Aachen: Bürgerbefragung: Elisengarten ist top, Kaiserplatz ein Flop

Aachen: Bürgerbefragung: Elisengarten ist top, Kaiserplatz ein Flop

Kritisch sind die Aachener, selten nehmen sie ein Blatt vor den Mund. Erst recht, wenn es um „ihre“ Stadt geht. Diese Eigenschaft machte sich jetzt das Projekt „Aufmerksamkeits-Räume“ zunutze — gefragt waren die Lieblings- und Unorte der Aachener im Innenstadtbereich. 838 Bürger füllten hierzu Anfang Juni an acht Standorten Fragebögen aus — darunter auch Schüler des St. Leonhard Gymnasiums und des Kaiser-Karls-Gymnasiums sowie Ratspolitiker.

Insgesamt 191 verschiedene Orte kamen in der Befragung zur Sprache. Erste Zwischenergebnisse wurden nun von den Initiatoren Hans-Dieter Collinet, Vorsitzender des Vereins „Aachen-fenster-raum für Bauen und Kultur“, und Prof. Rolf Westerheide vom Lehrstuhl für Städtebau und Landesplanung der RWTH Aachen vorgestellt.

„Wir beobachten in zunehmendem Maße ein tiefes Misstrauen der Bürger gegen Politiker, Fachleute und Verantwortliche. Daher brauchen wir eine neue Strategie des frühzeitigen, intensiven und offenen Dialogs. Das möchten wir mit dieser Aktion erreichen“, so Collinet über die Ziele der Befragung.

In mühsamer Kleinarbeit wurden knapp 3000 Antworten von Studenten und Mitarbeitern des Lehrstuhls für Städtebau und Landesplanung ausgewertet, wobei sich 15 Orte als besonders markant herauskristallisierten — im positiven oder negativen Sinne. Die Kriterien Gestalt, Funktion und Soziales wurden ebenso berücksichtigt wie Historie/Bedeutung, Treffpunkt, Zustand und Ausstattung.

Absoluter Gewinner ist der Elisenbrunnen mit dem neu gestalteten Elisengarten, der über alle Altersgruppen hinweg ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt bekommt. Vor allem seine Gestaltung und seine Funktion als beliebter Treffpunkt werden überaus geschätzt.

Auch Marktplatz, Dom, Katschhof, Lousberg sowie Stadtpark und Kurgarten Casino gehören zu den favorisierten Orten der Aachener, überhaupt sind diese mit der Altstadt sehr zufrieden. Die große Überraschung: Der wegen Lärmbelästigung und Vermüllung häufig in der Kritik stehende Westpark kommt gerade bei Menschen zwischen 19 und 40 Jahren sehr gut an, ein ähnlich positives Resultat konnte die Studentenmeile Pontstraße erzielen.

Einer der großen Verlierer ist hingegen der Kaiserplatz, „ein Unort und Angstraum, der mittlerweile von vielen Bürgern gemieden wird“, so Westerheide. Noch schlechter kam der Bereich Peterstraße/Bushof weg, der von den befragten Bürgern keine einzige positive Stimme erhielt.

„Öffentliche Räume sind Bühnen, wo sich die Bürger artikulieren, zudem sollten Botschaften von solchen Räumen ausgehen. Am Bushof ist beides nicht gegeben. Hier fühlt man sich wie in einem Fahrstuhl, wo man sich nicht anschaut und nicht miteinander spricht“, erklärt Westerheide die schlechte Zensur. Auch dem Aachener Hauptbahnhof stehen viele Aachener eher ablehnend gegenüber, wobei vor allem die Gestaltung bemängelt wird.

Natürlich war auch das Hochschulareal ein wichtiges Thema. Hier ist das Meinungsbild gemischt, obwohl auffällt, dass gerade Studenten weniger von diesem Ort angetan sind. „Hier fehlt es eindeutig an Aufenthaltsqualität. Bei schönem Wetter drängen sich auf ein paar Grashalmen viele Studenten.

In einer Stadt dürfen Funktionsräume nicht nur Funktionen erfüllen“, so Collinets Erklärung. Überhaupt wünschen sich gerade junge Leute wesentlich mehr Grünflächen in der Stadt — auch das hat die Befragung gezeigt.

Großes Lob für die Aktion gab es von Oberbürgermeister Marcel Philipp: „Diese Befragung ist der richtige Weg, um Bürgermeinungen einzubinden. So erhalten wir objektive Ergebnisse, an denen wir uns in Politik und Verwaltung orientieren können.“

Nicht nur Bürger beteiligten sich an der Diskussionsrunde im „Aachen-Fenster“, auch Experten wie Planungsdezernentin Gisela Nacken, Dr. Peter Gleißner vom Fachbereich Umwelt der Stadt Aachen und Stephan Baldin, Geschäftsführender Vorstand der Aachener Stiftung Kathy Beys, standen Rede und Antwort.

Ende des Jahres werden die finalen Ergebnisse der Befragung vorgestellt. Im Anschluss daran soll der Dialog mit den Bürgern fortgeführt werden. So sind öffentliche Rundgänge zu genannten Orten in der Innenstadt geplant, bei denen Bürger und Experten über Verbesserungen diskutieren können. Angedacht ist auch, andere Stadtteile Aachens in zukünftige Befragungen mit einzubeziehen.