Bürgerinitiative in Laurensberg macht gegen die Norderschließung mobil

Norderschließung des Campus West : Bürgerinitiative macht gegen Brückenbau mobil

Es brodelt in Laurensberg. Und das soll auch im Bürgerforum deutlich werden. Die Laurensberger Bürgerinitiative gegen die sogenannte Norderschließung des Campus West ist fest entschlossen, die Pläne für eine direkte Brückenverbindung zwischen dem Hochschulcampus Melaten und dem geplanten Campus West zu Fall zu bringen.

Sie hofft auf eine breite Beteiligung an der für Dienstag, 18 Uhr, im „Center for Teaching and Training der RWTH Aachen“, Forckenbeckstraße 7, angesetzten Veranstaltung. Seit Tagen macht die Initiative mobil, um möglichst viele Menschen auf das Bürgerforum und vor allem auch auf das Projekt aufmerksam zu machen, das in ihren Augen weitreichende Folgen für die ganze Stadt haben wird. „Es geht um mehr als nur um eine Brücke“, sagt Michaela Natschke, „es geht um ganz Aachen und auch um die Frage, wie ernst Bürger in dieser Stadt genommen werden.“

Natschke gehört mit Christiane Orth, Akin Bayer und weiteren Mitstreitern zum Kernteam der Bürgerinitiative, die seit 2015 aktiv ist, um den Bau einer neuen Brücke über die Gleisanlagen am Westbahnhof hinweg zu verhindern. Die verschiedenen Varianten des geschwungenen und wuchtigen Bauwerks sollen auch mithilfe neuester digitaler Technik im Bürgerforum präsentiert und zur Diskussion gestellt werden.

Dreizehneinhalb Meter breit, bis zu zehn Meter hoch, fast einen halben Kilometer lang, mindestens 15 Millionen Euro teuer – das sind die nackten Zahlen, die in Laurensberg viele Emotionen freisetzen. Stadt und RWTH, vereint auch in ihrer Tochtergesellschaft Campus GmbH, die die Pläne am Campus West vorantreibt, halten den Bau für geboten, um die beiden Hochschulbereiche besser miteinander zu verbinden. Schwere Transporte zwischen den verschiedenen Instituten seien so besser abzuwickeln, Studierenden eröffne sie kurze Wege, auch eine Stadtbahnlinie könnte geschaffen werden.

Doch solche Aussichten rechtfertigten eine solches Bauwerk nicht, zeigt sich die Bürgerinitiative kämpferisch. Das gelte erst recht, seitdem die Stadt den Klimanotstand ausgerufen hat. Denn während die Initiative bislang vor allem den massiven Landschaftseingriff und die zusätzliche Lärmbelastung als Gegenargumente ins Feld führten, verweist sie nun auch auf ein Werk, das die Stadt vor fünf Jahren unter dem Titel „Klimafolgenanpassungskonzept“ erstellt hat. Ausdrücklich werde darin auch von einer Bebauung jener Flächen abgeraten, die nun für Rampe und Brücke der Norderschließung benötigt werden.

Der umstrittene Brückenbau könnte somit die Kaltluftzufuhr für das gesamte Stadtgebiet behindern, fürchten Natschke, Orth und Bayer. Die Auswirkungen wären nicht nur in der Innenstadt, sondern auch im Frankenberger Viertel in Burtscheid und selbst in Haaren zu spüren.

Die Initiative drängt daher darauf, das Klimagutachten öffentlich zu machen, das bisher unter Verschluss gehalten werde. „Die Aussage, dass die Brücke nur geringen Einfluss hat, reicht uns nicht“, sagt Michaela Natschke. Es gebe keine Transparenz, bemängeln ihre Mitstreiter. Dies gelte auch für das Lärmgutachten, das ihnen vorenthalten werde.

Erschreckend sei für sie aber auch die „Gleichgültigkeit und Ahnungslosigkeit“, mit der die Politiker aller Fraktionen in der Bezirksvertretung sowie zuletzt auch im Mobilitätsausschuss über solche Fragen hinweggegangen seien. Die Antworten müssten doch gemeinsam gefunden werden, findet Natschke. Stattdessen hat sie das Gefühl, dass derzeit über die Bürger hinweggegangen und „nur zum Vorteil der RWTH“ geplant werde. „Die Stadt wirkt wie getrieben“, meint auch Bayer.

Der Frust in ihren Reihen ist inzwischen deutlich spürbar. „Wir kommen mit unserer netten Art nicht weiter“, beklagt Natschke. Hatte die Bürgerinitiative anfangs noch Alternativvorschläge zur Trassenführung erarbeitet, ist sie davon inzwischen ganz abgerückt. Die Brücke sei in Gänze überflüssig und schädlich, heißt es in ihren Reihen. „Die Planung ist nicht zukunftsgerichtet und passt nicht zur modernen Mobilität“, sagt Christiane Orth. So ist laut Bayer nun vor allem die Exzellenzuni RWTH gefordert, ein „vernünftiges“ Erschließungskonzept für den Campus West zu erarbeiten, das auch den neuen Anforderungen an den Klimaschutz gerecht wird.

„Wir haben intensiv Einblicke gewonnen und bisher schon einen langen Atem bewiesen“, sagt Natschke und kündigt an: „Wir bleiben dran.“ So wird der Kampf gegen die Brücke nach dem Bürgerforum womöglich erst richtig Fahrt aufnehmen. Man werde prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt, die Planungen zu stoppen, kündigt die Initiative an. Und im Wahlkampf könnte das Vorhaben vor der Kommunalwahl 2020 zumindest in Laurensberg ebenfalls eine gewichtige Rolle spielen.

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