Bürgerstiftung Aachen muss ihr Projekt Lebensbäume reformieren

„Lebensbäume“ der Bürgerstiftung : Das Geschenk ist auf Dauer zu teuer

Gut 270 Bäume wurden in den vergangenen 15 Jahren für junge Erdenbürger am Gut Melaten gepflanzt. Das Projekt „Lebensbaum“ der Bürgerstiftung Aachen soll es auch in der Zukunft noch geben - aber anders.

Ein Baum als Willkommensgeschenk für die Neugeborenen in Aachen, das war die Idee der Gründer der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, mit der sie vor 15 Jahren an die Öffentlichkeit gegangen sind. Die ganz große Breitenwirkung war dem Projekt „Lebensbaum“ zwar nicht vergönnt. Dennoch steht es jetzt vor einem größeren Umbruch – auch, weil der Aufwand weit größer ist als anfangs gedacht.

Gut 270 „Lebensbäume“ sind mit den Widmungen für junge Erdenbürger im Laufe der Jahre auf drei größeren Flächen am Gut Melaten, am Paulinenwäldchen und am Dreiländerweg gepflanzt worden, die meisten davon in den Anfangsjahren des Projekts. Kleine Plaketten tragen die Namen der Kinder, die mit den Obstbäumen wachsen und gedeihen und irgendwann auch Freude an den Früchten haben sollen.

So soll eine emotionale und „konkrete Verbindung“ der Kinder zum heimatlichen Lebensraum geschaffen werden, beschreibt die Stiftung ihr Ziel. „Eine total schöne Idee“, findet Lena Conrads, die inzwischen die Leitung des Projekts übernommen hat und es auch unbedingt fortsetzen will. Unter den alten Bedingungen – als Geschenk und ohne weitere Verpflichtungen - wird das jedoch nicht mehr gehen.

Schwierig genug ist es derzeit für sie, sich einen Überblick über die bestehenden Baumpatenschaften zu verschaffen. Rund 180 Familien sind bislang beteiligt, doch viele sind ihr gar nicht bekannt. Die Bürgerstiftung setzte anfangs auf das freiwillige Engagement der Eltern und Kinder und wollte sich ansonsten selbst um die Baumpflege kümmern.

Doch längst ist klar, dass es so nicht weitergehen kann. Schon seit gut fünf Jahren wird das Baumpflanzprojekt – immerhin das erste und älteste der Bürgerstiftung – daher auch gar nicht mehr beworben. Bestandsaufnahme ist derzeit angesagt: Denn vielfach sind Plaketten verloren gegangen oder abgeschraubt worden, Bäume sind eingegangen oder auch versetzt worden. So ist mancherorts nicht ganz klar, welche Bäume welchem Kind gewidmet waren. „Das ist unsere größte Baustelle“, sagt Lena Conrads, die seit einigen Monaten Licht ins Dunkel bringen will und in einem Zuge klären will, welche Eltern überhaupt noch Interesse an einer Patenschaft haben.

Denn auch das ist inzwischen klar: Was einstmals als Geschenk gedacht war, wird künftig Geld kosten. Die laufenden Kosten für den Baumschnitt, die Ernte und die Versaftung können nur über Spenden gedeckt werden, sagt Vorstandsmitglied Britta Weisel. 50 Euro jährlich soll daher künftig eine Baumpatenschaft kosten, eine Reduzierung auf 25 Euro jährlich gibt es, wenn man beispielsweise bei der Versaftung mithilft.

Nur für die Altpaten soll sich nichts ändern. „Rückwirkend wollen wir die Konditionen nicht ändern“, versichert Weisel. Bei der Kontaktaufnahme per Telefon und Mail wurde jedoch kein Zweifel gelassen, dass man sich auch über deren Spenden freuen würde. „Die meisten zeigen dafür auch viel Verständnis“, sagt Lena Conrads. Andere hätten ihre Bäume inzwischen allerdings auch für Umwidmungen an andere Kinder freigegeben.

So stehen derzeit rund 60 Bäume für neue Patenschaften bereit. Und zudem sind auch noch zwei weitere Wiesen für Neupflanzungen im Gespräch. „Unser Bestreben ist es, das Projekt auf solideren Füßen fortzuführen“, sagt Weisel. Gemeinsam mit Conrads hofft sie auf einen neuen Schub. „Ich würde gerne zur nächsten Apfelblüte neue Patenschaften vergeben“, sagt Conrads. Und spätestens dann soll das Projekt auch wieder stärker beworben werden und ein Begriff für alle werdenden Eltern sein.

Eine Baumpflanzung zur Geburt eines Kindes passe gut in die Zeit, findet die Projektleiterin und verweist auf die Klimadebatte und die vielen Bemühungen um den Insekten- und Bienenschutz. Wer unter den neuen Voraussetzungen mitmachen will, kann sich an Lena Conrads wenden, info@bürgerstiftung-aachen.de.

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