbe“, das habe man in Aachen mit dem Bewusstsein, Rom zu beerben, ganz bewusst angetreten, es extrem früh und aktiv gepflegt. Für ihn ist klar: Ohne die Idee vom kulturellen Erbe hätte es den Aachener Dom nie gegeben. Erneuerung und der grundlegende Aufbau von Verwaltung, Bildungswesen und Recht, sagt Steinmeier, waren ein Teil des Ausbaus, den das westliche Europa nach Kulturbruch und Chaos durch die Völkerwanderung dringend gebraucht habe. „Der Wille zur Einheit, das Ringen um gemeinsame Werte und Überzeugungen, die Mühen um Bildung, Wissenschaft und Fortschritt sind bis heute geblieben“, knüpfte Steinmeier an Karls umfangreiche Planungen an, die ihre „Keimzelle“ in der Aachener Pfalz hatten.

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