Aachen: „Büchertürme“: Lesend in ungeahnte Höhen vorgedrungen

Aachen : „Büchertürme“: Lesend in ungeahnte Höhen vorgedrungen

Eigentlich sollten die Aachener Grundschulkinder mit einer schwierigen Herausforderung konfrontiert werden, als Ute Ketteniß im vergangenen Sommer dazu aufrief, das Oktogon des Aachener Doms innerhalb eines Jahres zu „erlesen“. Was das heißt? Die Jungen und Mädchen sollten so viel lesen, dass man die Bücher auf die Höhe des alten Turmes stapeln könnte.

Stolze 55,5 Meter müsste die Dicke der Buchrücken insgesamt ergeben. Ein Kinderspiel für die knapp 3000 Teilnehmenden, die schon nach wenigen Monaten das ausgegebene Ziel erreichten. „Wir haben zu klein gedacht“, gab Ketteniß, Organisatorin des Projekts „Büchertürme“, zu.

Plötzlich standen eher die Initiatoren vor einer Herausforderung: Neue Türme mussten her — höhere, schwierigere. Kurzerhand wurde Oberbürgermeister Marcel Philipp als Schirmherr gewonnen. Und mit ihm die beiden Türme des Rathauses — Granus- und Marienturm — mit je über 60 Metern Höhe. Doch die Jungen und Mädchen lasen mit Bravour und schafften auch die neuen Aufgaben mühelos.

Nach nun einem Jahr ergeben alle Buchrücken addiert genau 394,5 Meter. Im Grunde genommen haben die Grundschüler also nicht nur die drei Türme „erlesen“, sondern sogar das Doppelte. Nicht zuletzt die hohe Teilnahmebereitschaft ermöglichte den rasanten Erfolg: 21 Aachener Grundschulen nahmen an dem Projekt teil. „Und das, obwohl Bücher eigentlich außer Kurs geraten sind“, betonte Dompropst Manfred von Holtum, ebenfalls Schirmherr der Aktion.

Jetzt feierte das Projekt seinen Abschluss im Cineplex Kino. Rund 1600 Kinder und Eltern ließen die große Eingangshalle aus allen Nähten platzen. Sieben Kinosäle stellte die Stürz-Familie zur Verfügung, mit der finanziellen Unterstützung durch „regio iT“. „So eine große Kinderanzahl haben wir selten hier“, bemerkte Moritz Stürz, Geschäftsführer des Cineplex Kinos Aachen.

Gemeinsam wurde „Alle Kinder lernen lesen“ gesungen, einem Clown zugeschaut und — vollbepackt mit Popcorn und Getränken — den Stimmen der Schirmherren gelauscht. Von der Mayerschen Buchhandlung gab es zudem Bücherpakete für jede teilnehmende Schule. Als Belohnung für die riesigen Büchertürme durften die Leseratten den Film „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ kostenlos anschauen.

So ganz zu Ende ist das Projekt aber noch nicht — zumindest, wenn es nach Organisatorin Ute Ketteniß geht. „Die Schulen werden aufgerufen, sich in ihrem Viertel neue hohe Bauwerke auszusuchen“, erklärt sie. Es können gleichermaßen Gebäude und Türme wie auch zum Beispiel große Bäume „erlesen“ werden. Und damit nicht genug: Das „Büchertürme“-Projekt fand überregional sogar so großen Anklang, dass derzeit eine NRW-weite Aktion in der Planung ist.

(jot)