Bürgerforum: Stadt soll weitere Standorte für Kita in Haaren prüfen

Streitpunkt: Kita an der Welschen Mühle : Der Hilferuf hat sich gelohnt

Das war noch nicht der endgültige Erfolg, aber ein wichtiger Etappensieg: Für die Bürger in Haaren, die sich vehement gegen den Neubau einer Kindertagesstätte am Standort Welsche Mühle wehren, hat sich der Hilferuf an das Bürgerforum gelohnt. Das Forum empfiehlt, was bislang unmöglich schien: Der Kinder- und Jugendausschuss soll auch andere Standorte prüfen.

Das Bürgerforum war eigens nach Haaren gekommen, um sich die Sorgen und Ängste der Bürger anzuhören. Rund 170 Zuhörer füllten die Aula der GGS in der Haarbachtalstraße. Sie erlebten einen Dialog Bürger-Politik-Verwaltung, wie er in dieser sachlichen Art selten geboten wird.

Rita Dautzenberg und Marion Liesens als Sprecherinnen fassten zusammen, was sie und Hunderte Haarener bewegt. Kernpunkte und Tenor auch der vielen Wortmeldungen später: Die auf der Streuobstwiese neben der Welschen Mühle geplante Kita zerstöre ein „grünes Kleinod“; Wiese und Mühle seien ein historisches Ensemble und eine der letzten Grünflächen im Zentrum von Haaren; die vorbeiführende Mühlenstraße sei ein Nadelöhr; das Grundstück sei für eine sechsgruppige Kita zu klein; das Gelände mit Wegen, Bänken und Teich sei „zentraler Treffpunkt“, insbesondere für die Bewohner des nahen Seniorenheims.

„Denken Sie an die große Masse der alten Leute“, appellierte denn auch ein junger Mann, „rund um die Mühle kennen sie sich aus und finden von da auch ins Heim zurück.“ Für die Bürger sei nicht nachzuvollziehen, nach welchen Kriterien das Grundstück ausgewählt worden sei, bemerkte ein anderer. Wenn der erste Bagger anrolle, seien die Obstbäume verloren, man halte die Bürger wohl „für ein bisschen dumm“, argwöhnte ein weiterer.

„Ein schlimmes Vergehen“

Eine feine alte Dame beeindruckte nachhaltigst. Sie sei im mündlichen Vortrag nicht so gewandt, entschuldigte sie sich, weshalb sie ihre Gedanken vorlesen wolle. Und las ihren Text und ließ „die Mühle am rauschenden Bach“ klappern und pries „das kleine kostbare Gebiet“ als „wertvolle Natur- und Kulturlandschaft unserer Heimat“ so liebevoll, dass der Zuhörer ihr aufs Wort abnahm, hier Hand anzulegen sei „ein schlimmes Vergehen“.

Fakt allerdings ist: Haaren braucht 90 bis 120 neue Kita-Plätze, der Stadtteil ist im Vergleich zu anderen unterversorgt. „Wir sind händeringend auf der Suche nach geeigneten Grundstücken“, bekannte Heinrich Brötz, Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule. Es gebe in ganz Aachen keinen Standort, der problemfrei sei; von den zuletzt in Haaren ins Auge gefassten drei sei „keiner optimal“.

Von einer Video-Wand leuchtete das Grüne an der Welschen Mühle, gestrichelt weiß darin das Grundstück für die Kita, ein gewaltiger Batzen. Aber wo genau die Kita hinkomme und wie nah an die Mühle – das vermochte von der Verwaltung niemand zu sagen. Es sei noch zu früh, weil auch der Standort Welsche Mühle noch genau untersucht und vom Umwelt- über den Denkmalschutz bis zur Grundstücksgröße noch vieles zu überlegen sei.

Alternative Burghöhenweg?

Die Bezirksvertretung Haaren und der Kinder- und Jugendausschuss haben sich für den Standort Welsche Mühle ausgesprochen. Einstimmig. Die engagierten Bewahrer des Kleinods Welsche Mühle haben als Alternative ein Grundstück im Eck Burghöhenweg/Am Burgberg vorgeschlagen. Tobias Kollig (FDP) rätselte im Bürgerforum: „Dass wir über den Burghöhenweg nicht sprechen, wundert mich. Ich bitte um Aufklärung!“ Es folgte die Überraschung und das Staunen, als Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne) offenbarte: „Der Burghöhenweg ist uns im Kinder- und Jugendausschuss nicht vorgestellt worden. Das ist für uns neu. Eine neue Situation, wir müssen auf Anfang setzen. Das muss jetzt in den Gremien geklärt werden.“ Die Aula antwortete mit Riesenbeifall.

Nun ging alles schnell. Iris Lürken (CDU) erklärte, „die Fokussierung auf ein Grundstück sei zu früh“, Manfred Bausch (SPD) regte an, der Rat solle abrücken vom Beschluss, nur auf städtischen Grundstücken zu bauen und eventuell andere kaufen, Ellen Begolli (Die Linke) sagte: „Konsens ist, die Kita wird gebraucht, aber die Welsche Mühle ist nicht so ganz der tolle Standort“, und Margret Vallot (Piraten) bekräftigte: „Die Welsche Mühle ist ein prominentes Denkmal. Aus Denkmalschutzgründen darf das Gelände nicht bebaut werden.“

Die Freunde der Welschen Mühle waren am Ziel. Einstimmig empfiehlt das Bürgerforum dem Kinder- und Jugendausschuss, als Standort für die neue Kita in Haaren parallel zur Welschen Mühle „das Grundstück Burghöhenweg/Am Burgberg und andere Standorte zusätzlich zu prüfen“.