Büchel: Parkhaus in Aachen soll Stadtbibliothek und VHS weichen

Jetzt soll die Stadt selbst bauen : VHS und Stadtbücherei an den Büchel

Klingt abgefahren: Nachdem seit 1986 vier gewaltige Projektvorhaben für einen Neubau auf dem Gelände des abrissreifen Büchel-Parkhauses gescheitert sind, liegt jetzt eine Vision auf dem Tisch, die gleich mehrere Probleme auf einen Streich lösen soll.

Anstelle der maroden Hochgarage soll ein moderner Neubau wachsen, in den dann die Volkshochschule (VHS) Aachen und die Stadtbibliothek einziehen. Diese Pläne aus der CDU-Fraktion hat deren Chef, der Vorsitzende des Planungsausschusses Harald Baal, am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt.

„Nachdem private Bauvorhaben für den Einzelhandel, ein Fitnessstudio, ein Zwei-Sterne-Hotel, Wohnungen und andere Ideen nicht wirtschaftlich realisierbar sind, liegt es auf der Hand, dass dort nur eine öffentliche Nutzung eines neuen Bauwerks für alle Aachener in Frage kommen kann“, sagt Baal. Deshalb wollen Stadt und Politik mit einer eigenen Baugesellschaft ans Werk gehen – was erkleckliche Fördermillionen aus Töpfen von Bund und Land NRW in Aussicht stellt.

Die VHS ist derzeit im schäbigen Bushof auf knapp 10.000 Quadratmetern untergebracht, die Stadtbibliothek platzt daneben an der Couvenstraße auf 8600 Quadratmetern aus den Nähten. Das gilt längst als nicht mehr zeitgemäß. „Beide benötigen eine neue Heimat inmitten der Stadt, und beide ziehen durchschnittlich pro Tag rund 1000 Besucher an“, erklärt der CDU-Fraktionschef. So würde der Büchel nicht nur um ein schmuckes Bauwerk bereichert, sondern auch spürbar belebt – was wiederum dem Einzelhandel in der ganzen Altstadt zugute käme. „Damit würde man noch weitere wünschenswerte Effekte erzielen: Das Umfeld – auch der Antoniusstraße – würde durch diese Aufwertung mit VHS, Stadtbibliothek und entsprechenden Besuchern eine deutlich bessere soziale Kontrolle erhalten. Außerdem würden sich durch den Wegzug der VHS aus dem Bushof dort für eine Überplanung freiere Rahmenbedingungen ergeben“, erläutert Baal.

Präziser Fahrplan für den Büchel: Harald Baal, Vorsitzender des Planungsausschusses. Foto: ZVA/Michael Jaspers

Etwa die Hälfte des Bushofs gehört übrigens der Stadt, die andere Hälfte Gerd Sauren – einem der beiden privaten Projektentwickler, die sich aus dem Büchel-Projekt zurückgezogen haben und die nun das Parkhaus und weitere Immobilien im direkten Umfeld an die Stadt zurückverkaufen wollen. Am Bushof würde die Stadt dann künftig Miete für tausende Quadratmeter der VHS sparen.

Aber natürlich stehen dann am Büchel auch erhebliche Investitionen an: Denkbar ist nach Auffassung der Aachener Christdemokraten ein Neubau mit vier weiteren Etagen auf dem Erdgeschoss. Die Grundfläche des Parkhaus-Areals beträgt gut 4900 Quadratmeter, die bebaubare Nutzfläche etwa 3700 Quadratmeter. Für etwa sechs Millionen Euro habe die öffentliche Hand vor Jahren das Parkhaus in private Hände gegeben, heißt es.

Ein passabler Neubau schlägt – grob überschlagen – mit mindestens 2000 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche zu Buche. Das ergibt bei fünf Etagen à 3700 Quadratmeter insgesamt bis zu 18.500 Quadratmeter (etwa die heutige Fläche von VHS und Stadtbibliothek) und damit Baukosten in der Größenordnung von deutlich über 30 Millionen Euro. Für den Ankauf des Parkhaus-Areals bestehe ausreichend Spielraum im aktuellen Haushalt, sagt Baal. Für die Neubau-Investition müssten dann ab dem folgenden Haushalt aus dem Stadtsäckel Extra-Mittel fließen – plus potenzielle Fördergelder.

Neue Büchel-Vision

Der Wunschzeitplan: Am 9. Mai berät die Poltik im Planungsausschuss über die neue Büchel-Vision. danach tagen die entsprechenden Betriebsausschüsse. Zeitgleich beginnen erste Ankaufverhandlungen der Stadt mit den vom Büchel-Projekt abgesprungen Investoren Sauren und Norbert Hermanns. Im vierten Quartal dieses Jahres sollte der Ankauf notariell beglaubigt sein. Dann könnte parallel ein Hochbauwettbewerb starten. Der beste Entwurf würde etwa sechs Monate später gekürt – möglicherweise sogar mit einer mittigen Durchwegung des geplanten Neubaukomplexes etwa in Form einer Passage.

Angedacht werden ein großzügiges, veranstaltungstaugliches Foyer und ein Lesecafé. Der Abriss des Büchel-Parkhauses könnte im Sommer 2020 beginnen – vorgesehen sind dafür etwa zwei Monate, danach für etwa sechs Monate archäologische Grabungen. Die massiven Bodenplatten des Parkhauses will man an Ort und Stelle lassen, um weitere Verzögerungen – durch Archäologie und das anspruchsvolle Bauumfeld mit heißen Thermalquellen – einzudämmen. Nach weiterer Bauleitplanung, der Genehmigung der Bauanträge etc. könnte Anfang 2021 Baubeginn sein. Gerechnet wird mit einer Bauzeit von zwei Jahren. Im Jahr 2023 würden bei idealem Verlauf VHS und Stadtbibliothek in das schlüsselfertige Gebäude einziehen. Nachdem im Jahr 1986 der Abriss des Büchel-Parkhauses im „Innenstadtkonzept“ verankert worden war, die Projekte „Forum Kaiserquelle“ (1998), die „Trendboxx“ (2006), die „Bel Etage“ (2008) und die „Entwicklung des Altstadtquartiers Büchel“ (2018) gescheitert sind, will die Union Fahrt aufnehmen.

„Wir möchten hier entscheidende stadtplanerische Impulse setzen“, bekräftigt CDU-Fraktionschef Baal. „Davon profitiert Aachen; und es wäre ein wegweisender Anstoß für weitere Entwicklungen in diesem Altstadtquartier.“ Die haben in diesen Tagen schon in ganz anderer Form begonnen: Im altehrwürdigen „Red House“ direkt an der Ecke zum Büchel-Parkhaus hat Gastronom Shokohi Solgi gerade sein griechisches Familienrestaurant eröffnet. Gyros und Tapas wie früher. Sein Mietvertrag läuft über zehn Jahre. Abgefahren.

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