"Bündnis Knoten Aachen" gegründet

Breites Bündnis fordert besseren Bahnverkehr : Eine starke Stimme für die Schiene

Sie fordern erhebliche Investitionen in die Modernisierung und den Ausbau der Schieneninfrastruktur in der ganzen Region: Vertreter von Städten, Gemeinden, Kreisen und Verbänden haben in Aachen das „Bündnis Knoten Aachen“ besiegelt.

Manchmal können Politiker ja erfrischend ehrlich sein. „Das ist doch heute nur ein Commitment-Tag“, sagt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp am Rande dieser Veranstaltung, zu der sich hochrangige Vertreter nahezu aller Städte und Kreise der Region, von Kammern und diversen Verbänden mit NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) in Aachen treffen. Also ein Tag, an dem man sein gemeinsames Engagement, seinen Willen, seine Verpflichtung bekräftigt. Und man könnte auf die Idee kommen, dass der OB meint, es gebe ja durchaus Bedeutsameres als so einen symbolhaften Akt.

Und ein solcher ist es ja in erster Linie. All die Bürgermeister, Politiker und Verbandsvertreter schmieden an diesem Morgen das „Bündnis Knoten Aachen“. Sie wollen damit ein Zeichen setzen für die Modernisierung und den Ausbau der Schiene in der gesamten Region – und dieses Bild des Zeichensetzens wird in den vielen Redebeiträgen derart oft bemüht, dass es gegen Mittag schon ziemlich abgenutzt ist. Sie wollen aber vor allem eine starke Stimme erheben in Richtung Land und Bund. Dort fallen schließlich die Entscheidungen darüber, wie viele Millionen in die Schienen der hiesigen Region fließen. Und wenn man gemeinsam ruft, wird man dort besser gehört.

So ist das Ganze an diesem Morgen zwar „eigentlich nur eine Absichtserklärung“, wie Philipp den vielen Gästen in seiner Begrüßung sagt, aber immerhin doch „eine ziemlich konkrete, gut vorbereitete“. Denn man stützt sich auf eine Machbarkeitsstudie aus den Jahren 2016 und 2017, die die Nahverkehr Rheinland GmbH (NVR) gemeinsam mit der IHK Aachen angestoßen hat. Man wollte herausfinden, wie man auf der Strecke von Köln nach Aachen dem steigenden Personen- und vor allem Güterverkehr gerecht werden kann. Herausgekommen ist dabei ein Bündel an Projekten, das sich von der jahrelangen Forderung nach einem – nicht finanzierbaren – dritten Gleis zwischen Aachen und Düren verabschiedet und statt dessen auf eine ganze Reihe kleiner und einige wenige große Projekte setzt. Und mit dem die Zustände verbessert werden sollen, die heutzutage bisweilen jeder Beschreibung spotten, wie Städteregionsrat Tim Grüttemeier (CDU) mit Blick auf die miserablen Pünktlichkeitsquoten der Regionalexpresse in der Region kritisiert: „Da kommen Pendler an zwei Tagen pro Woche zu spät ins Büro.“

Im Überblick: der aktuelle Stand aller Projekte, mit denen in den kommenden Jahren die Schieneninfrastruktur in der Region verbessert werden soll. Foto: grafik

Manche der Maßnahmen sind bereits umgesetzt (siehe Grafik), bei manchen wie etwa dem Ausbau des Burtscheider Viadukts kurz vor dem Aachener Hauptbahnhof – eines der Großprojekte – stehen die Planer noch am Anfang. Dem gesamten Paket jedoch will das neue Bündnis nun Schubkraft geben. „Dieser Tag soll ein Aufbruch sein“, bekräftigt nicht nur Heiko Sedlaczek, Geschäftsführer von NVR und Aachener Verkehrsverbund (AVV).

Bei einem der Adressaten kommt das Signal aus Aachen an diesem Morgen jedenfalls an. „Deutschland muss wieder Bahnland werden“, bekräftigt Verkehrsminister Wüst und stellt der Region umfangreiche Fördermittel in Aussicht – unter anderem auch explizit für die Regiotram, die den Norden der Städteregion mit der Aachener Innenstadt verbinden soll.

Da passt es gut, dass gerade bekannt geworden ist, dass sein Ministerium auf eine Reserve von nicht verwendeten Zuschüssen für Busse und Bahnen von 700 Millionen Euro zurückgreifen kann, weswegen mancher, etwa der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU), gleich „laut hier rufen“ will. „Der Knoten Aachen ist keine Kleinigkeit“, sagt Wüst, „sondern ein wichtiger Baustein dafür, dass NRW Teil des Bahnlands Deutschland wird.“

Mahner gibt es an diesem Morgen aber auch. „Wir lösen erhebliche Erwartungen aus“, sagt Spelthahn inmitten all der Absichtserklärungen. Deshalb müsse man „jetzt Gas geben“ und „Taten folgen lassen“. Man könnte auch sagen: Nach dem feierlichen Schaulaufen wartet wieder der Alltag. Und zwar mit einem Berg voller Arbeit.