Bürger gefragt: Wenn es per Fahrrad durch Aachen gefährlich wird

Kritische Beiträge : Wo Radfahrer in Aachen ihr Leben riskieren

Löchrig, von Baumwurzeln übersät, viel zu schmal, völlig unübersichtlich, ohne ausreichende Markierung, allzu oft jäh unterbrochen – oder schlicht nicht vorhanden: Wenn es um die Sicherheit der Radfahrer im Allgemeinen und den Zustand der Radwege im Speziellen geht, geraten unsere Leser flott in Fahrt.

Rund 70 Hinweise auf (meist) mehr oder minder marode Velo-Strecken haben die Lokalredaktion bereits erreicht, seit wir vergangene Woche um entsprechende Beiträge gebeten haben. Unsere Leser beschränken sich in aller Regel keineswegs nur auf ein oder zwei – meist als brandgefährlich angeprangerte – Beispiele; nicht selten listen die Beschwerdeführer gleich mindestens ein halbes Dutzend Routen auf, auf denen Konflikte mit Fußgängern und/oder Autos, Bussen und Lkw an der Tagesordnung seien. Mehrere Leser schlussfolgern sogar resigniert: Es sei wohl einfacher, die wenigen Stellen im Stadtgebiet zu nennen, an denen man auch per Pedale sicher und halbwegs komfortabel vorankommt  – und das nicht nur in der City…

Brennpunkt Kaiserplatz

Dabei rücken zunächst vor allem die Grabenringe und die großen Ein- und Ausfallrouten in den Fokus. Beispiel Kaiserplatz: Nach wie vor gerate das Abbiegen in den Adalbertsteinweg zur unfreiwilligen Mutprobe, monieren mehrere Leser. Da nütze auch die Radfahrerampel an der Ecke zur Wilhelmstraße wenig bis nichts. Denn die schalte gerade mal eine runde Sekunde früher auf Grün als das Signal für den motorisierten Verkehr. Auch wer seinen Drahtesel von der Heinrichsallee kommend in den Adalbertsteinweg bugsieren wolle, gerate fast zwangsläufig zwischen die Blechkolonnen auf den Abbiegespuren Richtung Ostviertel. In umgekehrter Richtung, an der Einmündung  Maxstraße und am Hansemannplatz, bleibe die Sicherheit auf der Allee mangels Fahrradweg völlig auf der Strecke, heißt es mehrfach. Beispiel Boxgraben: Gerade auf der abschüssigen Strecke von der Schanz aus müssten Radler jederzeit damit rechnen, von ein- oder ausparkenden Pkw und jäh geöffneten Autotüren überrascht zu werden. Eben dies sei auch am Templergraben, etwa im Abschnitt zwischen der Einmündung Wüllnerstraße und der Kreuzung mit der Pontstraße, der Fall.

Mit dem wenig schmeichelhaften Attribut „katastrophal“ werden – wie zu erwarten – zudem die Zustände auf der Theaterstraße, auf dem Adalbertsteinweg selbst (und das nicht nur wegen der aktuellen Baustellenengpässe) und auf der Wilhelmstraße gekennzeichnet. Auch die Radfahrerampel an der Theaterstraße/Ecke Borngasse gewähre einen viel zu kurzen Vorsprung vor Bussen und Pkw, wenige Meter weiter müssten sich Zweiradfahrer notgedrungen irgendwie mit dem vorbeibretternden Blech arrangieren.

Und kurz vor der Normaluhr stehe man dann vor einem Rätsel statt auf sicherem Parcours – „ist das zwischen den Pollern noch ein Radweg – oder ein vergessenes Relikt?“, fragt ein entnervter Leser. Und verweist auf „zahlreiche Beinaheunfälle“ durch rücksichtslose Rechtsabbieger und Lkw oder Taxis, die an der Ecke zur Zollernstraße auf der Fahrbahn parkten. Grundsätzlich wird daher häufig angemahnt, die Schutzstreifen (sofern vorhanden) zumindest in rot markierte Tabuzonen für den motorisierten Verkehr zu verwandeln. Doch selbst dies reiche bei Dunkelheit vielfach nicht aus, wie ein Leser anmerkt.

Damit bei weitem nicht genug. Jenseits der viel diskutierten City-Routen könne von halbwegs komfortablen Radwegen oft keine Rede mehr sein, heißt es immer wieder. Besonders schlechte Zeugnisse gibt es für Lintertstraße und Monschauer Straße, für Letztere vor allem zwischen den Einmündungen I.-Rote-Haag-Weg und Grüne Eiche. Dort gebe es nur einen Radweg in beide Richtungen, der Pedaltretern zudem an etlichen Stellen durch Löcher, prekäre „Hubbel“ und Müllberge höchste Aufmerksamkeit abverlange. Ganz zu schweigen von abbiegenden Autofahrern, die ihrerseits oft nicht auf den Radverkehr achteten.

