Aachen: Bühnencollage: Mit „Hurra“ geht‘s in den Tod

Aachen: Bühnencollage: Mit „Hurra“ geht‘s in den Tod

17. Mai 1915: Hermann Meyer schreibt einen Brief. Einen ganz besonderen Brief, es ist der erste und vorerst auch der letzte an seine Familie. Denn Hermann Meyer ist im Krieg.

Um ihn herum: Tod und Grauen. Angst. Diese schrecklichen Geräusche. „Man soll nicht glauben, was der Mensch angesichts des Todes alles aushalten kann. Zerfetze Leiber ohne Köpfe oder Arme“, schreibt er. Zeilen, die unter die Haut gehen, gleichzeitig aber inmitten der vielen Kriegsschicksale in Vergessenheit geraten und in den Weiten der Anonymität verschwinden.

Das „rohestheater“, die Bühnentruppe der Mies-van-der-Rohe-Schule, thematisiert anlässlich des 100. Gedenkjahres zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges die Schicksale hinter den schockierenden Meldungen und Geschehnissen. „1914-2014 — Hurra“ ist ein Versuch, das „Unspielbare“, wie es Regisseur Eckhard Debour ausdrückt, auf die Bühne zu bringen.

Die Grundlage bildeten dabei historische und gegenwärtige Feldpostbriefe mit Gedichten, Hymnen, Liedern und Romanauszügen aus Erich Maria Remarques Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues.“ Ergänzend, um die vielen Kriege bis in die Gegenwart deutlich zu machen, bedienen sich die Schüler Jürgen Todenhöfers Afghanistanbericht „Du sollst nicht töten“, Johannes Clairs Einsatzbericht „Vier Tage im November“, die sein Leben als Soldat in Afghanistan dokumentieren, sowie eigens entworfener Installationen.

So kommen erschreckende und bedrohliche Momente an die Oberfläche, die nur im Ansatz erahnen lassen, welche furchtbaren und tief erschütternden Narben ein Krieg bei den Beteiligten hinterlässt. „Das sind keine Menschen, die können nicht so schreien“, heißt es da etwa. Doch — können sie angesichts der Grausamkeiten. „Gas, Achtung Gasgranaten. Jetzt zählt‘s — funktioniert die Gasmaske oder nicht?“, schreibt ein Soldat.

Entsetzlich und schonungslos ehrlich werden die schriftlichen Zeugnisse da übermittelt. Doch mehr als das. Auch für Kinder ist der Krieg sichtbar und wird in makaberen „Klatschspielen“ umgesetzt. „Maikäfer flieg, der Vater ist im Krieg, die Mutter ist im Pulverland“: Vielleicht sang auch Hermann Meyers Tochter genau dieses Lied, welches die Traurigkeit und Absurdität des Krieges deutlich macht. Die neue Produktion des „rohestheater“ ist mahnend und aufwühlend zugleich.

Die Collage wird noch aufgeführt am 3., 4. und 5. April, 20 Uhr, Mies-van-der-Rohe-Schule, Neuköllner Straße 17. Weitere Infos unter www.rohestheater.de.

Mehr von Aachener Zeitung