Bündnis der Rotary Clubs aus Aachen-Land und Canterbury gedeiht

Rotarier besiegeln neue Partnerschaft : Brücke der Freundschaft trotzt dem Brexit

Wenn das kein Ausrufezeichen ist! Mitten in der Debatte über den britischen Auszug aus der EU, Stichwort Brexit, gründen der Rotary Club Canterbury und der Rotary Club Aachen-Land eine neue englisch-deutsche Partnerschaft. Jetzt waren Rotarier aus der englischen Domstadt im Südosten Englands zu Gast in Aachen.

Die Vereinbarung einer engen freundschaftlichen Zusammenarbeit ist nun in beiden Clubs offiziell beschlossene Sache. Die entsprechenden Dokumente wurden ausgetauscht.

Natürlich spielt bei einem mehrtägigen Treffen von Engländern und Deutschen das Thema Europa eine wesentliche und relevante Rolle. So hatte der Präsident des RC Aachen-Land, Reinhard Goethe, eigens zu einer Diskussion der deutschen und englischen Freunde ins Centre Charlemagne eingeladen. Keine Überraschung: Die Stimmungslage dieser englischen Gäste ist eine Melange aus Verärgerung, Verbitterung und eindeutiger Ablehnung des Brexits. Sie nennen die Dinge beim Namen, sprechen von „Lügen“ und „fake news“ und von einer davon geprägten einseitigen Propaganda, in der Fakten und Argumente bei der Mehrheit kaum eine Chance gehabt hätten und haben. Vielmehr habe das Schüren von Angst und Furcht einen verhängnisvollen Einfluss ausgeübt.

Sie werfen Boris Johnson und anderen britischen Politikern vor, nur eigene, zudem durchaus private wirtschaftliche Interessen wahrzunehmen, und eine mutig und sehr stringent argumentierende Engländerin bezeichnet sie als „small rich men“, also kleine reiche Männer. Das vermittelt einen Eindruck von dem Riss, der offensichtlich durch die britische Gesellschaft geht.

Viele Parallelen

Es gibt im Verhalten der Menschen durchaus Parallelen zu anderen EU-Staaten, auch zu Deutschland. Ein Beispiel: In Sachsen leben kaum Asylbewerber und Migranten, aber die AfD hat dort einen enorm hohen Stimmenanteil. Im britischen Distrikt Castle Point (Essex) sind ebenfalls kaum Migranten, aber 72 Prozent der Einwohner stimmten für den Brexit. Und noch ein Beispiel für britisches Abstimmungsverhalten wird erwähnt: Seit 1999 hat das Vereinigte Königreich 95 Prozent der EU-Gesetze zugestimmt, in drei Prozent der Fälle gab es Enthaltungen, eine Ablehnung nur in zwei Prozent! Wie könne da, fragen die englischen Gäste in Aachen, die Behauptung von Boris Johnson stimmen, man habe wegen der EU die Kontrolle über das eigene Land komplett verloren.

Von „Konfusion“ in Großbritannien sprechen sie und sind skeptisch, ob es überhaupt noch eine Chance zur Kehrtwende gebe. Auch die pro-europäischen jungen Leute, so die Meinung der englischen und der deutschen Rotarier, seien noch immer viel zu zurückhaltend in der für Großbritannien überlebenswichtigen politischen Frage. Eine Abhängigkeit von Donald Trump könne nicht die Alternative zur EU sein.

Für die Gäste aus Canterbury war es insgesamt eine informative, unterhaltsame und von neuer Freundschaft geprägte Begegnung in Aachen. Zum Programm gehörten unter anderem ein Besuch in den Werkstätten der Lebenshilfe Aachen und des Therapeutischen Reitens Lohner Hof in Eschweiler – zwei soziale Projekte, die der Club intensiv unterstützt. Es gab einen kurzen Abstecher zur Aussichtsplattform des Indemanns in Inden, einen Besuch im Aachener Dom mit dem ehemaligen Dompropst Manfred von Holtum, eine Stadtführung mit Sabine Mathieu und einen Spaziergang mit wichtigen Eindrücken und Informationen auf dem RWTH-Campus mit Professor Volker Stich.

Eine neue englisch-deutsche Freundschaft mit Aachener Akzent – dem Brexit zum Trotz! „If all else falls – we have our clubs!“, sagten sie am Ende des Treffens. „Wenn  alle Stricke reißen – wir haben ja unsere Clubs!“

(bm)