Bürgerstiftung Lebensraum startet Offenes Aachen 2.0

Einsatz für das Grundgesetz: Für die Demokratie machen sie sich gerne stark

Die Bürgerstiftung Lebensraum geht mit der Initiative Offenes Aachen 2.0 den nächsten Schritt. Im vergangenen Jahr erreichten sie damit bereits viele Bürger in der Region. Nun setzen sie sich erneut für Vielfalt, Menschenwürde und die Demokratie ein.

„Unsere Demokratie ist in Gefahr“, sagt Norbert Greuel, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen. In Deutschland, Europa und der Welt werde der Rechtspopulismus immer größer, die Ereignisse überrollten sich. Um den politischen Umständen, den Stil der Auseinandersetzungen und all dem Hass im Netz entgegenzuwirken, möchte die Bürgerstiftung sich erneut für die Demokratie, die Vielfalt und die Menschenwürde stark machen. Und da haben sie sich in diesem Jahr mächtig was vorgenommen.

Das hatten sie bereits im vergangenen Jahr mit einer groß angelegten Unterschriftenaktion, einer großen Veranstaltung am 27. August 2017 im Elisengarten, an der über den Tag verteilt etwa 5000 Menschen teilgenommen haben, vielen Gesprächen und weiteren Events. Jetzt machen sie weiter. „Nur etwas anders“, wie Greuel sagt. Es wird viele kleinere Veranstaltungen geben – und das nicht nur in Aachen.

„Der Anstand geht verloren, und der Umgang der Menschen untereinander ist geprägt von Abgrenzung und Ausgrenzung“, so Greuel weiter. Das hat die Bürgerstiftung erneut dazu gebracht, nicht gegen, sondern deutlich für etwas zu sein. „Wir haben etwas sehr Wertvolles zu verlieren“, sagt Greuel und meint damit die Demokratie, die Menschenwürde und eben auch die Vielfalt. Daher wollen sie wieder ein Zeichen setzen – mit 19 Veranstaltungen, einer Menge Planung, Ideen und 17 Menschen, die sich in ehrenamtlichen Gruppen engagieren.

Geburtstagsparty

Dieses Engagement mündet im Veranstaltungshöhepunkt am 23. Mai im Ballsaal des Alten Kurhauses in Aachen. An diesem Tag wird das Grundgesetz 70 Jahre alt. „Wir trauen uns, eine Geburtstagsparty zu diesem Anlass zu feiern“, sagt Greuel. „Und uns wird es auch zugetraut“, ergänzt Herbert Taudien, der die Gruppe zum Thema Demokratie der Bürgerstiftung Lebensraum leitet. „Wir, die Demokraten, sind in der deutlichen Mehrheit“, sagt Greuel. Das wollen sie den Menschen bewusst machen.

Dazu dienen viele Veranstaltungen (siehe Infobox). Und die zielen auf den 70. Geburtstag des Grundgesetzes ab, auf dessen Werte und Aussage die Bürgerstiftung aufmerksam machen möchte. Nach wie vor gebe es auch im politischen Rahmen sicher viel zu verbessern, doch der Kern unserer Demokratie sei das Grundgesetz. Kein Wunder, dass dieses der Bürgerstiftung besonders am Herzen liegt. „Es ist eine Sehnsucht nach Verbundenheit da“, sagt Greuel. Und da diese besonders bei der großen Abschlussveranstaltung im Elisengarten im vergangen Jahr spürbar gewesen sei, wolle man nun umso intensiver weitermachen. „Das hat uns die Kraft gegeben, weiterzumachen“, betont Greuel.

Und dieses Mal ist unter anderem auch das Bildungsbüro der Städteregion involviert, mit einem Planspiel für Schüler. „Die Schüler können in die Rollen von Politikern schlüpfen. Dabei werden sie einen Antrag beraten und die Ergebnisse am Ende vorstellen“, erklärt Conny Schmetz von der Koordinationsstelle Jugendpartizipation der Städteregion Aachen. Inhalt der Diskussion wird die Einrichtung von Europäischen Kulturinstituten sein. Der Bürgerstiftung sei es wichtig, auch mehr jüngere Menschen für die Veranstaltungen zu begeistern und sie davon zu überzeugen, dass es gut ist, sich mit Demokratie auseinanderzusetzen.

Grenzsituation nicht vergessen

Auf das, was geschehen kann, wenn die Demokratie leidet, macht in diesem Rahmen auch Hans-Joachim Geupel, Vorsitzender der Bürgerstiftung Lebensraum, aufmerksam. Denn es gebe immer noch sehr viele – auch junge Menschen – die an den Grenzen der Europäischen Union in Grenzlagern leben. „Wir hören fast gar nichts mehr von der Situation an den Grenzen“, sagt er. Diese Not dort sei mehr als menschenunwürdig und dürfe nicht in Vergessenheit geraten.

Die Bürgerstiftung sei politisch und weltanschaulich neutral und daher durchaus in der Lage, auf diese Probleme aufmerksam zu machen. Und das ehrenamtlich. „Wir wünschen uns, dass unser Beispiel ansteckend wirkt“, sagt Taudien. Denn das Ehrenamt sei in diesem Kampf ein wichtiger Faktor.

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