Als völlig chaotisch beschreibt ein Leser die Situation auf der Kreuzung an Siegel – Stichwort Rätselraten statt schnurstracks Radeln: „Am besten reiht man sich stadteinwärts etwa ab der Fußgängerampel Fuchserde in den Autoverkehr ein und fährt fahrbahnmittig; das zeitigt zwar Gehupe, ist aber einigermaßen sicher und schnell. Aber: Das ist kein Zustand!“

Gefährliche Ausfallstraßen
Überhaupt erhält die Bezeichnung „Ausfallstraßen“ in etlichen Beiträgen eine denkbar bittere neue Bedeutung – auch in weiten Teilen der Roermonder Straße, der Vaalser Straße, der Eupener Straße und der Trierer Straße lauerten ungezählte lebensgefährliche Tücken. Mehrfach wird etwa auf die Einmündung zum Grundstück der Genezareth-Kirche an der Vaalser Straße hingewiesen. Noch immer gebe es dort nicht  einmal ein Warnschild für einbiegende Wagen – Zusammenstöße mit Velofahrern seien praktisch programmiert. Höchste Vorsicht sei ferner auf der Roermonder Straße geboten. An der Einmündung Schlossparkstraße etwa sei man des öfteren schlicht gezwungen, Rettung auf dem Gehweg zu suchen, vor allem, wenn Busse dort unterwegs seien. Die Fahrbahn bis hinauf nach Richterich sei viel zu eng, Radstreifen nur gelegentlich als solche ausgewiesen und oft völlig marode.

Brennpunkt Roermonder Straße: Parkende und abbiegende Autos und Busse behindern Pedalpiloten. Foto: Andreas Schmitter / Schmitter Fotografie

Neben Richterich nimmt in den Außenbezirken auch Eilendorf einen unerfreulichen Spitzenplatz auf der Beschwerdeliste ein. Mehrere Leser weisen darauf hin, dass der Radweg an der Von-Coels-Straße im Umfeld des Eilendorfer Marktes viel zu schmal sei und teilweise massive Schäden aufweise. Einer merkt an, dass die Bezirksverwaltung auf seine schriftliche Beschwerde seit Monaten nicht reagiert habe.

Brennpunkt Von-Coels-Straße: Der Radweg Richtung Eilendorfer Markt ist holprig und schmal. Foto: Andreas Schmitter / Schmitter Fotografie

Kein Warnschild am Vennbahnweg

So könnte man die Mängelliste noch lange fortsetzen: Schurzelter Straße, Breslauer Straße und Europaplatz werden ebenfalls wiederholt als gefährliche Holperstrecken genannt,  aber auch (bei Radlern naturgemäß oft beliebte) kleinere Routen wie Im Brockenfeld (als Fortsetzung der Aachener-und-Münchener-Allee unübersichtlich und gefährlich eng), Pannhauserstraße und Henricistraße sowie Republikplatz rücken wiederholt in den Fokus. Selbst der Vennbahnweg fällt negativ auf: Die Querung über die Rombachstraße in unmittelbarer Nähe der Gesamtschule etwa sei nicht einmal mit Warnschildern für Pkw ausgestattet.

Fast schon auf skurrile Weise fällt in der vertrackten Sammlung der Unzulänglichkeiten übrigens die Kapellenstraße in Burtscheid aus dem Rahmen. Zwei Leser plädieren mit Nachdruck dafür, die Fußgängerzone für Drahtesel freizugeben. Ein entsprechender Vorstoß ist im Mobilitätsausschuss des Rates übrigens vor Jahresfrist mehrheitlich abgeschmettert worden.

Brennpunkt Bushof: Vor allem an der Ampel an der Klangbrücke wird es trotz Radstreifens oft gefährlich eng. Foto: H504619/Harald Krömer

Konkrete Vorschläge zur Verbesserung der vielerorts (h)ausgemachten Defizite bleiben ansonsten naturgemäß oft darauf beschränkt, mehr Velo-Strecken zu schaffen, vorhandene deutlicher zu kennzeichnen und sie regelmäßig(er) zu sanieren. Eine Leserin aus dem niederländischen Bocholtz lässt es sich allerdings nicht nehmen, noch ein paar konstruktive „Wünsche“ an die Adresse der städtischen Experten und Politiker zu richten. Kreisverkehre mit außen geführten Rad- und Fußwegen seien an „besonders gefährlichen Kreuzungen“ in den Niederlanden gang und gäbe. Und: „Ganz wichtig“ sei nun einmal „die Pflege der vorhandenen Radwege und Schutzstreifen“. Und das nicht erst, wenn Schnee und glitschige Laubberge wieder zur ultimativen Herausforderung für die Nutzer des umweltfreundlichsten aller Verkehrsmittel mutierten.

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