Büchel: Parkhaus in Aachensoll ja kein Wahlkampfthema werden

Altstadtsanierung : Parkhaus Büchel soll nur ja kein Wahlkampfthema werden

„Nächstes Jahr um diese Zeit wird am Büchel wohl kein Parkhaus mehr stehen.“ Harald Baal, CDU-Fraktionschef und Vorsitzender des Planungsausschusses, gibt sich zuversichtlich, den im Frühjahr verkündeten ehrgeizigen Zeitplan für die künftige Entwicklung des Altstadtareals halten zu können. Und daran soll auch der bevorstehende Kommunalwahlkampf nichts ändern.

Wenige Stunden nachdem die Stadt am Donnerstag den Ankauf des zentralen Parkhaus-Grundstücks offiziell bekanntgegeben hat, stand das Thema Büchel und Altstadtsanierung erneut im Planungsausschuss auf der Tagesordnung. In nichtöffentlicher Sitzung stellte die Verwaltung die von ihr vorgesehenen weiteren Schritte vor, um den Jahrzehnte währenden Stillstand an der strategisch bedeutsamen Stelle der Innenstadt endlich zu überwinden.

Inzwischen haben sich daran bereits mehrere Politikergenerationen abgearbeitet – allerdings ohne erkennbaren Erfolg. Seit Bekanntgabe des „Innenstadtkonzepts“ im Jahr 1986 sind sämtliche Abriss-Pläne für das Büchel-Parkhaus ebenso gescheitert wie die Neubauvorhaben, die die unterschiedlichsten Investoren im Laufe der Jahre ins Auge gefasst haben. Auch aus dem großen Wurf, den sich die Stadt zuletzt von den beiden Aachener Projektentwicklern Norbert Hermanns und Gerd Sauren erhofft hatte, ist bekanntlich nichts geworden. Anfang des Jahres haben sie das Handtuch geworfen.

Nun wollen Verwaltung und Politik die städtebaulichen Wunden also in Eigenregie heilen. Im ersten Schritt hat sich die Stadt daher den Zugriff aufs Parkhausgrundstück gesichert. Weitere Ankäufe an Nikolausstraße, Büchel und Mefferdatisstraße durch eine kurz vor der Gründung stehende Stadtentwicklungsgesellschaft sollen folgen. Ein etwa 30-köpfiges „Büchel-Projektteam“ wurde von Oberbürgermeister Marcel Philipp mit der „vertiefenden Arbeit“ beauftragt. Darunter ist auch die neue Planungsdezernentin Frauke Burgdorff, die eigentlich erst im kommenden Monat offiziell ihre Arbeit in Aachen aufnimmt, hier aber längst mitten im Geschehen ist und auch in der jüngsten Planungsausschusssitzung bereits anwesend war.

Auch von ihrem Tatendrang wird es abhängen, wie schnell es am Büchel nun tatsächlich vorwärts geht. Hauptproblem: Noch weiß niemand, was denn anstelle des Parkhauses neu gebaut werden soll. Orientieren will man sich weiterhin an dem Entwurf des Büros Chapman Taylor, das 2015 als Sieger aus einem Städtebauwettbewerb hervorgegangen ist. Geplant ist demnach eher eine altstadttypische kleinteilige Bebauung.

Ob sich das mit dem von der CDU favorisierten Plan verträgt, auf dem Parkhausgelände einen Neubau für Volkshochschule und Stadtbibliothek zu errichten, ist unklar. „Ich kenne bisher noch keine besseren Vorschläge“, sagt Baal, der allerdings auch von „einer Vielzahl von weiteren Nutzungsoptionen“ spricht. Einzelhandel, Wohnen, Hotel, Konzert-, Sport- oder Markthalle – all das ist dort bereits in Betracht gezogen worden.

Man müsse nun das Beste herausfiltern, sagt Baal. „Und das sollte in einer öffentlichen Debatte erfolgen“, meint er. Noch vor Ende des Jahres soll es daher auch eine erste Öffentlichkeitsbeteiligung geben. Damit wächst allerdings auch die Gefahr, dass das Projekt in den Wahlkampfstrudel gerät und zerredet wird.

Doch sowohl Baal als auch Norbert Plum, planungspolitischer Sprecher der SPD, sind guten Mutes, das verhindern zu können. „Das Projekt ist zu wichtig für Aachen“, sagt Plum, der daran erinnert, dass „die entscheidenden Projekte“ in Aachen bislang immer noch „gemeinsam und verantwortungsvoll beschlossen“ worden seien. Eine breite Mehrheit im Rat sei Voraussetzung dafür, dass ein einmal gefasster Beschluss nach der Wahl nicht von einer neuen Mehrheit gekippt wird. „So viel Kraft muss man aufbringen, sich zu einigen“, meint auch Baal, „das Projekt verträgt keine weiteren Verzögerungen.“

Noch bewege man sich in dem Anfang des Jahres vorgelegten Zeitfenster, das eben auch den Abriss des Parkhauses bis Ende nächsten Jahres vorsieht. Die Beschlusslage im Planungsausschuss sei eindeutig, so Baal. Demgegenüber hat die Stadt am Donnerstag jedoch mitgeteilt, eine längere Baubrache am Büchel unbedingt vermeiden zu wollen. Abriss und Vorbereitungen für einen Neubau sollen daher möglichst dicht beieinander liegen. Heißt: So lange nicht entschieden ist, was gebaut wird, bleibt das Parkhaus stehen und soll auch weiter genutzt werden.

Zumindest diese Entscheidung sorgt nun bereits für Ärger. Für die verkehrliche Entwicklung der Stadt sei der Weiterbetrieb „total kontraproduktiv“, kritisiert Grünen-Parteivorsitzender Sebastian Breuer. Tatsächlich sieht auch der Luftreinhalteplan der Stadt schon seit Jahren die Schließung des Parkhauses vor, um Autos aus der Innenstadt rauszuhalten. Seit Jahren bekräftigt auch Oberbürgermeister Marcel Philipp, das Parkhaus so schnell wie möglich schließen zu wollen. Davon ist er nun abgerückt. Die Grünen haben gefordert, das Parkhaus bis zum Abriss nur noch für Anlieger und als Einstellfläche für Fahrräder freizugeben